Die europäische Zeitungslandschaft feiert Italien nach seinem 2:1 gegen Deutschland – und, natürlich, Mario Balotelli. Auf Twitter wird derweil die deutsche Aufstellung diskutiert.

So feiert das Internet den neuen Super Mario. Bild: Archiv
BERLIN dpa/dapd/taz | Das Spiel ist aus, aus, aus, Deutschland ist raus, raus, raus und die europäische Zeitungslandschaft überschlägt sich in Lob für, natürlich, Mario Balotelli (oder wie Journalisten ihn nennen: Super-Mario). Dazu weiter unten mehr.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Denn zunächst ein Best-of der Reaktionen bei Twitter auf das Spiel. Hier stehen insbesondere Joachim Löw und seine Mannschaftsaufstellung im Mittelpunkt.
Ich hoffe, Löw wechselt Merkel ein,Vor der hat Europa wenigstens noch Angst...
— Oliver Kalkofe (@twitkalk) Juni 28, 2012
Da hat doch die UEFA bestimmt wieder die falschen Bilder gezeigt. #itager
— Roland(@relativgut) Juni 28, 2012
Lieber Herr Löw, bitte öffnen sie auf ihrem Smartphone Twitter. Dort finden sie die korrekte Mannschaftsaufstellung !
— Siebter_Sinn (@Siebter_Sinn) Juni 28, 2012
ich muss die emotionale ausnahmesituation von jogi löw ausnutzen & ihn fragen, ob er mich heiratet.
— jan (@nachtlos) Juni 28, 2012
So, Podolski ist raus. Und da sag noch mal einer, dass Twitter nichts bewegt.
— Thomas (@sechsdreinuller) Juni 28, 2012
Adhoc Erklärung von Innenminister Friedrich: Vorratsdatenspeicherung hätte das Ausscheiden der deutschen Mannschaft verhindert #em12 #itager
— Verfassungsschutz (@bundesamtfvs) Juni 28, 2012
Diese Löw-muss-weg-Tweets langweilen mich genauso wie die ewige Nörgelei wegen dem Wetter.
— Andrea Reitmeier (@AndreaReitmeier) Juni 29, 2012
Gut ist, dass Cassano nicht Kapitän ist und den Respect-Text vorliest... Wäre irgendwie unglaubwürdig. #gerita
— SPOX Redaktion (@spox) Juni 28, 2012
Hätte Jogi Löw die Kätzchen und das Einhorn eingewechselt, wär das alles nicht passiert.
— words like swords (@Weltregierung) Juni 29, 2012
Er hätte Neuer früher bringen müssen. #ger #ita #löw #EM12
— Jeky (@Jeky) Juni 28, 2012
.
ITALIEN
La Gazzetta dello Sport: „EXTRAORDI-MARIO: Balotelli-Show mit zwei Toren wie im Märchen. Er stemmte sich Italien auf die Schultern und brachte uns ins Finale. Ein Star ist geboren, dort, mitten aufs Feld gemeißelt wie eine griechische Bronzestatue der Playstation.“
Corriere dello Sport: „Italienische Giganten. Ein Wahnsinns-Balotelli. Wir haben Deutschland eine Fußball-Lektion erteilt. Wir sind im Finale. Die Azzurri haben dem Land die Freude zurückgegeben.“
La Stampa: „Wir sind der Fluch der Deutschen. Die Geschichte wiederholt sich. Deutschland bleibt am Boden, und Italien kommt weiter. Das Finale zu erreichen, das sah erst so aus, als müsse man eine Rakete zum Mond schießen. Doch der Mond kam herab, um eine Squadra zu streicheln, die in zwei Jahren nahezu aus dem Nichts neu aufgebaut worden ist.“
La Repubblica: „Eine perfekte Partie, die magische Nacht des Super-Mario. Dieser Junge heißt Italien. Denn Italien, das steht jetzt auch für einen Schwarzen mit dem Akzent von Brescia. Der Sieg über Deutschland verlängert die Geschichte, und ins Finale gehts mit riesiger Moral.“
