Todesstrafe für hohen Offizier im Kongo

Mamadou und die Generäle

Seit dem Mord an Armeeoberst Mamadou Ndala ist Kongos Militär wieder eine Chaostruppe. Jetzt erhält ein Oberstleutnant dafür die Todesstrafe.

Oberst Mamadou Ndala wurde Anfang des Jahres getötet. Bild: Simone Schlindwein

KAMPALA taz | Für den Osten der Demokratischen Republik Kongo, wo sonst zumeist Straflosigkeit herrscht, war es ein besonderer Prozess. Birocho Nzanzu Kosi, Oberstleutnant der kongolesischen Armee, wurde am späten Montag von einem Militärgericht in der Stadt Beni wegen Teilnahme an einer terroristischen Rebellion zum Tode verurteilt, zudem soll er 2,7 Millionen Dollar Entschädigung bezahlen.

Das Geld ist für die Hinterbliebenen von Armeeoberst Mamadou Ndala bestimmt, der Anfang dieses Jahres nahe Beni bei einem Anschlag getötet wurde. 19 mutmaßliche Täter waren bei dem Militärprozess angeklagt, das Mordkomplott geplant und durchgeführt zu haben, darunter hochrangige Offiziere.

Oberst Mamadou Ndala war ein regelrechter Volksheld. Der junge Kommandant der Spezialeinheiten der kongolesischen Armee hatte 2013 in der Provinzhauptstadt Goma die Operationen gegen die Rebellenarmee M23 (Bewegung des 23. März) angeführt, bis sich die Tutsi-Rebellen geschlagen nach Uganda zurückzogen.

Zum ersten Mal seit Beginn der Kongo-Kriege hatte damit die marode Armee einen Sieg über eine Rebellentruppe erzielt. Mamadou und sein Vorgesetzter, General Julien Bahuma, wurden von der Bevölkerung als Befreier gefeiert.

Zum Jahreswechsel 2013/2014 startete Mamadou unter Befehl Bahumas in den Bergen nördlich von Beni Operationen gegen die ugandische Rebellenbewegung ADF (Vereinigte Demokratische Kräfte), die sich in den Rwenzori-Bergen an der Grenze zwischen Kongo und Uganda verschanzt. Noch bevor der erste Schuss gefallen war, traf eine Panzerabwehrrakete das Auto des Obersts auf dem Weg an die Front aus nächster Nähe.

Mamadou, der auf dem Beifahrersitz saß, und zwei Leibwächter waren sofort tot. General Bahuma starb wenige Monate später, angeblich an einem Herzleiden. Mamadous Fahrer, wegen unterlassener Hilfsleistung angeklagt, wurde am Tag nach Prozessbeginn tot in seiner Zelle aufgefunden.

27.000 US-Dollar von der ADF?

Der jetzt verurteilte Birocho stammt selbst aus der Region. Er galt bei seinen Kameraden als korrupter Geschäftemacher. Während des Verfahrens sagten Zeugen aus, er habe 27.000 Dollar erhalten, um den Mord an Ndala vorzubereiten. Zwei ADF-Kämpfer wurden wegen Teilnahme am Mord verurteilt – einer hatte ausgesagt, sie hätten Birocho 27.000 Dollar bezahlt, um den Mord durchzuführen.

Oberstleutnant Jocker Kamulete erhielt 20 Jahre Haft, zwei Hauptmänner wurden für Missbrauch und Diebstahl von Waffen für schuldig erklärt. Auffällig ist: Für die direkte Ausführung des Mordes selbst wurde niemand für schuldig befunden.

Es kursierten von vornherein Gerüchte, Ndala und auch Bahuma seien gezielt umgebracht worden, um die neu gewonnene Effektivität der Armee zu untergraben. Rund um die Militäroperationen gegen die M23, die von der UN-Mission aktiv unterstützt wurden, gab es an der Armeespitze scharfe Rivalitäten.

Sollte das Ziel des Mordanschlags gewesen sein, die Armee zu schwächen, hat es funktioniert: Die Operationen gegen die ADF dauern bereits fast ein Jahr und noch immer sind die Rebellen nicht geschlagen. Hunderte von Soldaten sind gefallen.

Neue Rebellion in Nord-Kivu

Schlimmer noch: Seit der Mordprozess begann, sind rund um Beni über 120 Zivilisten brutal massakriert worden. Die meisten wurden mit Macheten niedergemetzelt – Tausende stationierte Soldaten und UN-Blauhelme blieben untätig.

Für all dies wird die ADF verantwortlich gemacht. Die hat in den vergangenen Jahren vermehrt Kongolesen der Nande-Ethnie rund um Beni rekrutiert und sich damit anscheinend in eine kongolesische Rebellengruppe mit guten Kontakten zu Geschäftsleuten und Armeeoffizieren verwandelt.

Kongos Regierung beschuldigt den mächtigsten Nande-Politiker Mbusa Nyamwisi, früher selbst Rebellenführer in Beni und später Minister in Kinshasa, hinter dieser Verwandlung zu stecken.

Aufgrund der Unsicherheit formieren sich jetzt lokale Selbstverteidigungsmilizen – eine gefährliche Entwicklung. Erneut zeigt sich, dass die Bevölkerung kein Vertrauen in die Armee hat. Oberst Mamadou Ndala hatte bewiesen, dass erfolgreiche Armeeeinheiten bejubelt werden können. Aber er ist tot.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de