Sizilien

Programm der Reise

vom 25. Mai bis 1. Juni 2019

Palermo - die Kirche San Giovanni degli Eremiti in Palermo Bild: Bernhard J. Scheuvens

1. Tag

Individuelle Anreise nach Palermo. Der Flughafen, auf dem wir landen, trägt den Namen „Falcone und Borsellino“, gewidmet ist er den beiden Staatsanwälten, die 1992 in zwei Bombenattentaten von der Mafia ermordet wurden, und erinnert so die Reisenden schon bei der Ankunft daran, dass Palermo auch dies ist: die Wiege der Mafia.

Abends besprechen wir bei einem gemeinsamen Abendessen den Verlauf der kommenden Tage.

2. Tag

Vom Stauferkaiser Friedrich II. heißt es, er sei als Junge gerne verkleidet und inkognito durch die Gassen Palermos gestreift. Wir werden uns auch auf seine Spuren begeben und eine Stadt erkunden, in der verschiedene Religionen und Kulturen ihre Spuren hinterlassen haben, in der die Kirche San Giovanni degli Eremiti von außen als Moschee erscheint, in der wir – im „Palast der Normannen“ – die Pfalzkapelle finden, an deren Wänden und Decken völlig friedlich christliche und islamische Symbolik nebeneinander existieren.

Demonstration in Palermo in Gedenken an den 1992 ermordeten Staatsanwalt Borsellino Bild: Gero Cordaro

Am Nachmittag werden wir Palermo von einer anderen Seite kennenlernen, auf einem geführten Stadtgang mit einem Vertreter der der Anti-Mafia-Vereinigung AddioPizzo: als Kapitale der Cosa Nostra. AddioPizzo entstand vor wenigen Jahren, um bedrängten Händlern im Kampf gegen die Schutzgelderpressungen beizustehen; mittlerweile existiert in der Stadt ein großes Netzwerk von Läden, Restaurants oder Bars, die sich offen dazu bekennen, der Mafia die „Zusammenarbeit“ zu verweigern – und die so wiederum anderen den Rücken stärken.

3. Tag

Über Jahre hinweg war vor allem Italien die erste Etappe für Bootsflüchtlinge, die von Tunesien oder Libyen aus den Weg nach Europa suchten – und in Italien waren es wiederum Sizilien und Lampedusa, die zu den Hauptzielorten wurden. Über Jahre hinweg auch setzte Italien auf Abwehr, auf die Abschottung der Seegrenze, schlossen seine Regierungen Abkommen mit Muammar Al Gaddafis Libyen, um über alle Menschenrechtsbedenken hinweg den Südanrainer als Hilfspolizisten einzuspannen.

In diesem Kontext entstand, angestoßen auch vom ehemaligen Cap-Anamur-Chef Elias Bierdel, die Organisation Borderline Europe mit dem Ziel, gleichsam als Lobby für die Flüchtlinge in der öffentlichen Debatte die Stimme zu erheben. Judith Gleitze von Borderline Europe Sizilien wird uns am Vormittag einen detaillierten Einblick in die Geschichte der Fluchtbewegungen, in die Reaktionen der Politik und in die aktuelle Situation geben.

Ein sehr bekanntes "AddioPizzo"-Restaurant in Palermo Bild: Gero Cordaro

Am Nachmittag sprechen wir mit Vertretern des Anti-Mafia-Netzwerks Libera in ihrem Laden im Zentrum Palermos – einer Immobilie, die früher einem Mafioso gehörte, beschlagnahmt und dann den Mafiagegnernzur Verfügung gestellt wurde. Libera organisiert, zum Beispiel in den Schulen, Aufklärung über die Cosa Nostra, betreibt aber auch zahlreiche Projekte, um in Mafia-freien Betrieben Arbeit zu schaffen.

4. Tag

Wir fahren von Palermo in das Städtchen Monreale, einst Residenz der normannischen Herrscher. Einem von ihnen, Wilhelm II. (auch „der Gute“ genannt) war im Traum die Madonna erschienen und hatte ihm das Versteck eines enormen Schatzes verraten. Zum Dank ließ Wilhelm der Muttergottes in Monreale am Ende des 12. Jahrhunderts eine prächtige Kathedrale mit Kreuzgang und Bischofspalast errichten, eines der schönsten Beispiele normannischer Architektur mit arabischen Einflüssen in Sizilien.

