Facebook macht neidisch auf das vermeintlich schöne Leben von anderen, sagt eine Studie. Was Abhilfe schafft? Mut zu einer „Loser“-Kampagne!von Barbara Dribbusch

Selbstporträt mit Duckface. Wird gerne mit „Süße, du bist sooooo hübsch!“ kommentiert – und hinterlässt bei anderen Facebook-Freunden Neid. Bild: JoeEsco / photocase.com
BERLIN taz | Man ahnt es schon lange: Facebook kann neidisch, depressiv und unzufrieden machen. Das hat jetzt die Humboldt-Universität zu Berlin in einer gemeinsamen wissenschaftlichen Anstrengung mit der Technischen Universität Darmstadt herausgefunden. 600 Facebook-NutzerInnen mussten herhalten und wurden nach ihren Gefühlen gefragt, während sie in dem sozialen Netzwerk herumsurften und in der Zeit danach.
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Das Ergebnis: Über ein Drittel der Befragten empfand vornehmlich negative Gefühle wie Frustration. Als wesentlichen Grund dafür machten die ForscherInnen „Neid“ auf die „Facebook-Freunde“ aus. Die vielen Postings der andern über Partys, Urlaubsreisen, Bandauftritte, Buchveröffentlichungen und Babys in Wort und Bild schlagen offenbar aufs Gemüt. Der soziale Vergleich, der zu Neid führt, werde begünstigt durch den Zugang zu vielen positiven Nachrichten und Profilen, die man im Offline-Bereich in dieser Menge gar nicht zu sehen bekomme, erklärte die Projektleiterin Hanna Krasnova.
Vor allem wer in sozialen Netzwerken selbst kaum aktiv kommuniziert, sondern sich das tolle Leben der anderen eher passiv reinzieht, wird von schmerzvollen Emotionen gepeinigt, stellten die ForscherInnen fest. Der Neid führt dann häufig dazu, dass die oder der Geplagte auch zu einer „ausgeprägteren Selbstpräsentation“ greift und seinerseits mit weltläufigen Kommentaren und schönen Bildern auftrumpft – was umgehend eine „Neidspirale“ auf Facebook in Gang setze.
Nicht ganz überraschend gibt es einen Zusammenhang zwischen Neid auf Facebook und der allgemeinen Lebenszufriedenheit der Nutzer. Die Zufriedenheit nämlich sinkt, wenn man auf Facebook eifersüchtig ist auf die Erfolge der anderen. „Angesichts der weltweiten Nutzung von Facebook und der Tatsache, dass Neid eine universelle Emotion ist, sind sehr viele Menschen von diesen Auswirkungen betroffen“, verkündete Koautorin Helena Wenninger von der TU Darmstadt.
Dabei könnte es Abhilfe geben. Plädieren wir für eine „Loser“-Kampagne, denn nur daraus erwächst Kreativität. Verboten auf Facebook sind ab sofort Fotos von lachenden jungen Gesichtern und Urlaubsbilder aus sonnenreichen Gegenden. Desgleichen Gruppenbilder in Partylaune und Tierfotos. Alle Kommentare mit positiver Verstärkung sind degoutant, also Formulierungen wie „Super! Süß! Weiter so!“, „Ich bin stolz auf Dich!“ und natürlich auch „Gute Reise!“
Im wöchentlichen Intervall muss das deprimierendste Foto der Woche gepostet werden, hierfür vergibt die Freundesgemeinde einen Preis und hierfür und nur hierfür ist das Wort „Gratulation!“ in den Kommentaren erlaubt. Um das Depri-Foto der Woche auszuwählen, reicht es übrigens nicht aus, umweltzerstörte Landschaften oder gequälte Tiere abzubilden, um sich damit subtil doch wieder als toller Politaktivist zu präsentieren.
Es muss sich um den Mut zu einer unvorteilhaften Nachricht handeln, sei es das Faksimile einer Absage-Mail, ein Porträt mit Unterlicht oder das Gruppenbild von einer heißen Party, auf die man leider nicht eingeladen war (und nur in diesem Zusammenhang sind Gruppenbilder mit lachenden Menschen noch erlaubt, siehe oben).
Die „Loser“-Kampage sollte sich auch in den Profilen niederschlagen. Arbeitgeber und erfolgreich abgeschlossene Projekte interessieren nicht. Die Anti-Neid-AktivistInnen auf Facebook überzeugen mit Postings über erfolglose Diäten, zerbrochene Freundschaften und Bildern von Türstehern, an denen man scheiterte. Das erfordert natürlich Mut. Und den hat nicht jeder.
Ein führender Abwehrspezialist des Landes bestätigt: Die Hackergruppe ist in die Webauftritte mehrerer staatlicher Stellen eingedrungen. Doch die waren darauf vorbereitet.

Facebook sammelt riesige Datenmengen. Und will immer mehr von seinen Nutzern wissen. Datenschützer sind entsetzt. Denn niemand weiß, wie viel und was Facebook tatsächlich speichert.
Und Facebook dient keineswegs dem Nutzer. Denn nicht die Profilbesitzer sind die Kunden, sondern die Werbeindustrie. Zuckerberg will ein perfektes System für die Werbung schaffen. Eine Empfehlung von Freunden ist mehr Wert als jede Plakatanzeige, jeder Werbespot und jede Printreklame.
Die Reichweite von Facebook kann sich sehen lassen: Mehr als 800 Millionen Menschen aus aller Welt und mehr als 20 Millionen Deutsche nutzen die Social-Network-Plattform. Damit hält Zuckerbergs Firma bei jungen Menschen fast schon ein Monopol und verdrängte Konkurrenten wie "Studivz". Wer seine Kontakte und Freundschaften – vor allem international – pflegen will, ist gewissermaßen auf das soziale Netzwerk angewiesen.
Im Schwerpunkt "Datenkrake Facebook" sollen Artikel über den Kampf der User um ihre gespeicherten Daten bei Facebook zusammengefasst werden. Die taz dokumentiert dabei den österreichischen Jura-Studenten Maximilian Schrems, der bei Facebook nachhakte, Kampfgeist zeigte, nicht locker ließ und am Ende mit der Zusendung vieler Daten, die Facebook von ihm speicherte, quasi "belohnt " wurde.
Die Facebook-Grafiken im Detail:
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Schmuckbild: spacejunkie / photocase.com
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Leserkommentare
04.02.2013 09:59 | Peter Pansen
Ja aber Facebook nicht zu benutzen ist natürlich keine Option. Ich halte jeden der ein soziales Netzwerk benutzt für einen ...
30.01.2013 13:39 | Marc
Ich finde die Idee toll, die eigenen Schwächen öffentlich zu machen. Ich weiß bloß nicht, ob ich mich das sofort irgendwo t ...
29.01.2013 16:43 | Beurkeek
"So ist das nun mal, die einen sind die Winner und die anderen die Loser." ...