Der Zoo am Meer in Bremerhaven hat seit Freitag eine weitere Eisbärin. Tierschützer kritisieren: Das ist Quälerei. Denn Zoo-Gehege sind für Eisbären viel zu klein.von Georg Kirsche
Ich will nicht, dass meine Kinder Tiere im Zoo kennenlernen. Niemals habe ich einen Zoo freiwillig besucht. Als Kind konnte ich mich dieser Schulveranstaltung nicht erwehren und fand allenfalls das Eis toll. Alles andere schrecklich. Gestunken und eingesperrte Affen, Schlangen, Giraffen, Elefanten. Wie pervers ist das denn?
Ich weiß gar nicht was so gegen PETA geschossen wird. Wo sie Recht haben...
Zoo ist überflüssig. Hier und Weltweit. Wie Delfinarien und Vogelparks. Diese Gehege lösen in der Tat nichts und schaffen nur Leid. Wenn ich hier manchen Kommentar lese, wie und warum denn Eisbären soviel laufen und warum die Eisbärin bei dem Versuch des Deckens verstarb, dann frag ich mich, ob die Schreiber ihre Texte tatsächlich verstehen. Oder einfach nur mal blubbern und gar nicht bemerken, dass sich bei ihre Argumentation die Katze in den Schwanz beisst. Um mal bei den Tieren zu bleiben...
Servus.
29.04.2012 13:05 Uhr
von Karina Wenkers:
Ich finde es schade, das es immer wieder solche Diskussionen gibt. Wenn es nach den "Tierschützern" geht dürfte es dann überhaupt keine Zoos mehr geben. Gleichzeitig sollen aber die Kinder solche Tiere kennenlernen um sie in der Natur zu schützen lernen. U.a. durch Spenden. Sicher wird es immer wieder Vorfälle geben, wo der Nachwuchs verstoßen wird, aber das ist in freier Wildbahn auch nicht anders. Und viele Tierschützer sollten doch mal bitte anfangen vor der eigenen Haustür zu kehren. Bestes Beispiel welches ich persönlich erlebt habe: jemand, der sich als Tierschützer bezeichnet, eine Art Tierasyl baut für ausländische Hunde und groß rumtönt das diese Tiere ein artgerechtes zuhause benötigen. Tja und bei der Frage nach dem Futter hieß es dann, da ist man auf Spenden angewiesen. Sorry. Aber auch artgerechtes Tierfutter gehört dann ebenfalls dazu!
27.04.2012 07:19 Uhr
von ChristianHeidt:
Schlaue Sprüche von Peta und ihren angeblich fachkundigen Zooexperten. Dieser Quadratmeter-Fetischismus bei der Beurteilung von Zootiergehegen ist inzwischen unerträglich. Immer der gleiche "Gesang" der Tierschutzfront. Wer nur hergeht und große Gehege als gute und kleine Anlage als schlechte einstuft, der hat einfach nicht verstanden, dass in der Tiergärtnerei andere Regeln gelten. Die Lebensbedingungen von Zootieren, auch von Eisbären, sind eben in der Menschenobhut anders als in der Natur. Warum haben die Eisbären einen so hohen "Bewegungsdrang"? Weil Sie in erster Linie auf Nahrungssuche sind und deshalb weite Gebiete durchstreifen.
Wenn Peta für den Schutz der Polarregion ist und somit der Lebensraum der Eisbären gesichert werden soll, dann ist das ein ehrenwertes Anliegen. Anstatt nur Gelder zu sammeln, um Anti-Zoo-Kampagnen zu finanzieren, sollten die Tierrechtler das Geld lieber für den nachhaltigen Schutz der Polarregionen stiften.
Der Zoo Bremerhaven hat für seine Eisbären gute Haltungsbedingungen und daran ist auch nichts zu kritisieren. Von daher sind die Vorhaltungen von Peta u. a. wie immer kontraproduktiv!
27.04.2012 00:26 Uhr
von FMH:
Liebe taz, kommt ihr nicht ein einziges Mal bei einem Artikel über Tierschutz ohne irgendwelche Propaganda der PeTA-Sekte aus? Wie wäre es einmal stattdessen Tierschützer zu befragen? Danke!
