Noch ist unklar, ob die Explosion in einem Munitionsdepot ein Anschlag oder ein Unfall war. Die Regierung macht Stimmung gegen die Kurdenpartei.von Jürgen Gottschlich

Soldaten bewachen den Ort der Explosion in der Westtürkei. Bild: dapd
ISTANBUL taz | Im Westen der Türkei, nahe der Stadt Afyon, ist am späten Mittwochabend eine Munitionslager der Armee explodiert. Dabei starben 25 Soldaten, etliche weitere wurden verletzt. Durch den Feuerball, den die Explosion freisetzte, wurde auch der umliegende Wald in Brand gesetzt. Das Feuer konnte gelöscht werden.
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Nach offiziellen Angaben handelte es sich um einen Unfall. Die Explosion soll durch einen unsachgemäßen Umgang mit einer Handgranate verursacht worden sein, der genaue Unfallhergang wird noch rekonstruiert.
Nach den ersten Meldungen war sofort der Verdacht aufgekommen, es könne sich nur um einen Anschlag der kurdischen PKK-Guerilla handeln. Seit Wochen greift die PKK so massiv wie seit Jahren nicht mehr Militärstützpunkte an der irakisch-türkischen Grenze an. Die Armee hat ihre Einheiten in den Grenzprovinzen Hakkari und Sirnak verstärkt und setzt Kampfhubschrauber und -flugzeuge ein, um vermeintliche PKK-Stellungen zu bombardieren.
Der Vorsitzende der kurdischen BDP, Selahattin Demirtas, hatte zuvor behauptet, die PKK würde im äußersten südöstlichen Zipfel des Landes, in der Provinz Hakkari, bereits 400 Quadratkilometer kontrollieren. Premier Recep Tayyip Erdogan bezeichnete Demirtas daraufhin als Co-Vorsitzenden der „Terrorpartei“. Er solle in die „Kandil-Berge“ gehen, dem Hauptquartier der PKK im Nordirak, dort gehöre er hin.
Vor Funktionären der regierenden AK-Partei griff Erdogan auch eine Forderung der Ultranationalisten von der MHP auf, die die Immunität der kurdischen BDP-Abgeordneten im Parlament aufheben wollen. Erdogan sagte, er habe die Justiz angewiesen, das Nötige zu tun.
Kommentatoren erinnerten daraufhin an die 90er Jahre, als schon einmal kurdische Parlamentarier aus dem Parlament heraus verhaftet wurden und jahrelang im Gefängnis saßen. Diese Verhaftungen hatten mit zu den schlimmsten Kämpfen zwischen Kurden und der Armee geführt.
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