TV-Komödie „Und weg bist du“

Stirb langweilig

„Und weg bist du“ ist eine Komödie mit dem Tod, aber nicht übers Sterben. Damit kneift Jochen Alexander Freygangs Film vor der Komik in der Tragik.

Uwe Ochsenknecht hat den Gevatter im Rücken: Szene aus „Und weg bist du“.  Bild: Sat.1/Willi Weber

Schon der Anfang verheißt nichts Gutes: Ein Schwarzmattiger im knöchellangen Ledermantel steht auf einer Fähre und wartet so regungslos, als hätte er alle Zeit der Welt. Es ist der Rhein, auf dem er übersetzt, nicht der Styx, aber das ändert nichts: Er ist der Tod (Christoph Maria Herbst), gekommen, um wieder ein paar Unglücksraben mit auf die andere Seite zu nehmen. Einfache Fahrt natürlich.

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Sich selbst bezeichnet er als „Briefträger“, er wird diesmal ungewöhnlich viele Zustellversuche brauchen, weil die krebskranke Jela (Annette Frier) sich mit Händen, Füßen und Humor dagegen wehrt, sein Opfer zu werden. Ein aussichtsloser Kampf – aber gerade weil er Gegenwind nicht gewohnt ist, fasziniert diese Frau den Tod. Und er gewährt ihr eine Galgenfrist, damit sie den achten Geburtstag ihrer Tochter Lucy (Emma Schweiger) noch erleben kann.

Schon der Anfang von „Und weg bist Du“ verheißt also nichts Gutes. Und es wird nicht besser. „Das große Sat.1-Event“ von Monika Peetz (Buch) und Jochen Alexander Freydank (Regie) lässt beginnend mit der Fährensymbolik keine Gelegenheit aus, ans Thema des Films zu erinnern und damit immer auch das Wagnis überzubetonen, daraus eine Komödie zu machen, und dann auch noch eine fürs Privatfernsehen, diesen behaupteten Tabubruch: Wenn der Tod den Fernseher einschaltet, macht er ihn schnell wieder aus, weil er das Programm – na? Wie wohl findet? Todlangweilig? Nein, das wäre zu einfach. „Sterbenslangweilig“ natürlich.

Und bei Jelas Nachbarin Frau Griek (Ruth Maria Kubitschek), die der Tod alternativ mitnehmen will, darf er „nur über meine Leiche“ die Schuhe anbehalten. Und auf dem Beifahrersitz seines todesmutigen Fensterputzerkumpels Rudi (Fahri Yardim) könnte er doch glatt Todesangst kriegen, wenn das ginge: „Wo willst du eigentlich hin? Ins Jenseits?“

Bewusst keine schwarze Komödie

Diese Frage kann man nur an den Regisseur weitergeben. „Ich wollte einen Film übers Leben machen, nicht übers Sterben“, sagt Freydank, „bewusst keine schwarze Komödie.“ Er habe die Balance schaffen wollen „zwischen emotionalen und locker-flockigen Momenten“. Mit anderen Worten: Er hat das Thema angepackt – aber eben mit Samthandschuhen. Der Film traut sich nicht, dem Tod ins Gesicht zu lachen, geht weder in die Tragik noch in die ihr abgerungene Komik richtig rein, bleibt irgendwie dazwischen, irgendwie egal, irgendwie deutsch.

Etwa 20 KollegInnen hätten den Stoff vorher abgelehnt, erzählt Freydank, „gekniffen“, sagt er wörtlich. Und in der Tat sagt es einiges über deutsche Regisseure aus, dass sie lieber auf Nummer sicher gehen, genauso wie es Freydank charakterisiert, dass er die Herausforderung angenommen hat. Und auch angesichts von Kritik an seinem Film nicht zurückrudert: „Ich stehe zu dem Ding.“ Es wäre so einfach, andere dafür verantwortlich zu machen, die ganzen Zwänge, das von den Sendern eng geschnürte Korsett. Wissendes Kopfschütteln wäre ihm in der Branche sicher – die Redaktion wieder.

Freydank distanziert sich auch deswegen nicht von „Und weg bist Du“, weil er um das Privileg weiß, überhaupt Filme machen zu dürfen. Die Finanzierung seines Kurzfilms „Spielzeugland“, der 2009 den Kurzfilmoscar gewann, dauerte zwei Jahre – die Branche schien nicht auf den heute 44-Jährigen gewartet zu haben, bis die Academy das änderte. In Arbeit schwimmt Freydank trotzdem nicht – auch weil der Berliner es abgelehnt hat, in Hollywood „Horrorkacke“ zu drehen. Als nächstes möchte er fürs Kino die Kafka-Erzählung „Der Bau“ mit Axel Prahl verfilmen. Wenn man ihn lässt.

In einer Szene von „Und weg bist Du“ fährt die todgeweihte Jela mit ihrem Mann Tom (Johann von Bülow) im Auto durch Köln und winkt wildfremden Menschen freudig zu, die ebenso freudig zurückwinken. Einer ist davon so abgelenkt, dass er vor eine Laterne läuft. „Ich finde das immer noch sehr komisch“, sagt Freydank. Humor ist eben ähnlich individuell, wie der Filmgrufti im Ledermantel sein Geschäft versteht.

„Und weg bist du“, 4.9., 20.15 Uhr, Sat.1

 

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