26.04.2012 22:48 Uhr
von Paule Panther:
Der Bremer Tierschutzverein sollte erst einmal seinen eigenen Verein in Ordnung schaffen, denn wie sonst ist es zu erklären das fast alle Katzen im Tierheim noch in Quarantäne stecken und damit nicht artgerecht untergebracht werden So ein Tierschutzverein will den Lesern erklären was artgerechte Unterbringung von Tieren ist? Frau Schwab soll mit Vorwürfen wegen Tierquälerei sehr vorsichtig sein, denn sonst müsste man mal fragen, ob die Tierhaltung nicht Tierquälerei ist.. Natürlich will Frau Schwab nicht klagen, denn es gibt überhaupt keine Rechtsgrundlage für eine Klage, aber so eine nichtssagende Aussage macht sich gut in der Presse.
Natürlich haben Eisbären einen weiten Lebensraum in der Wildnis. Den brauchen sie auch, denn sonst bekämen sie kein Futter und würden verhungern. In den Zoos ist das anders, hier brauchen sie nicht kilometerweit zu laufen um an Futter zu kommen, hier wird es serviert. Das mag zwar nicht artgerecht sein, es ist aber tiergerecht. Ja, PETA hat ein Video in Bremerhaven gedreht. Nachmittags gegen 15:30 Uhr. Um diese Zeit wartet Lloyd auf seinen Pfleger und die Schaufütterung. Wäre das Video um 15:50 Uhr gedreht worden, dann hätte man Lloyd im Wasser sehen können. Wäre das Video um 12:00 Uhr gedreht worden, dann hätte Lloyd geschlafen.
Ich spreche PETA die Qualifikation ab bei diesen Bären eine Verhaltensstörung zu erkennen, denn der Videofilmer hatte nicht die nötigen Kenntnisse von Eisbären und nicht die nötige Zeit. An einem Tag Beobachtungszeit kann man keine Verhaltensstörung erkennen. Auch die Aussage, dass Lloyd seine Bärin totgebissen hat ist falsch. Selbst wenn diese Version immer wieder wiederholt wird bleibt sie falsch.
Für den Frontmann von PETA Dr. Haferbeck ist jegliche Haltung von Tieren in Menschenhand nicht artgerecht, deshalb will er und seine PETA ja die Tierhaltung in Menschenhand abschaffen. Die Behauptung, dass die Schweitzer Zoos die Eisbärenhaltung aufgegeben haben, weil diese nicht artgerecht gehalten wurde, ist ebenfalls falsch. Die beiden Zoos hatten lediglich kein Geld für neue Gehege, deshalb hat man sich auf andere Tiere konzentriert.
In einem muss ich Herrn Haferbeck Recht geben. Den Lebensraum der Eisbären muss man schützen. Nicht nur den der Eisbären, sondern aller bedrohten Tiere. Richtig, dafür muss man den Klimawandel aufhalten. Was tut PETA dafür? Welches Geld steckt PETA in Tierheime, Gnadenhöfe, Artenschutz oder Klimawandel??? NULL. PETA tötet in Amerika lieber die anvertrauten Tiere anstatt ihnen einen angemessenen Lebensabend zu verschaffen. 27000 Tiere ermordet in den letzten Jahren, dass sind über 90% der anvertrauten Tiere.
Um bei Artenschutz, Tierquälerei mitreden zu können, sollte der Bremer Tierschutzverein und PETA erstmal selbst mit sich und ihren Zielen ins Reine kommen.
26.04.2012 15:58 Uhr
von Ulli J:
Zuerst einmal, um die Fakten gerade zurücken. Auch wenn es in der BILD Zeitung gestanden hat, Lloyd hat Senja nicht „tot gebissen“. Senja ist an einem Herzanfall gestorben, als Lloyd sie im Gang, der zu den Innengehegen führt, decken wollte. Zugegeben, er ist dabei recht ungestüm vorgegangen. Er ist eben ein Eisbär und kein Gentleman. Senja war eine Handaufzucht und mehr an Menschen als an Eisbären gewöhnt und hat nicht so reagiert, wie eine Eisbärin in so einem Fall reagieren würde. Das war ein bedauerlicher Unfall.
Ich war gerade erst im Zoo am Meer und habe den Eisbären einen ganzen Zootag zugesehen und wie bei einigen anderen Besuchen auch kein ungewöhnliches Verhalten beobachten können. Lloyd und Ira sind zu unterschiedlichen Zeiten über die im Vergleich zu anderen Zoos recht große Eisbärenanlage gelaufen, haben das Futter, das ihre Tierpfleger morgens dort verstreut haben, gesucht und gefressen, haben geschlafen. Vor der Fütterung am Nachmittag läuft vor allem Lloyd auf der Anlage hin- und her. Das ist keine Stereotypie, sondern Appetenzverhalten. Nach der Fütterung hört er damit auf. Da er im Wasser gefüttert wird, trocknet er danach sein Fell, in dem er sich an einem Baumstamm schubbert und sucht sich meist danach wieder einen Platz zum Ausruhen.
