Das Projekt Medibüro hat vorerst wieder Geld für Medizin. Jetzt sind die Politiker am Zug. von Manuela Heim
Das ehrenamtliche Projekt Medibüro kann wieder Medikamente und Behandlungen für Flüchtlinge finanzieren. Nachdem es vor zwei Wochen kurz vor der Pleite stand, habe sich die Lage etwas verbessert, sagte Mitgründerin Dagi Knellessen am Dienstag der taz. Viele Menschen seien dem Spendenaufruf gefolgt und hätten so die Notversorgung für Illegalisierte und Menschen ohne Krankenversicherung zumindest kurzfristig gesichert.
Das Medibüro ist neben der Malteser Migranten Medizin die wichtigste Anlaufstelle für Berliner Flüchtlinge in medizinischer Not. Seit 16 Jahren beraten vor allem ÄrztInnen in ihrer Freizeit die Hilfesuchenden, denen sonst der Zugang zum Gesundheitssystem verwehrt bleibt. Das Medibüro vermittelt jährlich mehr als 1.000 kostenlose Behandlungen bei kooperierenden MedizinerInnen und Krankenhäusern. Ausschließlich aus Spenden finanziert das Projekt Zusatzkosten und Medikamente.
Anfang August war die Kasse des Medibüros leer, weil in den letzten Jahren die PatientInnen immer mehr und die Behandlungen immer teurer geworden waren (die taz berichtete). Die Ehrenamtlichen konnten zwar noch beraten und vermitteln, hatten aber kein Geld mehr für die Bezuschussung der Behandlungen. Diese unmittelbare Not sei dank der zusätzlichen Spenden vorerst beseitigt, so Knellessen.
Noch im August wolle man sich nun "mit der Politik zusammensetzen und endlich den anonymen Krankenschein vorantreiben". Mit dieser politischen Lösung würde der Staat Hilfesuchenden eine anonyme Behandlung unabhängig von Aufenthaltsstatus und Versicherung ermöglichen. Sowohl der Staatssekretär in der Gesundheitsverwaltung Benjamin Hoff (Linke) als auch der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Thomas Isenberg, hatten sich in der taz dafür ausgesprochen.
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