Erneut werden mehrere Fälle von sexueller Gewalt gegen Kinder in Indien bekannt. Doch Öffentlichkeit hilft den Opfern in der Regel nicht.von Georg Blume

Teilnehmer der Kampagne zum Stopp der Gewalt gegen Frauen in Delhi. Bild: reuters
DELHI taz | Es wird nicht besser. Seit die brutale Vergewaltigung einer Medizinstudenten in Delhi im vergangenen Dezember Indien und die Welt schockierte, erfährt die indische Öffentlichkeit täglich von weiteren Vergewaltigungsfällen, die einem das Blut in den Adern gefrieren lassen. Die letzten drei Tage lieferten wieder drei neue Horrorgeschichten.
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Am Freitag wurde der Fall eines sechsjährigen Mädchens aus Delhis Vorort Gurgaon bekannt, das entführt, mehrfach vergewaltigt und dann halb verblutet auf die Straße geworfen worden war. Es schwebt in Lebensgefahr, von dem Täter fehlt jede Spur.
Am Samstag berichtete die größte englischsprachige Zeitung der Welt, Times of India, detailliert von einem erst zweijährigen Mädchen in Delhi, das vergewaltigt, und einem dreijährigen Jungen, ebenfalls in der Hauptstadt, der zum Analverkehr gezwungen wurde. Am Sonntag ging es dann um eine Dreizehnjährige im Bundesstaat Tamil Nadu, die von ihrem Onkel und dessen Freunden zehn Monate lang festgehalten und systematisch vergewaltigt worden war.
Selten gibt es einen Fall ohne Klage über Polizisten oder Behörden, die das Verbrechen in der Regel vertuschen und als Familienangelegenheit betrachten wollen. Ein Polizist wurde vom Dienst suspendiert, nachdem er die Familie des zweijährigen vergewaltigten Mädchens aus der Polizeistation gejagt hatte.
Dabei erfährt die Öffentlichkeit jetzt zwar mehr über einzelne Fälle, doch wird dadurch den Opfern in der Regel nicht geholfen. Stets scheuen sich deren Familien vor der Berichterstattung, da sie glauben, ihr Familienname werde dadurch geschändet.
Für die Medien macht das die Sache nicht einfacher. Sie dürfen im Zusammenhang mit Sexualverbrechen keine Namen nennen. Eben weil das den Opfern größeren Schaden zufügen könnte. Auch die Justiz folgt diesem Prinzip: Vergewaltigungsprozesse, wie auch im Fall der Delhier Medizinstudentin, finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Bleibt für die Medien nur das Drama der Straftat. Dabei zeigt sich, dass nur wenige das Thema in den Zusammenhang der allgemeinen Gewalt gegen Frauen in Indien stellen wollen. Man weiß von jährlich über 100.000 sogenannten Brautverbrennungen in Indien – Frauen, die von der Familie ihres Ehemannes getötet werden, weil sie nicht genug Mitgift einbringen.
Ebenso bekannt ist die weitverbreitete Praxis der geschlechtsspezifischen Abtreibung: Mindestens 10 Millionen Mädchen wurden in Indien in den letzten 20 Jahren nicht geboren, weil ihre Familien lieber einen Jungen wollten. Doch gerade die aufgeklärte indische Öffentlichkeit will sich nicht als frauenfeindliche Gesellschaft verstehen. Also bleibt es bei den Horrorgeschichten.
Diese Misshandlungen egal an wem und warum getan, als religiös Motiviert zu bezeichnen ist ja wohl der größte Schwachsinn. ...
Ich verstehe nicht ganz den Gedankengang, wie denn eine Berichterstattung inkl. Namen der betroffenen Familien und öffentli ...
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