Monreale - Kreuzgang der Kathedrale Bild: Archiv

Von Monreale geht es weiter nach San Giuseppe Jato. Das kleine Städtchen war über Jahrzehnte hinweg eine der Hochburgen der Mafia; heute sind dort aber auch deren Gegner präsent. Wir besuchen die Landwirtschaftskooperative „Placido Rizzotto“ – benannt nach einem von Cosa Nostra ermordeten linken Gewerkschafter –, die auf beschlagnahmten Ländereien von Mafiosi arbeitet. Abends essen wir in dem Agriturismo „Portella della Ginestra“ des Antimafia-Netzwerks Libera.

5. Tag

Am Vormittag sind wir in Corleone, der Heimatstadt von Totò Riina und Bernardo Provenzano, den beiden berüchtigtesten Cosa-Nostra-Bosse der letzten Jahrzehnte. Wie wohl kein anderer Ort wurde Corleone zum Synonym für eine Mafia, die auch vor hunderten Morden, vor Anschlägen auf Polizisten, Politiker, Richter oder Staatsanwälten, vor blutigen Bombenattentaten nicht zurückschreckte, um ihre Macht zu festigen und Sizilien im Griff zu halten. Wir besuchen das örtliche Antimafia-Museum und tauchen in die Geschichte der weltweit wohl berühmtesten kriminellen Großorganisation ein.

Am frühen Nachmittag dann nehmen wir von Palermo aus den Zug nach Catania und fahren in den Osten Siziliens. Vor dem Abendessen werden wir noch einen Spaziergang in der Nähe des neuen Hotels unternehmen.

Catania mit Blick auf den Ätna Bild: Archiv

6. Tag

Vormittags besichtigen wir die Altstadt von Catania, der am Fuß des Ätna gelegenen zweitgrößten Stadt Siziliens und ewigen Rivalin Palermos. Erst ein Ausbruch des Ätna im Jahr 1669, dann das schwere Erdbeben von 1693 hatten die Stadt weitgehend zerstört – und die Grundlagen für einen Wiederaufbau im Barock geschaffen.

Der Südosten Siziliens spielt bei der Aufnahme der von Libyen kommenden Bootsflüchtlinge eine zentrale Rolle, zahlreiche Aufnahmeeinrichtungen bieten ihnen eine erste Unterkunft. Wir werden das Zentrum Astalli besuchen und mit Mitarbeitern über die Situation der Flüchtlinge sprechen.

Anschließend treffen wir Aktivisten von AddioPizzo Catania, um etwas über die Geschichte der ostsizilianischen Mafia zu erfahren, deren Bosse traditionell weit geräuschloser als die Mafiosi aus Palermo arbeiteten und auf spektakuläre Morde an Vertretern des Staates weitgehend verzichteten, aber äußerst effizient die Kontrolle über weite Sektoren der Wirtschaft erlangten.

Noto - die Kathedrale San Nicoló Bild: Reuters

7. Tag

Vormittags fahren wir mit dem Bus nach Syrakus. Dort besichtigen wir die Altstadt und den Archäologischen Park. In der Antike siedelten hier Griechen, die Stadt gründeten sie vor mehr als 2700 Jahren.

Anschließend fahren wir weiter nach Noto, einer der Perlen des sizilianischen Barock. Nach einem Gang durch die Altstadt treffen wir Vertreter des Gewerkschaftsbundes CGIL, um mit ihnen über das Leben der afrikanischen Immigranten zu sprechen. Viele von ihnen arbeiten als Erntehelfer zum Beispiel auf den Feldern Südsiziliens, auf denen auch jene Tomaten reifen, die wir dann in deutschen Großmarktketten kaufen – und werden dort bei unmenschlichen Arbeitsbedingungen mit Hungerlöhnen abgespeist.

8. Tag

Am Morgen fahren wir mit dem Bus nach Catania, mit Stationen im Zentrum und am Flughafen. Von dort erfolgt die individuelle Weiterreise oder der Rückflug.

Umstellungen und Änderungen im Detail sind möglich. Stand: 4. Januar 2018