Tobias Schulze zur Genossenschaft

Der Deal lohnt sich

Niemand darf den RedakteurInnen diktieren, was sie zu schreiben haben. Das ist gut so.

Tobias Schulze, taz-Redakteur im Inland Bild: privat

Die taz Genossenschaft wird 25 Jahre alt. Zu diesem Anlass haben wir 5 RedakteurInnen gebeten über die Bedeutung der Genossenschaft für ihren Arbeitsalltag zu schreiben.

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

als die taz im November 1991 eine Genossenschaft gründete, war mir das herzlich egal. Als Dreijähriger beschäftigte ich mich lieber mit Puppen und Matchbox-Autos als mit unabhängigem Journalismus. 25 Jahre später bin ich ein bisschen schlauer und weiß: Dieser Genossenschaft verdanke ich, dass ich heute meine Arbeit machen kann, ohne auf irgendjemanden Rücksicht zu nehmen.

Nicht auf Anzeigenkunden zum Beispiel. Nehmen wir mal die Sache mit der Bundeswehr: Die Armee buchte in den vergangenen Monaten mehrere Anzeigen in unserer Zeitung, der Verlag druckte sie ab. In der Redaktion, auf der LeserInnenbrief-Seite und auf der Genossenschaftsversammlung wurde diese Entscheidung kontrovers diskutiert. Ich nahm die Debatte aber locker, denn auf meine Arbeit wirkten sich diese Anzeigen überhaupt nicht aus.

Als Redakteur für Sicherheitspolitik berichte ich regelmäßig über die Bundeswehr und das Verteidigungsministerium – möglichst korrekt, möglichst fair, aber auch möglichst kritisch. Auf der Gegenseite kommt das nicht immer gut an. Nach einem besonders negativen Kommentar hatte ich schon mal einen empörten Pressesprecher des Ministeriums am Telefon. Sollte mich das beeindrucken? Könnte das Ministerium Konsequenzen ziehen? Wird es in Zukunft keine Anzeigen mehr buchen? Dank der Genossenschaft muss ich mir darüber keine Gedanken machen. Dank der GenossInnen hängt das Überleben der taz nämlich nicht von großen Anzeigenkunden ab.

Und es kommt noch besser: Es gibt noch nicht mal einen Verleger, der mir reinreden könnte. Hin und wieder melden sich zwar GenossInnen, um sich über einen Text zu beschweren. Dafür bin ich dankbar. Oft entsteht ein interessanter Austausch, meistens nehme ich Anregungen auf, manchmal ändere ich meine Meinung. Anweisungen kann mir aber niemand geben. Und wenn ein Genosse seine Anteile kündigt, weil ihm die Berichterstattung nicht passt? Dann bleiben immer noch 16.000 andere.

Im ersten Moment klingt das vielleicht wenig lukrativ: Sie kaufen Anteile einer Zeitung und dürfen der Redaktion noch nicht mal diktieren, was sie zu schreiben hat? Nun, sehen Sie es mal umgekehrt: Sie kaufen Anteile einer Zeitung, damit auch niemand anderes der Redaktion diktieren darf, was sie zu schreiben hat. Sie ermöglichen unabhängigen Journalismus. Mit einer Einlage ab 500 Euro können Sie Mitglied der Genossenschaft werden. Ich glaube, der Deal lohnt sich. Auch in den nächsten 25 Jahren.

TOBIAS SCHULZE, taz-Redakteur im Inland