Die Stuttgart-21-Gegner verbreiten Zuversicht, trotz mauer Umfragewerte. Derweil hat das Bundesverfassungsgericht eine Beschwerde gegen die Abstimmung abgeleht.von Nadine Michel

Auf der Montagsdemo in Stuttgart werden berechtigte Fragen gesellt. Bild: dapd
STUTTGART taz | Trotz zuletzt schlechter Umfragewerte blicken die Gegner des umstrittenen Bahnhofsprojekts Stuttgart 21 optimistisch auf die Volksabstimmung am Sonntag. Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) äußerte sich am Dienstag zuversichtlich.
"Ich bin optimistisch, dass die Beteiligung so hoch ist, dass auch das Quorum gewuppt wird", sagte er. Am Montagabend hatten sich bereits mehrere tausend S-21-Gegner bei der 100. Montagsdemonstration in Stuttgart auf den Endspurt eingeschworen.
Am Sonntag dürfen 7,6 Millionen Baden-Württemberger abstimmen, ob das Land aus der Finanzierung des Projekts aussteigen soll, bei dem der bisherige Kopfbahnhof in einen Tiefbahnhof verwandelt werden soll. Die S-21-Gegner befürworten einen oberirdischen Um- und Ausbau.
Brigitte Dahlbender, Sprecherin des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21, warf der Deutschen Bahn bei der Kundgebung vor, "Horrorausstiegskosten" von 1,5 Milliarden Euro zu verbreiten. Dabei seien die verschwiegenen Mehrkosten des Umbaus ein "Betrug am Bürger".
Nach Veranstalterangaben waren gut 11.000 Demonstranten gekommen, um für den Ausstieg zu mobilisieren. Die Polizei sprach von rund 5.000 Teilnehmern. "Wir schaffen die Volksabstimmung", so Dahlbender. "Wir werden gewinnen - mit dem einen Ergebnis: Wir bleiben oben."
Dabei sah die letzte Meinungsumfrage die S-21-Befürworter mit 55 Prozent vorn. Zudem müssten die Gegner das hohe Zustimmungsquorum von 33 Prozent erreichen. Das bedeutet, dass mindestens ein Drittel aller Wahlberechtigten für den Ausstieg stimmen müsste. "Vor einem halben Jahr hätte auch niemand gedacht, dass Winfried Kretschmann tatsächlich zum Ministerpräsidenten gewählt wird", sagte ein Demonstrant.
Unterdessen hat das Landgericht Stuttgart mit einer einstweiligen Verfügung die Verbreitung eines Werbefilms gegen Stuttgart 21 untersagt. S-21-Gegner hatten einen Kino- und Internetspot des Arbeitgeberverbandes übernommen und um einen Schlusskommentar des Schauspielers Walter Sittler ergänzt. Darin sah der Arbeitgeberverband das Urheberrecht verletzt. S-21-Gegner sprechen dagegen von einer "Zensur-Kampagne".
Das Bundesverfassungsgericht eine Beschwerde gegen die Volksabstimmung zu S-21 verworfen. Die Verfassungsbeschwerde sei "unzulässig", teilte das Gericht am Mittwoch in Karlsruhe mit.
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"Stuttgart 21" ist eines der teuersten Bahnprojekte aller Zeiten in Deutschland: Der Kopfbahnhof der Stadt soll durch einen unterirdischen Durchgangsbahnhof komplett ersetzt werden. Wo jetzt noch Schienen liegen, sollen künftig Wohn- und Gewerbebauten entstehen.
Der neue Bahnhof soll Ende 2017 fertig sein, der Probebetrieb 2019 aufgenommen werden. "Das neue Herz Europas" nennt die Bahn das Projekt im Netz. Ein breites Bündnis von Bürgern protestiert allerdings gegen den Umbau. Ihre Argumente: Der Tiefbahnhof sei betriebsschädlich, nicht bahnkundenfreundlich, umweltbelastend und viel zu teuer. Sie haben mit dem Projekt "Kopfbahnhof 21" ihre eigenen Pläne.
Trotzdem wurde der symbolische Baubeginn im Februar 2010 gefeiert, der Nordflügel des Kopfbahnhofs im September 2010 abgerissen. Ein Teil der Bauaufträge vergeben. Eine Schlichtung Ende 2010 schlug mögliche Verbesserungen unter der Bezeichnung "Stuttgart 21 Plus" vor. Das Protestbündnis hält jedoch an dem "Kopfbahnhof 21" fest.
Der Wechsel der Landesregierung in Baden-Württemberg sorgte für einen zeitweisen Baustopp. Im Koalitionsvertrag vereinbarten Grüne und SPD eine Volksabstimmung, in der die Bürger entscheiden, ob das Land die Co-Finanzierung von "Stuttgart 21" stoppen soll. Sie findet am 27. November 2011 statt.
Finanziert werden soll das Projekt von der Deutschen Bahn AG, dem Bund, dem Land Baden-Württemberg, der Stadt Stuttgart, dem Flughafen Stuttgart sowie dem Verband Region Stuttgart. Die Bauherren gehen offiziell davon aus, dass "Stuttgart 21" 4,1 Milliarden Euro kosten wird, halten sich aber eine "Risikoreserve" von 400 Millionen Euro zusätzlich offen. Unabhängige Bahnexperten haben allerdings wesentlich höhere Kosten errechnet.
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Leserkommentare
25.11.2011 07:47 | vic
Ich weiß wirklich nicht wie so etwas möglich ist. ...
25.11.2011 06:26 | Hari Seldon
@anna Sie schreiben: "Medien versagen total, weil sie nicht aufklären". Bitte, meinen Sie Stern mit Arno Luik: Der gute He ...
24.11.2011 11:05 | Anna
Medien versagen total, weil sie nicht aufklären. Da dürfen Konzernchefs und Manager ständig in den Medien Unbewiesenes und ...