Hach, früher. Da moderierte Gottschalk noch „Wetten, dass...?“. Da waren Studenten noch Revoluzzer. Da war der Urlaub noch mailfrei. Hach, früher.von Sahar Nadi

1968: Da sah der Studentenprotest noch anders aus. Bild: ap
Ja ja, die guten, alten Zeiten. Für diejenigen, die sich noch erinnern mögen: Da gab es doch mal eine Zeit, ohne diese ständig nervenden Handys, Smartphones oder sonstige Technik. Eine Zeit, in der sich junge Menschen noch an der frischen Luft statt in virtuellen Räumen trafen. Eine Zeit, in der das Werben nicht nur wirtschaftliche Zwecke erfüllte. Oder so ähnlich.
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So manch einer wünscht sich nach all den Euro-Querelen, Pleitemeldungen und anderen wirtschaftlichen Hiobsbotschaften sogar die alte D-Mark zurück, manchmal jeder dritte Deutsche, das zeigen Umfragen. Andere wiederum meinen, früher oftmals weniger gesellschaftlichen Druck verspürt zu haben. Nicht immer nur: leisten, leisten, leisten. Wirklich?
Schon lange sind die „guten alten Zeiten“ nicht mehr nur eine springende Floskel-Schallplatte unserer Großeltern. Früh übt sich, wer mitreden will: Ob in den sozialen Onlinemedien, in öffentlichen Foren oder privaten Blogs: Retro sein und in Nostalgie schwelgen ist in und das bereits mit Anfang Zwanzig.
Die Badewannen-Gottschalk-Wohlfühlabende der 80er scheinen nicht mehr nur der„Generation Golf“ zu fehlen, die der Autor Florian Illies früher mal beschrieb, als die Bücher noch besser waren. Früher – ja, da war doch der Himmel auch noch ein wenig blauer, die Menschen ein wenig freundlicher. Selbst bis 1990-Geborene behalten sich das Recht auf die Verklärung ihrer Kindertage vor. Auch, wenn sie noch nicht allzu lang zurück liegen.
Aber jetzt mal ehrlich. Früher das ist: Nazis, Kalter Krieg, Mauer. Oder: Pest, Cholera, Hexenverbrennung. Früher das war: Dieser nervig-kratzige Kinderwollpullover, blöde Mathehausaufgaben, das Telefonzellengespräch, das plötzlich abbricht, weil ein paar Pfennige fehlen. Das war dieser C64, kein Macbook, kein PC.

Den kompletten Streit der Woche, unter anderem mit Familienministerin Kristina Schröder und einem Nostalgieforscher, lesen Sie in der sonntaz vom 16./17. Juni. Die sonntaz gibt es auch im Wochenendabo.
Foto: tazUnd wer will schon auf die globale Vernetzung, die das WorldWideWeb ermöglicht, verzichten?
Oder was meinen Sie: War früher alles besser?
Die Streitfrage ist diesmal eine spezielle. Denn auch die sonntaz hat in dieser Woche ein Spezial, mit dem Motto: „Was ich dir noch sagen will...“. Beziehen Sie Stellung! Die sonntaz wählt unter den interessantesten Kommentaren ein oder zwei aus und veröffentlicht sie im Wochenendmagazin.
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Leserkommentare
22.06.2012 20:37 | Roland
Schon mein Sohn sagt, früher war der SPIEGEL besser. Ich werde alt, das war früher auch besser.
16.06.2012 14:14 | Gerda
"Früher" das ist für mich die zweite "goldene Zeit", die der 60er, 70er und 80er Jahre. Da gab es keine Massenarbeitslosigk ...
16.06.2012 04:25 | Jojas
Früher gab es Enten, Käfer, VW Golfs, VW Passats, Mercedesse und Opel fahren war wie wennse fliechst, heute gibt es eiförmi ...