Der FC St. Pauli feuert Cheftrainer André Schubert. Die drei Co-Trainer coachen das Team nun übergangsweise gemeinsam. Marco Kurz ist als Nachfolger im Gespräch.von Marco Carini

Entlassen nach knapp 15 Monaten: Trainer André Schubert. Bild: dpa
„St. Pauli ist die einzige Möglichkeit“ lautet der Schriftzug, der das Podium im Presseraum des Zweitligisten verziert. Für dessen bisherigen Chefcoach André Schubert gilt das seit Mittwochvormittag nicht mehr. Mit sofortiger Wirkung hat das Präsidium des Kiez-Clubs Schubert von seinen Aufgaben entbunden. Bis ein Nachfolger gefunden ist, wird die aus den Ex-Spielern Thomas Meggle, Timo Schulz und Mathias Hain bestehende Co-Trainer-Troika das Team coachen.
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Damit reagiert die fünfköpfige Vereinsspitze, die diesen Beschluss einstimmig fällte, auf den schlechten Saisonstart der Mannschaft. Das Fass zum Überlaufen brachte die desaströse 0 : 1-Heimniederlage gegen den VfR Aalen am Dienstag. „Die Mannschaft ist total verunsichert aufgetreten, da mussten wir die Reißleine ziehen“, begründet Sportchef Rachid Azzouzi den Zeitpunkt der Trennung. Das Team sei in die Entscheidung contra Schubert aber nicht eingebunden worden.
Gleichzeitig machten die Verantwortlichen deutlich, dass die Trainerentlassung nur der Endpunkt einer langen Entwicklung sei. „Seit Jahresbeginn können wir keine Weiterentwicklung der Mannschaft feststellen, schon in der Rückrunde der abgelaufenen Saison herrschte Stillstand“, blickt Vizepräsident Jens Duve, im Präsidium für die sportlichen Belange zuständig, zurück: „Der Saisonstart aber war sogar eine Rückwärtsentwicklung.“
Schubert war im Sommer 2011 als Nachfolger von Holger Stanislawski ans Millerntor gekommen. Schon im Mai hatte Schubert wegen mangelnder Teamfähigkeit und kommunikativer Defizite auf der Kippe gestanden, doch statt des erwarteten Rauswurfs hatte es ein überraschendes Treuebekenntnis des Präsidiums zum Trainer gegeben. „Die damalige Entscheidung war richtig, Schubert ist menschlich gereift, nur hat sich dann die sportliche Situation nicht gut entwickelt“, erläutert Präsident Stefan Orth seine Sicht auf die vergangenen Wochen.
Nach sieben Spielen, in denen dem mit zarten Aufstiegsambitionen in die Saison gestarteten Team nur ein einziger Sieg gelang, steht die Mannschaft im unteren Drittel der Tabelle. Vor allem die „Mutlosigkeit und Ängstlichkeit“, mit der die Truppe zuletzt auftrat, lastet Sportchef Azzouzi dem nun geschassten Trainer an.
Trotz des schwachen Saisonauftakts hatten Orth und Azzouzi Schubert bislang offiziell nicht in Frage gestellt. Nach einem personellen Umbruch brauche die stark verjüngte Mannschaft Zeit, hieß es. St. Pauli hatte nach der vergangenen Serie Leistungsträger wie Max Kruse, Carlos Zambrano, Lasse Sobiech und Moritz Volz verloren und die Zusammenarbeit mit verdienten Akteuren wie Fabio Morena, Carsten Rothenbach oder Charles Takyi freiwillig beendet.
In spätestens zwei Wochen will der Club Schuberts Nachfolger präsentieren. Man habe „noch mit niemandem gesprochen“, beteuert Azzouzi. Als Favorit gilt jedoch Marco Kurz, der im März beim damaligen Bundesligisten 1. FC Kaiserslautern beurlaubt wurde. Friedhelm Funkel, der bereits vor anderthalb Jahren als St.-Pauli-Trainer im Gespräch war, werden nur Außenseiterchancen eingeräumt.
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