In der Schweiz hat man die Eisbärenhaltung nicht aufgegeben, weil man glaubt, dass man den Tieren keine ausreichende großen Gehege zur Verfügung stellen kann, sondern weil den Zoos in der Schweiz, die finanziellen Anforderungen für moderne Anlagen, die den Eisbären gerecht werden, zu hoch waren. Der Zolli in Basel z.B. verfügt nur über eine kleine Grundfläche und die Haltung von Eisbären hätte den Verzicht auf andere Tierarten bedeutet, deshalb gibt es dort heute keine Eisbären mehr.
Ich finde es sehr bedauerlich, dass die deutschen Tierschutzvereine stets gegen die Zoos argumentieren und dabei kritiklos Argumente von Tierrechtsorganisationen wie PETA übernehmen, die oft die Tatsachen sehr einseitig interpretieren. Sie sollten sich ein Beispiel am Schweizer Tierschutzverein nehmen, der mit den Zoos zusammenarbeitet und oft lobend erwähnt, wenn Zoos und Tierparks ihre Anlagen zum Wohl der Tiere verbessern, aber sie auch auffordert schlechte Anlagen zu modernisieren, ohne stets gleich die Beendigung der Haltung einer Tierart zu forden, die viele Zoobesucher mit großer Freude im Zoo beobachten.
26.04.2012 12:56 Uhr
von Stefan Körner:
Schade, daßelbst die TAZ auf die Tierschutz-Propaganda herainfällt. Bei Eisbären von "Reviergröße" zu reden zeigt schon, daß da jemand keine Ahnung hat. Eisbären haben keine Reviere und das Streifgebiet ist schon deswegen riesig, weil die Tiere mit dem Eis rund um den Nordpol verdriftet werden. So legen sie selbst in der Winterruhe hunderte Kilometer zurück, ohne eine Pfote zu bewegen. Natürlich ist auch bei der Zoohaltung immer etwas zu verbessern (wobei Bremerhaven weder das älteste noch das schlechste Gehege hat, im Gegenteil). Aber einfach so pauschal und mit falschen Fakten draufzuschlagen ist für die Tierschützer schon peinlich. Offenbar geht es mehr darum, viel Aufregung für viel Spendeneinnahmen zu produzieren und weniger um konstruktive Arbeit zum Wohl der Tiere.
Leserkommentare
26.10.2012 18:39 Uhr
von jamoulus:
Ich will nicht, dass meine Kinder Tiere im Zoo kennenlernen. Niemals habe ich einen Zoo freiwillig besucht. Als Kind konnte ich mich dieser Schulveranstaltung nicht erwehren und fand allenfalls das Eis toll. Alles andere schrecklich. Gestunken und eingesperrte Affen, Schlangen, Giraffen, Elefanten. Wie pervers ist das denn?
Ich weiß gar nicht was so gegen PETA geschossen wird. Wo sie Recht haben...
Zoo ist überflüssig. Hier und Weltweit. Wie Delfinarien und Vogelparks. Diese Gehege lösen in der Tat nichts und schaffen nur Leid. Wenn ich hier manchen Kommentar lese, wie und warum denn Eisbären soviel laufen und warum die Eisbärin bei dem Versuch des Deckens verstarb, dann frag ich mich, ob die Schreiber ihre Texte tatsächlich verstehen. Oder einfach nur mal blubbern und gar nicht bemerken, dass sich bei ihre Argumentation die Katze in den Schwanz beisst. Um mal bei den Tieren zu bleiben...
Servus.
29.04.2012 13:05 Uhr
von Karina Wenkers:
Ich finde es schade, das es immer wieder solche Diskussionen gibt.
Wenn es nach den "Tierschützern" geht dürfte es dann überhaupt keine Zoos mehr geben.
Gleichzeitig sollen aber die Kinder solche Tiere kennenlernen um sie in der Natur zu schützen lernen. U.a. durch Spenden.
Sicher wird es immer wieder Vorfälle geben, wo der Nachwuchs verstoßen wird, aber das ist in freier Wildbahn auch nicht anders.
Und viele Tierschützer sollten doch mal bitte anfangen vor der eigenen Haustür zu kehren. Bestes Beispiel welches ich persönlich erlebt habe: jemand, der sich als Tierschützer bezeichnet, eine Art Tierasyl baut für ausländische Hunde und groß rumtönt das diese Tiere ein artgerechtes zuhause benötigen. Tja und bei der Frage nach dem Futter hieß es dann, da ist man auf Spenden angewiesen. Sorry. Aber auch artgerechtes Tierfutter gehört dann ebenfalls dazu!
