Hamburger Abiturientenquote auf Allzeithoch, Ganztagsschulen stehen vor Rekordausbau, aber auch sonderpädagogischer Förderbedarf steigt sprungartigvon Marco Carini

Mehr denn je sind reif für die Uni: Oberstufenschüler im Hörsaal. Bild: dpa
HAMBURG taz| Es gibt Rekorde zu vermelden im Hamburger Schulwesen. Und da die meisten positiver Natur sind, blickte Schulsenator Ties Rabe (SPD) am Dienstag bei seiner Präsentation der "Herbststatistik", dem zentralen Zahlenwerk über das abgelaufene Schuljahr, recht zufrieden in die Runde.
Rekord Nummer eins: Erstmals verließen im Sommer 2011 mehr als die Hälfte aller SchülerInnen im vergangenen Jahr die allgemeinbildenden Schulen mit einem Abiturzeugnis in der Tasche. Hatte die Abiturientenquote unter den Schulabgängern im Jahr zuvor noch bei 48,6 Prozent gelegen, durchbrach sie mit 50,6 Prozent knapp eine historische Hürde.
Damit steht Hamburg voraussichtlich auf Platz 1 im Ranking der sechzehn Bundesländer, die ihre Schuljahrsdaten bislang aber noch nicht alle ausgewertet haben. Von den verbliebenen 49,4 Prozent der Schulabgänger schafften 3,2 Prozent die Fachhochschulreife, 23 Prozent den Realschul- und weitere 16,2 Prozent den Hauptschulabschluss. Die Quote der Schulabbrecher ganz ohne Abschluss lag bei historisch niedrigen 7,0 Prozent.
Rekord Nummer zwei liegt noch in der Zukunft: Ab August 2012 wird es 40 bis 50 neue Ganztagsschulen, vor allem im Grundschulbereich geben. 42 Grundschulen allein wollen in Zusammenarbeit mit einer Kita den Schulunterricht mit der Hortbetreuung bis 16 Uhr an einem Standort vereinbaren - 36 von ihnen haben die Genehmigung bereits in der Tasche. "Das nötigen wir den Schulen nicht auf, das fordern sie von uns ab", freut sich Rabe über die Eigeninitiative der Lehranstalten und darüber, dass "noch nie so viele Ganztagsschulen auf einen Schlag dazu gekommen" sind.
Rekord Nummer drei macht Rabe nicht ganz so glücklich: Die Zahl der sogenannten "Inklusionskinder" mit einem sonderpädagogischen Förderbedarf stieg innerhalb nur eines Jahres um fast zehn Prozent an - von gut 8.900 auf knapp 9.800 Kinder.
Raabe sieht einen der Hauptgründe für den Anstieg in einer "Veränderung des Maßstabes" aufgrund des Einschlusses dieser Schüler ins Regelschulsystem: Wurde sich bislang "manche Diagnose verkniffen, um eine Abschulung des Kindes auf eine Sonderschule zu verhindern", bedeutet heute jeder attestierte Förderbedarf für die Schulen zusätzliches Geld und damit Personal. Hier will Raabe "nachjustieren".
Als spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen entpuppt sich bislang der Zweikampf zwischen dem alt eingesessenen Gymnasium und den neuen Stadtteilschulen. In Klassenstufe fünf gingen 52 Prozent der Kinder aufs Gymnasium und 48 Prozent auf die Stadtteilschule, in Klasse sieben kehrt sich das Verhältnis um: Hier führt die Stadtteilschule gegenüber dem Gymnasium mit 53 zu 47 Prozent.
Besonders erfreulich aus Rabes Sicht: Viele BesucherInnen der Stadtteilschulen sind auf dem Weg zum Abitur: Von den SchülerInnen, die in Klasse 12 noch mit dabei sind, besuchen immerhin gut 35 Prozent eine Stadtteilschule und "nur" knapp 65 Prozent die klassische Abiturientenschmiede Gymnasium.
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Leserkommentare
20.01.2012 11:50 | Claus Schäfer
Es ist schon deprimierend, wie unkritisch die TAZ in BEzug auf die Hamburgs Schulpolitik vorgeht! ...