Das Urgestein der Grünen, Hans-Christian Ströbele, will noch einmal für Berlin-Kreuzberg in den Bundestag. Gerade erst hat er eine Krebserkrankung ausgestanden.von Konrad Litschko

Nach dem Bundestag ist vor dem Bundestag: Hans-Christian Ströbele (Grüne). Bild: dapd
BERLIN taz | Er macht's noch einmal. Hans-Christian Ströbele kommt am Dienstagabend direkt aus dem Bundestag, vom NSU-Untersuchungsausschuss, in das Kreuzberger Begegnungszentrum, wo sein Grünen-Kreisverband bereits tagt. „Ich habe euch etwas mitzuteilen“, greift der 74-Jährige zum Mikrofon. Die 30 Grünen verstummen abrupt.
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„Ich will mich nochmal bei euch bewerben“, führt Ströbele weiter aus. Für das lokale Direktmandat zur Bundestagswahl im Herbst 2013. Das hält die Grünen-Ikone seit 2002. Gleichzeitig bekennt Ströbele erstmalig öffentlich, im Sommer Prostatakrebs diagnostiziert bekommen zu haben. Die Krankheit sei aber heilbar, versichert Ströbele. Er sei von einer Genesung bis Ende November „überzeugt“ und wolle sich dann seiner Kandidatur widmen.
Seit zehn Jahren sitzt Ströbele für die Grünen im Bundestag – als bundesweit einziger erfolgreicher Direktkandidat. Der „König von Kreuzberg“ verteidigte 2005 und 2009 seine Wahlkreis mit deutlich über 40 Prozent der Stimmen. Aktuell sitzt der 74-Jährige für die Grünen im Rechts- und Auswärtigen Ausschuss sowie im Untersuchungsausschuss zur NSU-Neonazizelle.
„Ich will unsere Bundestagsfraktion nicht allein lassen“, begründet Ströbele seinen Wiederantritt. Bei den Themen deutsche Kriegsbeteiligungen und Finanzkrise könne er für die Partei eine „wesentliche Rolle“ spielen. Ebenso in der Aufarbeitung „des völligen Versagens der Sicherheitsbehörden“ in der NSU-Mordserie.
Die Grünen-Mitglieder quittieren das mit Applaus. Seit Wochen war gerätselt worden, ob Ströbele – fünftältestes Bundestagsmitglied – noch einmal antritt. Das Wichtigste sei nun, sagt Zuhörer Dirk Behrendt, Grünen-Abgeordneter im Berliner Landesparlament, dass Ströbele schnell gesund werde. Behrendt selbst war als möglicher Nachfolger für Ströbele gehandelt worden. Er glaube nicht, sagt der 41-Jährige jetzt, dass ein Parteimitglied ernsthaft gegen Ströbele antreten werde. Der König regiert weiter.
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14 Jahre war Thomas Schaaf Trainer bei Werder Bremen – genug Zeit, seinen trockenen Humor in vielen Interviewantworten unter Beweis zu stellen.


Leserkommentare
16.09.2012 08:05 | pekerst
"'Ich habe euch etwas mitzuteilen', greift der 74-Jährige zum Mikrofon." - Toll, der Mann: Innerhalb eines Tags ist er um e ...
13.09.2012 07:54 | Björn Eriksson
@Linker ...
13.09.2012 05:59 | Björn Eriksson
@Thorben ...