27.04.2012 07:19 Uhr
von ChristianHeidt:
Schlaue Sprüche von Peta und ihren angeblich fachkundigen Zooexperten. Dieser Quadratmeter-Fetischismus bei der Beurteilung von Zootiergehegen ist inzwischen unerträglich. Immer der gleiche "Gesang" der Tierschutzfront. Wer nur hergeht und große Gehege als gute und kleine Anlage als schlechte einstuft, der hat einfach nicht verstanden, dass in der Tiergärtnerei andere Regeln gelten. Die Lebensbedingungen von Zootieren, auch von Eisbären, sind eben in der Menschenobhut anders als in der Natur. Warum haben die Eisbären einen so hohen "Bewegungsdrang"? Weil Sie in erster Linie auf Nahrungssuche sind und deshalb weite Gebiete durchstreifen.
Wenn Peta für den Schutz der Polarregion ist und somit der Lebensraum der Eisbären gesichert werden soll, dann ist das ein ehrenwertes Anliegen. Anstatt nur Gelder zu sammeln, um Anti-Zoo-Kampagnen zu finanzieren, sollten die Tierrechtler das Geld lieber für den nachhaltigen Schutz der Polarregionen stiften.
Der Zoo Bremerhaven hat für seine Eisbären gute Haltungsbedingungen und daran ist auch nichts zu kritisieren. Von daher sind die Vorhaltungen von Peta u. a. wie immer kontraproduktiv!
27.04.2012 00:26 Uhr
von FMH:
Liebe taz,
kommt ihr nicht ein einziges Mal bei einem Artikel über Tierschutz ohne irgendwelche Propaganda der PeTA-Sekte aus? Wie wäre es einmal stattdessen Tierschützer zu befragen?
Danke!
26.04.2012 22:48 Uhr
von Paule Panther:
Der Bremer Tierschutzverein sollte erst einmal seinen eigenen Verein in Ordnung schaffen, denn wie sonst ist es zu erklären das fast alle Katzen im Tierheim noch in Quarantäne stecken und damit nicht artgerecht untergebracht werden So ein Tierschutzverein will den Lesern erklären was artgerechte Unterbringung von Tieren ist? Frau Schwab soll mit Vorwürfen wegen Tierquälerei sehr vorsichtig sein, denn sonst müsste man mal fragen, ob die Tierhaltung nicht Tierquälerei ist.. Natürlich will Frau Schwab nicht klagen, denn es gibt überhaupt keine Rechtsgrundlage für eine Klage, aber so eine nichtssagende Aussage macht sich gut in der Presse.
Natürlich haben Eisbären einen weiten Lebensraum in der Wildnis. Den brauchen sie auch, denn sonst bekämen sie kein Futter und würden verhungern. In den Zoos ist das anders, hier brauchen sie nicht kilometerweit zu laufen um an Futter zu kommen, hier wird es serviert. Das mag zwar nicht artgerecht sein, es ist aber tiergerecht. Ja, PETA hat ein Video in Bremerhaven gedreht. Nachmittags gegen 15:30 Uhr. Um diese Zeit wartet Lloyd auf seinen Pfleger und die Schaufütterung. Wäre das Video um 15:50 Uhr gedreht worden, dann hätte man Lloyd im Wasser sehen können. Wäre das Video um 12:00 Uhr gedreht worden, dann hätte Lloyd geschlafen.
Ich spreche PETA die Qualifikation ab bei diesen Bären eine Verhaltensstörung zu erkennen, denn der Videofilmer hatte nicht die nötigen Kenntnisse von Eisbären und nicht die nötige Zeit. An einem Tag Beobachtungszeit kann man keine Verhaltensstörung erkennen. Auch die Aussage, dass Lloyd seine Bärin totgebissen hat ist falsch. Selbst wenn diese Version immer wieder wiederholt wird bleibt sie falsch.
Für den Frontmann von PETA Dr. Haferbeck ist jegliche Haltung von Tieren in Menschenhand nicht artgerecht, deshalb will er und seine PETA ja die Tierhaltung in Menschenhand abschaffen. Die Behauptung, dass die Schweitzer Zoos die Eisbärenhaltung aufgegeben haben, weil diese nicht artgerecht gehalten wurde, ist ebenfalls falsch. Die beiden Zoos hatten lediglich kein Geld für neue Gehege, deshalb hat man sich auf andere Tiere konzentriert.
