In Leipzig stößt das geplantes Einheitsdenkmal auf wenig Akzeptanz in der Bevölkerung. Die Bevölkerung kann mit der bunten Patchwork-Fläche nur wenig anfangen.von Michael Bartsch

Das Model des Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmals. Bild: dpa
DRESDEN taz | Klio, die Muse der Geschichtsschreibung, blinzelt schalkhaft in unser Jahrhundert herüber. So ist das eben mit den Denkmälern. Die gewachsenen wie die Eastside-Gallery in Berlin sollen abgerissen werden, und die künstlich-künstlerischen finden wenig Akzeptanz in der Bevölkerung.
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So wird die Schaukel-Schale des geplanten Einheits- und Freiheitsdenkmals in Berlin als „Bundes-Wippe“ verspottet. Einem ähnliche Projekt ergeht es in der „Heldenstadt“ Leipzig nicht anders: Laut Umfrage der Leipziger Volkszeitung (LVZ) ist nur ein Drittel der Leipziger für ein solches Wende-Denkmal. Seine Realisierung erscheint deshalb fraglich.
Auch Leipzig verfügt über authentische Erinnerungsstätten an die friedliche Revolution des Herbstes 1989, vor allem in der Umgebung der Nikolaikirche und am Ring. Die Montagsdemonstration vom 9. Oktober entlang dieser Route mit geschätzt 70 000 Teilnehmern gilt als Durchbruch des Bürgerwillens, der das Ende der DDR einläutete.
Auf Drängen mehrerer ostdeutscher Abgeordneter beschloss der Bundestag 2007 neben der Errichtung eines Einheitsdenkmals in Berlin auch ein offizielles Mahnmal in Leipzig. An den Kosten von 6,5 Millionen Euro sind der Bund mit 4 und Sachsen mit etwa 2,5 Millionen Euro beteiligt. Die Stadt stellt ein Grundstück in der Innenstadt zur Verfügung.
Im Juli 2012 favorisierte die Jury drei Entwürfe des Architektenwettbewerbs. Doch vor allem der Siegerentwurf „Siebzigtausend“ des Münchener Künstlerduos M+M und der Berliner Landschaftsarchitekten Annabau löst bis heute anhaltende Kontroversen aus. Eine bunte Patchwork-Fläche, die ältere Leipziger eher an die Turn- und Sportfeste der DDR im Zentralstadion erinnert, dazu Hocker als Symbol der freien Rede und 70 000 Schachteln, die auch mitgenommen werden können.
Schon das Online-Forum der Stadt offenbarte reichlich Kritik, weil Bürger überhaupt keinen Bezug zu den Ereignissen von 1989 erkannten. Bei der Umfrage der LVZ vom Januar waren 39 Prozent strikt dagegen, weitere 28 Prozent ohne Meinung. Auch der ehemalige Chef des Bundesamtes für Bauordnung und Raumwesen Florian Mausebach hält den Leipzig Wettbewerb für gescheitert, wie er in einem offenen Brief an Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) schrieb.
Mausebach ist Initiator des Berliner Einheitsdenkmals und erhielt dafür 2008 den Nationalpreis. Leipzigs Kulturamtschefin Susanne Kucharski-Huniat lehnte jedoch eine Neuausschreibung ab. Siegfried Schlegel, Bauexperte der Linksfraktion im Stadtrat, glaubt, dass die erste Phase des Wettbewerbs noch nicht abgeschlossen ist. Denn die drei Preisträger sind aufgefordert, ihre Entwürfe zu überarbeiten.
Auf dieses Ergebnis ist nur Bürgermeister Jung „gespannt“, wie er jetzt der LVZ sagte. „Die Preisträger bekommen eine faire Chance.“ Schon zuvor sagte Jung, es sei nicht tragisch, wenn der angestrebte Realisierungstermin zum 25. Jahrestag der Wende 2014 nicht gehalten werden kann. „Wir brauchen eine hohe Akzeptanz, deshalb darf es nicht übers Knie gebrochen werden“, sagte er.
Dieser Auffassung ist auch einer der Initiatoren, der ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Gunter Weißgerber. „Wir sind damals für die Freiheit und nicht für ein Denkmal auf die Straße gegangen!“ Weißgerber gibt sich gelassen, erinnert aber daran, dass dieses Denkmal nicht nur eine Sache der Leipziger, sondern der ganzen Nation.
350 000 Euro hat das verordnete Mahnmal seit seiner Auslobung schon gekostet. Im Stadtrat scheiterte die Linke mit ihrer Forderung nach einem Bürgerentscheid an der geschlossenen Ablehnung von CDU bis Grün. Was bei den Genossen süffisante Vergleiche mit dem Bürgergeist des Jahres 1989 provoziert.
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