Solarenergie in Berlin

Die Sonne scheint vergeblich

Umweltsenatorin Katrin Lompscher verabschiedet sich vom Ziel, die Hälfte aller geeigneten Dächer mit Solaranlagen auszustatten. Weil die Solardachbörse nicht läuft, soll es ein neuer Partner richten

Und wieder versinkt die Sonne ungenutzt am Berliner Horizont Bild: AP

Herr Preuß, Sie haben im vergangenen Sommer angekündigt, 24 Dächer von öffentlichen Gebäuden mit Solaranlagen auszustatten. Bis jetzt ist davon noch nichts zu sehen, oder?

Sebastian Preuß: Wir mussten erst die Finanzierung sichern, aber das hat inzwischen geklappt. Ende Mai wollen wir anfangen, die Anlagen zu montieren. Auf 13 Dächern von Schulen und auf dem Rathaus in Kreuzberg wird in gut zwei Monaten Solarstrom erzeugt.

Laut Vattenfall haben Berliner Solaranlagen im Jahr 2006 4 Millionen Kilowattstunden erbracht. Auf was für einen Energieertrag kommen Sie?

Unsere Anlagen werden insgesamt fast 1 Million Kilowattstunden umweltfreundlichen Strom produzieren. Wir werden also einen gehörigen Batzen zu den regenerativen Energien in Berlin beitragen. Man kann ausrechnen, dass mit unseren Solaranlagen 650 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr eingespart werden.

Sie haben die Dächer über die Solardachbörse gefunden. War es schwierig, die Genehmigungen und Mietverträge zu bekommen?

Das hat schon lange gedauert. In Berlin gibt es für so ein Projekt leider keine zentrale Anlaufstelle. Zwar hat sich der Zuständige der Solardachbörse sehr bemüht, uns zu unterstützen, doch weisungsbefugt sind letztlich die Bezirke. Dort gibt es jeweils mehrere Ansprechpartner, die über die Planungen mitentscheiden können, vom Schulamt über das Hochbauamt bis zum Rechtsamt. Das war eine harte Nuss, aber wir haben sie geknackt.

Investoren haben es in anderen Städten leichter?

Sicherlich ist es in Berlin etwas schwieriger, ein solches Projekt umzusetzen. Das liegt zum einen an der dezentralen Verwaltungsstruktur. Vor allem aber scheint die Sonne hier deutlich weniger als in Süddeutschland. Deshalb konzentrieren sich viele Firmen auf Bayern und Baden-Württemberg.

Sie haben rund 4,6 Millionen Euro in die Solaranlagen investiert. Die Dachmiete kommt noch hinzu. Nach welcher Zeit rechnet sich so ein Geschäft?

Nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz fördert der Staat den Solarstrom mit einer Einspeisevergütung. Wir bekommen von Vattenfall daher für jede Kilowattstunde knapp 46 Cent. Das bedeutet, dass wir nach zehn bis zwölf Jahren die Gewinnschwelle erreichen werden.

Auch die Berliner Immobilienmanagement GmbH, die viele öffentliche Gebäude verwaltet, will demnächst Dächer für Solaranlagen vermieten.

Das kommt uns sehr gelegen. Da werden wir gleich unser Interesse anmelden und wenn möglich ein Folgeprojekt starten. Auch mit weiteren Bezirken würden wir gerne zusammenarbeiten.

Es hörte sich so gut an. Im Dezember beschloss das Abgeordnetenhaus, dass mehr Solaranlagen auf öffentlichen Gebäuden installiert werden sollen. "Ziel ist es, dass in drei Jahren mindestens die Hälfte aller geeigneten Dächer mit Fotovoltaikanlagen ausgestattet ist", heißt es in dem von SPD- und Linksfraktion verfassten Papier. Nun hat die Umweltsenatorin den ersten Zwischenbericht vorgelegt, in dem deutlich wird: Katrin Lompscher (Linke) verabschiedet sich bereits jetzt von der Vorgabe des Abgeordnetenhauses. In der Marktwirtschaft könne nicht festgelegt werden, dass eine bestimmte Anzahl von Dächern Fotovoltaikanlagen bekommen solle, schreibt sie. "Das Ziel des Beschlusses ist deswegen unrealistisch."

Dahinter steht das schlechte Abschneiden der Solardachbörse, eine vom Senat geschaffene Internetplattform für die Dächer öffentlicher Gebäude. Die Börse gibt es seit 2002. 129 Dächer waren nach Angaben der Umweltverwaltung bereits im Angebot, doch erst 13 Solaranlagen wurden bis Ende 2006 tatsächlich installiert. "In Berlin ist die Nachfrage nach Dächern durch Investoren geringer als das Angebot", stellt Lompscher fest.

Daran trägt der Senat selbst die Schuld, meinen die Grünen. "Die Solardachbörse scheitert daran, dass Investoren nicht begleitet werden", kritisiert der energiepolitische Sprecher, Michael Schäfer. Interessenten würden von einem Amt zum nächsten geschickt.

Sebastian Preuß, Geschäftsführer der Firma "30° - Solar", kann das bestätigen. "Es gibt in Berlin für Solarprojekte leider keine zentrale Anlaufstelle", sagt er. Sein Unternehmen will auf 13 Schuldächern und dem Kreuzberger Rathaus in den nächsten Monaten Fotovoltaikanlagen installieren - der größte Erfolg der Solardachbörse bisher. Zwar habe sich die Senatsverwaltung bemüht, das Vorhaben zu unterstützen, sagt Preuß. Doch weisungsbefugt seien letztlich die Bezirke. Dort gebe es jeweils mehrere Ansprechpartner, die über die Planungen mitentscheiden könnten - vom Schulamt über das Hochbauamt bis zum Rechtsamt.

"Das Angebot an Dächern beruht auf der freiwilligen Beteiligung der Dienststellen", verteidigt sich die Umweltsenatorin in dem Zwischenbericht. Indirekt räumt sie aber ein, dass eine intensivere Betreuung von Investoren durch den Senat zurzeit gar nicht möglich wäre: In ihrer Verwaltung kümmere sich nur ein Mitarbeiter um die Solardachbörse, und er müsse sich gleichzeitig auch anderen Aufgaben widmen. Die personelle Ausstattung ist offenbar so schlecht, dass die Senatsverwaltung nicht einmal aktuelle Zahlen über die bereits installierten Anlagen vorweisen kann. Die letzten Daten sind anderthalb Jahre alt.

Um die öffentlichen Gebäude für Investoren attraktiver zu machen, fordern die Grünen den Senat auf, die Dächer mietfrei zur Verfügung zu stellen. Das lehnt Lompscher ab. Ihre Begründung: "Eine Mietfreiheit würde den Anreiz für die Dächeranbieter senken." Dass nicht das Angebot, sondern die Nachfrage das Problem ist, blendet sie an dieser Stelle aus.

Weil die Solardachbörse nicht gut läuft, setzt Lompscher nun auf einen neuen Partner: Die Umweltsenatorin will stärker mit der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) zusammenarbeiten, die zahlreiche öffentliche Gebäude des Landes Berlin verwaltet. Die BIM prüfe derzeit, ob ihre Objekte für Solaranlagen geeignet seien - nur gut erhaltene Dächer kommen in Frage, sie müssen die zusätzliche Last tragen können und dürfen nicht im Schatten liegen.

Die Umweltsenatorin baut offenbar darauf, dass die BIM mehr Ressourcen für Solarenergie zur Verfügung stellen wird als sie selbst. Ihre Sprecherin sagt: "Die BIM hat andere Möglichkeiten. Wir hoffen, dass wir auf diesem Weg mehr erreichen können."

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