Linke haben in Neukölln über das Feindbild „Tourist“ in der aktuellen Gentrifizierungsdebatte diskutiert. Diskutiert? Wirklich streiten wollte keiner.von Laura Wösch

Alle doof? Touris an der East Side Gallery. Bild: dpa
BERLIN taz | An der Bar echauffiert sich ein Typ über den Preis für eine Flasche Club Mate. „2,50 Euro? Gibt's denn keinen Einheimischen-Rabatt?“. Seine Aussprache ist dialektfrei, sie gibt keinen Aufschluss über seine Herkunft. Er scheint sich aber als echter Berliner zu verstehen.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Von denen haben einige so ihre Probleme mit Menschen von außen. Um darüber zu diskutieren, hatte die linke Gruppierung „Andere Zustände Ermöglichen“ (AZE) am Donnerstagabend in eine Neuköllner Kiezkneipe eingeladen. Die Gruppe hatte in den vergangenen Tagen mit der Plakataktion „Spot the Touri“ die Debatte über Partytourismus neu entfacht. Auf einem Plakat wird dazu aufgefordert, aus zwölf abgebildeten Personen die TouristInnen zu entlarven: „Finde einfache Erklärungen und schnelle Lösungen für alles, was dich stört.“ Der Touri als Sündenbock für Gentrifizierung.
Beleidigungen und Übergriffe auf Touristen haben AZE auf die Idee gebracht, BerlinerInnen dafür zu sensibilisieren, dass Kritik an einer neoliberalen Stadtpolitik auch ohne personifizierte Feindbilder geübt werden kann. Die Aggressivität, mit der sich die Wut über Mieterhöhungen und die Vertreibung langjähriger Mieter entlädt, fand Ausdruck in Sprüchen wie „Touristen fisten“ und „Welcome in Berlin - Now go home“.
Doch wie sieht ein Tourist aus? Rollt er einen Koffer hinter sich her, trinkt Club Mate, kotzt in Hauseingänge und grölt betrunken in den Straßen? „Also mal ehrlich: Welcher Berliner hat sich noch nicht so verhalten?“, meint Initiator Lorenz, der seinen richtigen Namen nicht nennen möchte. Es hätte extrem aggressive Reaktionen auf die Plakat-Aktion gegeben, die er in dem Ausmaß nicht erwartet hätte. Deshalb soll die Veranstaltung hier Raum bieten, Meinungen auszutauschen.
Reden will aber an diesem Abend offensichtlich keiner. Dem Publikum, rund 50 Leute aus der linken Szene, scheint nichts auf der Zunge zu brennen. Aus dem Lager der aggressiven Kritiker ist niemand gekommen. Zaghaft wird angemerkt, der Initiative mangele es an alternativen Strategien und Verbesserungsvorschlägen, die Debatte kreise innerhalb der Linken um sich selbst. Damit hatten die InitiatorInnen Lorenz und Marie scheinbar nicht gerechnet. Die sind an diesem Abend lediglich darauf vorbereitet, sich verteidigen zu müssen und ob der fehlenden Angriffe seitens des Publikums nun eher verdutzt – und offenbar auch ziemlich erleichtert.
Flughafengesellschaft stellt selbst fest, wie viel Geld sie noch braucht. Piraten fordern Kassensturz. Wowereit heute im Untersuchungsausschuss von Stefan Alberti

Bond-Schurkin, Stil-Ikone, Musikerin: Das Gesamtkunstwerk Grace Jones hat Geburtstag.

David Beckham beendet seine Fußballer-Karriere. Wird er jetzt etwa Vollzeitpapa, Model oder Frührentner? Ach, uns fallen da noch ein paar andere Sachen ein...

Ein echt fieser Augapfel, ein Harley-Davidson-Skelett, Buddha hat Geburtstag und jede Menge Quallen. Unsere Bilder der Woche.

14 Jahre war Thomas Schaaf Trainer bei Werder Bremen – genug Zeit, seinen trockenen Humor in vielen Interviewantworten unter Beweis zu stellen.


Leserkommentare
22.08.2012 12:05 | Erwin
Das Land Berlin verschwendet auch viel Geld, ...
21.08.2012 00:33 | lisa
Ich wünsche euch allen eine Ferienwohnung voller lärmender Touristen über eurer Wohnung! Dann können wir weiterreden! "vfb" ...
19.08.2012 20:18 | Magdalena
vielleicht wäre die Diskussion würziger verlaufen, wenn dort jemand anwesend gewesen wäre, der/die auch direkt von Gentrifi ...