Es ist das erste Studioalbum der dienstältesten deutschen Punkband seit 17 Jahren: Slime nimmt sich die Gedichte des Anarchisten Erich Mühsam vor.

Nach langer Pause hat sich das Trio Slime wieder zusammengetan und eine CD eingespielt. Bild: dapd
BERLIN dapd | Mit Schlagzeuger Stephan Mahler fehlt der Band Slime nach 30 Jahren einer der wichtigsten Songtexter. Aus der Not machte die Band eine Tugend und erfüllte sich zugleich einen Herzenswunsch: auf der neuen CD „Sich fügen heißt lügen“, die am 15. Juni erscheint, dem ersten Studioalbum seit 17 Jahren, bediente sich die Band ausnahmslos Gedichten von Erich Mühsam.
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Der Anarchist und Schriftsteller war 1918 an der Ausrufung der Münchner Räterepublik beteiligt, saß dafür in Festungshaft und wurde 1934 im Konzentrationslager Oranienburg ermordet.
„Für uns ist Mühsam als Figur und Schriftsteller sehr gegenwärtig. So entstand nach und nach die Idee, eine Platte mit seinen Gedichten zu machen. Wohlgemerkt eine Slime-Platte und nicht ein Konzeptalbum“, sagt Gitarrist Michael „Elf“ Mayer. Vertonungen von Mühsams Gedichten gibt es zwar einige, zumeist von Liedermachern, doch keiner zuvor hat sie in krachende Punkrock-Songs verwandelt. „Uns ist wichtig, dass Mühsams Texte als Slime-Song funktionieren und im Kontext zur Jetztzeit stehen“, betont Mayer.
„Wir haben das Gefühl, dass er einer von uns war, ein Freidenker“, ergänzt Sänger Dirk „Dicken“ Jora. Ein Freigeist, der sich nicht nur gegen jegliche Form von Obrigkeit wandte, sondern auch gegen das Führungsprinzip bei den Kommunisten und sich deshalb auch innerhalb der Linken massiver Kritik ausgesetzt sah.
Für die Slime-Musiker ist dies keine ganz so fremde Erfahrung. Gitarrist Christian Mevs erinnert sich nur zu gut an jene Zeiten, als die Band von Teilen der Punkszene als Verräter abgeurteilt wurde. „Als wir anfingen, traf man sich auf der Demo und abends im Club. Da standen dann einige vor und andere auf der Bühne - die auf der Bühne waren wir“, erzählt Mevs. Dass sie mit ihrer Musik auch ihren Lebensunterhalt verdienen wollten, hätte man ihnen nicht zugestanden: „Man erwartete von uns regelrecht, dass wir mit der Musik aufhören, eben weil wir erfolgreich waren.“
Die Zeiten haben sich inzwischen geändert. Auf ihrer Comeback-Tour vor zwei Jahren konnte die Band erleben, dass ihre Songs keineswegs nur nostalgische Gefühle bei den alten Fans weckten, sondern auch ein ganz neues, junges Publikum begeisterte, das nicht unbedingt zur eingeschworenen Punkgemeinde gehörte, sondern auch Musik von Deichkind oder Absolute Beginners hörte. „Da standen im Publikum kaum 18-Jährige, die zum ersten Mal eine Punkband mit politischen deutschen Texten hörten und für die unsere alten Songs tatsächlich auch heute eine Relevanz hatten“, erzählt Frontmann Jora.
Dieses Erlebnis sei auch einer der Gründe, warum sich die Band danach entschloss, nicht gleich wieder getrennte Wege zu gehen. Ob die Verse des Dichters Mühsam im Punkgewand das Zeug haben, zu Slime-Klassikern wie „Wir wollen keine Bullenschweine“ und „Legal, illegal, scheissegal“ zu werden, bleibt nun abzuwarten.
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Leserkommentare
15.12.2012 22:23 | Augsburger
Naja der Beitrag ist nicht gut recherchiert...was solls. ...
16.11.2012 12:46 | Lunatika
Dieser Ausverkauf-Vorwurf an Slime ist wirklich ausgelutscht und lächerlich- jeder, der die Band ein bißchen kennt, und wei ...
09.10.2012 14:06 | SlimeFan
Mich kotzt es an, dass hier immer wieder der Vorwurf kommt, Slime hätten sich verkauft. Slime sind Slime! Hätten sie Geld g ...