TV-Spots zur Wahl in Rheinland-Pfalz

Phallussymbole und Dramaqueens

Wir haben uns die Wahlwerbespots der Parteien zur Landtagswahl in Rheinland-Pfalz angesehen. Das Ranking eines schwachen Jahrgangs.

Eine graue Wand, davor verschiedene Bilder und Symbole (Atom, Grenzen, Plakate...)

Ein Wimmelbild der Grünen. Screenshot: www.facebook.com/gruenerlp

Platz 8: Die Linke

Mimimimimi. Die Linke fährt die Mitleidsschiene. Ein gesichtsloser Flaschensammler, der in Mülleimern wühlen muss? Würde es mit uns nicht geben! Ansonsten wird die ganze Palette der potenziellen Wähler aufgefahren. Von der buntbehaarten und gepiercten jungen Mutter bis hin zum alteingesessenen Gewerkschafter. Dazu noch ein paar Demobilder aus Berlin (hä?), ein inszeniertes Streitgespräch zwischen zwei Linken (hä?) und – der darf nicht fehlen – Gregor Gysi.

Fazit: Enttäuschende Spot der Genossen, die sonst stets Kandidaten für einen Spitzenplatz sind.

Platz 7: NPD

(Link führt auf Google Cache)

Sirenen, nach oben schießende Barometer, Explosionen, ein ins Rote verschwimmendes Bild, verängstigte Kinder. Dazu wummernde Beats. NPD, du alte Dramaqueen, geht’s nicht eine Nummer kleiner? Da hilft auch euer Bundeschef Frank Franz nicht weiter, dieser so smart aussehende, stets akkurat gescheitelte Anzugträger, der gerne Männermodel wäre und warnend eure Slogans vorträgt.

Fazit: Der Spot erschlägt und überfordert den Zuschauer. Merke: Weniger ist mehr.

Platz 6: AfD

(Link führt auf Google Cache)

Ein Bundeswehroffizier mit Schnauzbart, eine freundliche blonde Ärztin und ein Lehrer mit schütterem Haar: So sehen sie also aus, die AfD-Oberen aus Rheinland-Pfalz. Sie sprechen die Probleme an und zeigen uns ganz subtil, wie durchschnittlich sie sind: Der Landeschef Uwe Junge liest ein Buch Helmut Schmidts! Dann kann er ja nicht böse sein. Später tragen sie noch ihren roten Pfeil (Phallussymbol!) durchs halbe Land.

Fazit: Solide. Immerhin keine Schauspieler (Link zu Sachsen-Anhalt).

Platz 5: FDP

(Spot nicht auffindbar, aber sicherlich mittelmäßig)

Platz 4: Grüne

(Link auf Facebook)

Erst malen sie symbolisch den Teufel an die Wand (Kohle, Atom, Schießbefehle, Umweltzerstörung, Rassismus), dann überpinseln sie das Ganze. Grün, natürlich. Darauf Regenbogen, Demos, erneuerbare Energien, Bildung... Keine Schauspieler, keine aufgeblasene Geschichte, kein Mitleid, keine Peinlichkeiten.

Fazit: Schlicht, schön, bunt.

Platz 3: SPD

Ach, die Malu muss man einfach mögen. Sie lächelt stets, erzählt nette Dinge, mag Blumen, arbeitet auch im Flugzeug, spielt mit Kindern, geht ins Stadion und schüttelt sehr gerne Hände (das alles kommt besonders gut rüber, wenn man es in Zeitlupe zeigt). Und sie fühlt sich „genau richtig“ in Rheinland-Pfalz. Das läuft also echt gut mit Malu Dreyer. Warum also abwählen?

Fazit: Personenwahlkampf at it´s best.

Platz 2: CDU

Wie man erfolgreich Ministerpräsident wird, hat schon Bodo Ramelow in Thüringen gezeigt: Auf den Hund kommt es an. Den führt nun Julia Klöckner Gassi durch den Spot. Dazu schneidet sie Weinreben, fährt Traktor und wechselt ihre Outdoor-Treter gegen die schicken Stöckelschuhe. Guckt her: Ich bin bodenständig und kann auch Glamour, schreit es uns entgegen. Und – ganz wichtig – ich kenne die Kanzlerin und schüttele ihr gerne die Hand.

Fazit: Personenwahlkampf – noch ein bisschen besser, weil umfassender. Geschickte, subtile Bildsprache, unaufdringliche Musik, sympathische Grundhaltung.

Platz 1: Freie Wähler

Ach, das liegt alles in Rheinland-Pfalz? Bitburg, Lahnstein, Erbes-Büdesheim, Kaiserslautern, Koblenz, Speyer... wussten wir nicht. Und überall gibt es freie Wähler, die die Freien Wähler wählen – und uns erzählen, warum. Das wirkt äußerst beruhigend – was auch an der meditativen Hintergrundmusik liegt. Na jedenfalls sollten wir jetzt alle die Freien Wähler wählen, wenn man sie nur überall wählen könnte. Die sind nämlich sehr beliebt bei sehr unterschiedlichen, aber grundsympathischen Menschen.

Fazit: Der Spot mit dem größten (geografischen) Erkenntnisgewinn, der den Zuschauer einfach mit einem guten Gefühl zurücklässt. Hoher Kuschelfaktor.

 

Im März haben Baden-Württemberg, Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz gewählt und im September folgte Mecklenburg-Vorpommern. Nun hat Berlin die Wahl.

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