Weil sie seit Jahren mit einem führenden Neonazi aus Mecklenburg-Vorpommern liiert ist, hat Ruderin Nadja Drygalla das olympische Dorf verlassen. von Andreas Speit / Andreas Rüttenauer

Nadja Drygalla war bis Ende September 2011 Polizeianwärterin. Bild: dpa
BERLIN/LONDON taz | Am vergangenen Dienstag schied die Ruderin Nadja Drygalla mit dem Frauen-Achter bei den Olympischen Spielen aus. Die sportliche Leistung der Rostockerin löste keine große Debatte aus. Ihre persönliche Beziehung schon. Die Leistungssportlerin des Olympiakaders ist mit Michael Fischer, einem militanten Neonazi aus ihrer Heimatstadt liiert.
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„Die Beziehung der beiden ist seit langem bekannt“, sagt Günther Hoffmann, langjähriger Rechtsextremismus-Experte in Mecklenburg-Vorpommern. Auch Petra Pau, Mitglied im Vorstand der Bundestags-Fraktion der Linkspartei und im NSU-Untersuchungsausschuss, erklärte: „Frau Drygalla wird ein strammer Hang ins Nazi-Millieu nachgesagt. Das ist nicht neu und das war nicht unbekannt. Dennoch wurde sie sportlich von Behörden und Organisationen zur Olympia-Reife gefördert und in das deutsche Vorzeige-Team berufen.“
Auch von Paus Parteikollegen in Mecklenburg-Vorpommern kommt Kritik. Steffen Bockhahn, Landesvorsitzender der Linken, bestätigte, dass Vorwürfe über Drygallas Kontakte in die rechte Szene bereits seit Frühjahr 2011 bekannt gewesen seien. Sollte Innenminister Lorenz Caffier darauf verzichtet haben, diese Informationen an den Ruderverband weiterzuleiten, ware das nicht entschuldbar, so Bockhahn auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd.
In der Nacht zu Donnerstag wies die Internetseite Kombinat Fortschritt erneut auf die Beziehung zwischen Nadja Drygalla und Michael Fischer hin und fragte, inwieweit diese Verbindung nicht dem olympischen Geist der Völkerverständigung zuwider laufe.
Michael Fischer ist dabei nicht bloß ein Mitläufer. Er gilt als Kopf der „Nationalen Sozialisten Rostock“. Für die NPD trat er 2011 zur Landtagswahl an. Drygalla verdankt ihre sportliche Karriere teilweise der Polizei. Mit Beginn ihrer Ausbildung bei der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern im Jahre 2008, so die Redaktion, soll sie Mitglied der Sportfördergruppe geworden sein.
Im Polizei-Journal vom März 2008 findet sich ein Bild mit dem Innenminister Lorenz Caffier (CDU) und ihr. Bei der Polizei ist eine Pressesprecherin auf taz-Nachfrage sehr zurückhaltend. „Bitte wenden sie sich an das Innenministerium.“ Michael Teich, Sprecher des Innenministeriums, sagt: „Seit dem 30. September 2011 ist Frau Drygalla nicht mehr Polizeianwärterin.“ Die Polizeischule in Güstrow hat sie vorzeitig verlassen.
Spekulationen, inwieweit die private Beziehung dabei eine Rolle spielte, wollte Teich nicht befeuern. Zu privaten Beziehungen würde sich das Ministerium grundsätzlich nicht äußern, so der Pressesprecher, erst Recht nicht, wenn es um ehemalige Polizeianwärter geht.
„Seit Jahren besteht die Beziehung“, versichert Hoffmann. Er weiß, dass diese Verbindung von der Polizei skeptisch betrachtet wurde. Er fragt, inwieweit ein Dienstherr bei der Auswahl der Lebens- und Sexualpartners mitreden dürfe? „Eine heikle Auseinandersetzung“, sagt er. Die Auflösung des Dienstverhältnisses dürfte den Behörden entgegengekommen sein, denn Fischer gilt als führender Kopf der Neonazi-Szene in Mecklenburg-Vorpommern.
Beim Szeneportal „Mupinfo“, das der NPD-Landtagsabgeordnete David Petereit verantwortet, schrieb Fischer am 30. Juli 2011: „Die Stadt hat kein Geld, da die Demokraten jahrelang in die eigene Tasche gewirtschaftet oder Klientelpolitik betrieben haben, aber wenigstens kann man 10.000 Euro zur Verfügung stellen, wenn es um den Bau einer neuen Moschee in Rostock geht“ und forderte, „dass die verfügbaren Gelder der Stadt umgehend und ausschließlich für deutsche Interessen eingesetzt werden“. Am 16. Juni diesen Jahres wetterte er gegen die „linke Ausländerlobby“, die sich für einen Asylbewerber engagierten.
Aber Fischer redet oder schreibt nicht bloß. Bei der Gedenkkundgebung in der Hansestadt für das NSU-Opfer Mehmet Turgut am 25. Februar gehörte er zu einer vermummten Gruppen von Neonazis, die die Veranstaltung störten. Ein Beamter wurde dort mit einer Eisenstange verletzt.
Nadja Drygalla war am Donnerstag nicht zu erreichen. Ihre dem Verband bekannte Handynummer ist falsch. Der DOSB-Pressesprecher Christian Klaue sagte der taz: „Ich habe von der Beziehung heute früh in einem Blog gelesen.“
Am Donnerstagmorgen sagte die Silbermedaillengewinnerin im Vierer, Carina Bär, im Deutschen Haus noch, dass sich alle an der Olympiastrecke treffen würden, auch Drygalla. Doch die war dann nicht da. Die Ruderinnen, die gekommen waren, hatten keine Ahnung, wo Drygalla stecken könnte. „Vielleicht kommt sie ja morgen“, sagte Ersatzruderin Lisa Schmidla der taz. Sie kam nicht.
Am Freitagmorgen veröffentlichte der DOSB eine Presseerklärung in der es heißt, man habe ein „ausführliches und intensives Gespräch mit unserem Mannschaftsmitglied geführt“. Drygalla habe darin „glaubwürdig“ ihr Bekenntnis zu den Werten der Olympischen Charta und den „in der Päambel des DOSB-Satzung niedergelegten Grundsätzen“ erklärt.
Auf einer Pressekonferenz zum Thema am Freitagmorgen nahm Michael Vesper die Ruderin in Schutz. „Wichtig ist, wie sie selber denkt und handelt“, sagte er. „In Deutschland ist jeder für die eigenen Taten und Handlungen verantwortlich, und nicht für die seines Umfelds“.
Nadja Drygalla habe das olympische Dorf verlassen „um keine Belastung für die Olympiamannschaft entstehen zu lassen. Die Mannschaftsleitung begrüßt diesen Schritt.“ Noch im August soll ein weiteres Gespräch mit Drygalla stattfinden.
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Leserkommentare
08.08.2012 22:03 | Beteigeuze
@ lui ...
08.08.2012 20:32 | Mahmoud
lui, was du schreibst ist eben genauso schon wieder Populismus. ...
08.08.2012 08:14 | holger
@Mahmoud ich zitiere mal ihre argumetation "Die "ständige Hetze auf sogenannte Neonazis bringt gar nichts. Ausser extremisi ...