In einem muss ich Herrn Haferbeck Recht geben. Den Lebensraum der Eisbären muss man schützen. Nicht nur den der Eisbären, sondern aller bedrohten Tiere. Richtig, dafür muss man den Klimawandel aufhalten. Was tut PETA dafür? Welches Geld steckt PETA in Tierheime, Gnadenhöfe, Artenschutz oder Klimawandel??? NULL. PETA tötet in Amerika lieber die anvertrauten Tiere anstatt ihnen einen angemessenen Lebensabend zu verschaffen. 27000 Tiere ermordet in den letzten Jahren, dass sind über 90% der anvertrauten Tiere.
Um bei Artenschutz, Tierquälerei mitreden zu können, sollte der Bremer Tierschutzverein und PETA erstmal selbst mit sich und ihren Zielen ins Reine kommen.
26.04.2012 15:58 Uhr
von Ulli J:
Zuerst einmal, um die Fakten gerade zurücken. Auch wenn es in der BILD Zeitung gestanden hat, Lloyd hat Senja nicht „tot gebissen“. Senja ist an einem Herzanfall gestorben, als Lloyd sie im Gang, der zu den Innengehegen führt, decken wollte. Zugegeben, er ist dabei recht ungestüm vorgegangen. Er ist eben ein Eisbär und kein Gentleman. Senja war eine Handaufzucht und mehr an Menschen als an Eisbären gewöhnt und hat nicht so reagiert, wie eine Eisbärin in so einem Fall reagieren würde. Das war ein bedauerlicher Unfall.
Ich war gerade erst im Zoo am Meer und habe den Eisbären einen ganzen Zootag zugesehen und wie bei einigen anderen Besuchen auch kein ungewöhnliches Verhalten beobachten können. Lloyd und Ira sind zu unterschiedlichen Zeiten über die im Vergleich zu anderen Zoos recht große Eisbärenanlage gelaufen, haben das Futter, das ihre Tierpfleger morgens dort verstreut haben, gesucht und gefressen, haben geschlafen. Vor der Fütterung am Nachmittag läuft vor allem Lloyd auf der Anlage hin- und her. Das ist keine Stereotypie, sondern Appetenzverhalten. Nach der Fütterung hört er damit auf. Da er im Wasser gefüttert wird, trocknet er danach sein Fell, in dem er sich an einem Baumstamm schubbert und sucht sich meist danach wieder einen Platz zum Ausruhen.
In der Schweiz hat man die Eisbärenhaltung nicht aufgegeben, weil man glaubt, dass man den Tieren keine ausreichende großen Gehege zur Verfügung stellen kann, sondern weil den Zoos in der Schweiz, die finanziellen Anforderungen für moderne Anlagen, die den Eisbären gerecht werden, zu hoch waren. Der Zolli in Basel z.B. verfügt nur über eine kleine Grundfläche und die Haltung von Eisbären hätte den Verzicht auf andere Tierarten bedeutet, deshalb gibt es dort heute keine Eisbären mehr.
Ich finde es sehr bedauerlich, dass die deutschen Tierschutzvereine stets gegen die Zoos argumentieren und dabei kritiklos Argumente von Tierrechtsorganisationen wie PETA übernehmen, die oft die Tatsachen sehr einseitig interpretieren. Sie sollten sich ein Beispiel am Schweizer Tierschutzverein nehmen, der mit den Zoos zusammenarbeitet und oft lobend erwähnt, wenn Zoos und Tierparks ihre Anlagen zum Wohl der Tiere verbessern, aber sie auch auffordert schlechte Anlagen zu modernisieren, ohne stets gleich die Beendigung der Haltung einer Tierart zu forden, die viele Zoobesucher mit großer Freude im Zoo beobachten.
26.04.2012 12:56 Uhr
von Stefan Körner:
Schade, daßelbst die TAZ auf die Tierschutz-Propaganda herainfällt. Bei Eisbären von "Reviergröße" zu reden zeigt schon, daß da jemand keine Ahnung hat. Eisbären haben keine Reviere und das Streifgebiet ist schon deswegen riesig, weil die Tiere mit dem Eis rund um den Nordpol verdriftet werden. So legen sie selbst in der Winterruhe hunderte Kilometer zurück, ohne eine Pfote zu bewegen.
Natürlich ist auch bei der Zoohaltung immer etwas zu verbessern (wobei Bremerhaven weder das älteste noch das schlechste Gehege hat, im Gegenteil). Aber einfach so pauschal und mit falschen Fakten draufzuschlagen ist für die Tierschützer schon peinlich. Offenbar geht es mehr darum, viel Aufregung für viel Spendeneinnahmen zu produzieren und weniger um konstruktive Arbeit zum Wohl der Tiere.