Streit der Woche: Tannenbaum-Brimborium für alle
Nur Weihnachten in die Kirche gehen ist nicht verlogen, findet der Atheist Carsten Frerk: "Genauso wenig wie nur zur WM Fußball gucken". Die Grüne Katrin Göring-Eckhardt hat viel christlichere Argumente.
BERLIN taz | Im Streit der Woche der sonntaz sind sich Atheisten und Christen einig, dass ein weihnachtlicher Kirchenbesuch nicht verlogen ist – wenn auch aus sehr unterschiedlichen Gründen. „Weihnachten ist ein mehrtägiges Brimborium mit Orgelklang, Tannenbaum, und Geschenken von der größten Event-Agentur der Welt“, schreibt Carsten Frerk, der im Sommer die „Atheistenbus“-Kampagne mit organisierte. „Nur Weihnachten in die Kirche zu gehen ist genau so wenig verlogen, wie nur zur Weltmeisterschaft Fußball zu gucken.“
Auch die Präses der Synode der evangelischen Kirche, Katrin Göring-Eckardt, meint, dass alle guten Gewissens zum Weihnachtsgottesdienst gehen könnten. „Die christliche Botschaft ist alles andere als exklusiv für regelmäßige Gottesdienstbesucherinnen und -besucher“, argumentiert Göring-Eckardt in der sonntaz. „Und die sich auf den Weg in den Gottesdienst machen, wollen sicher ganz Unterschiedliches. Mann kann es kitschig finden, dass die bekannten Lieder gesungen werden. Aber Menschen, die sich berühren lassen, gehen reicher als sie kamen.“
Den ganzen Streit der Woche lesen Sie in der sonntaz vom 19./20. Dezember - zusammen mit der taz am Kiosk erhältlich.
Ganz anders sieht es der Schüler Christian Tietgen. Durch überfüllte Kirchen würde Weihnachten seine Ernsthaftigkeit verlieren. Viele würden nur hingehen, weil sie ein schlechtes Gewissen haben und sich womöglich zu Tode langweilen. „Wenn ich gläubig wäre, würde ich mich freuen in der Kirche auf Gleichgesinnte zu treffen“, schreibt Tietgen in der sonntaz. „Man sollte sich stattdessen mit Leuten treffen, mit denen man sich wirklich gut versteht. Schließlich ist es das 'Fest der Liebe'.“
Im Streit der Woche kommen außerdem Rudolf Ladwig, Vorstandsmitglied im Bund der Konfessionslosen und Atheisten, ein Notfallseelsorger und ein Managementberater zu Wort.
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