Kommentar zu Obernitz-Rücktritt

Ein männlich geprägter Koalitionär

Kommentar von Sebastian Puschner

Grandios ist Sybille von Obernitz’ Bilanz als Wirtschaftssenatorin sicher nicht. Dennoch ist ihr Abgang jetzt weniger ein Ausdruck von Unfähigkeit der Quereinsteigerin in die Politik als vielmehr ein Beweis dafür, dass sich Klaus Wowereit (SPD) mit der CDU einen so männlich geprägten wie drögen Koalitionspartner mit ultradünner Personaldecke ausgesucht hat.

taz paywall

Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?

Mehr Infos

Vier Frauen befinden sich unter den 38 Abgeordneten der CDU im Landesparlament. Kein Wunder, dass Frank Henkel dort kaum eine überzeugende neue Wirtschaftssenatorin findet. Auch jeder externen Kandidatin wird bewusst sein: Der Job macht keinen Spaß in diesem Männerzirkus.

Platzhirsche der Wirtschaft

Denn wie die Platzhirsche der Berliner Wirtschaft jede Frau wegbeißen, die sich mit ihnen anlegt, hat der Fall von Obernitz gezeigt: Was bei Männern „durchsetzungsstark“ heißt, wird bei Frauen zu „beratungsresistent“.

Von Obernitz nämlich hatte durchaus beherzt agiert: Sie fusionierte die beiden Wirtschaftsförderungsinstitutionen Berlin Partner und TSB und realisierte damit einen lang gehegten Wunsch der IHK. Richtigerweise wollte sie auch das dubiose Messe-Ausschreibungsverfahren neu aufrollen – und beging dabei einen Fehler. Wie schwerwiegend der tatsächlich war, das interessiert jetzt niemanden mehr.

Wie man weitaus schwerwiegendere Fehler aussitzt, zeigen derzeit Klaus Wowereit und Flughafen-Chef Rainer Schwarz beim BER-Debakel. Flughafenaufsichtsrat Frank Henkel hat dazu noch nichts gesagt. Aber weil er so männlich solidarisch stillhält, ist seine Partei ja auch in der Regierung.

Dieser Artikel ...

ist mir was wert!