Corriere della Sera: „Ein großes Italien, Deutschland muss sich Balotelli geschlagen geben. Es war die schönste Partie, eine Schönheit, entstanden aus dem Wissen um die eigenen Mittel, umgesetzt wie am Reißbrett ausgedacht. Alle haben alles gegeben, sind teilweise neugeboren in dieser Nacht.“
SPANIEN
El País: „Die Deutschen fielen ihrer Arroganz und ihrem Übermut zum Opfer. Sie dachten nur an eine Revanche gegen Spanien und vergaßen die Italiener. Von Özil war wenig zu sehen, dagegen führte Pirlo Regie in meisterhafter Manier.“
El Periódico: „Balotelli versenkt Deutschland. Das Spiel der Teutonen erlitt einen verheerenden Kurzschluss. Die deutsche Elf war eine totale Enttäuschung.“
Sport: „Balotelli war der Super-Mario. Von der Statistik her wird das Spiel als ein knapper Sieg der Italiener in die Annalen eingehen. Aber in Wirklichkeit hätte das Team von Cesare Prandelli die Deutschen mit einer Packung heimschicken können.“
ENGLAND
The Times: „Balotellis Brillanz schickt verstörtes Deutschland heim – für Balotelli war es die stolzeste Nacht seiner Karriere. Italien war im Traumland, Deutschland fassungslos.“
The Guardian: „Warum immer er? Balotelli feuert Italien ins Finale - es war die Nacht, in der Mario Balotelli sich als seriöser, erwachsener Fußballer zeigte, der die besten Gelegenheiten verwerten konnte. Angedroht hatte er das schon mehrmals, aber nie hat er es mit so viel Effizienz durchgesetzt.“
The Sun: „Simply the Chest.“
FRANKREICH
Direct Matin: „Wiedersehen im Finale – Der zweifache Torschütze 'Super Mario' hat nie so berechtigt seinen Spitznamen getragen; er hat sein Talent im besten Augenblick aufblitzen lassen, um ein ganzes Land an die Pforten des Paradieses zu schicken und im Alleingang die Hoffnungen der deutschen Mannschaft auf eine Revanche fürs verlorene Finale 2008 zu zerschlagen.“
Le Parisien: „Balotelli lässt Deutschland stürzen - von diesem Spiel wird man drei Dinge in Erinnerung behalten. Erstens natürlich den unaufhaltsamen Sieg. Zweitens das, was nun wie ein Fluch erscheint, da Deutschland Italien immer noch nicht bei einem großen Wettbewerb geschlagen hat. Und drittens wird man sich einen großen Namen merken: den von Mario Balotelli.“
POLEN
Rzeczpospolita: „Warschau hatte Glück. Das letzte Match in Polen war das beste der EM. Noch einmal zeigten die Italiener schönen, offensiven Fußball. Der Held der Begegnung war Mario Balotelli. Italien hätte noch höher gewinnen können.“
SCHWEIZ
Blick: „Deutsche gedemütigt! Mister Bummbastic. Super-Mario Balotelli erlegt die Deutschen mit zwei Toren. Deutsche verlieren Spiel und Anstand.“
Basler Zeitung: „Was für ein packender Fußballabend in Polens Hauptstadt, was für ein Resultat und was für eine Überraschung: Nicht das hochgelobte Deutschland, sondern Italien steht am Sonntag in Kiew im EM-Finale gegen Spanien.“
TSCHECHIEN
Blesk: „Bravotelli! Ein Stürmer hat mit zwei Treffern innerhalb von 16 Minuten alles entschieden – Balotelli und Co. treffen auf Titelverteidiger Spanien, der vor dem verrückten italienischen Kanonier bereits zittert.“
Právo: „Wenn es dem italienischen Fußball am schlechtesten geht, wenn er von Korruptions- und Wettskandalen überschattet wird, dann rückt die Nationalmannschaft entgegen aller Unkenrufe zusammen.“
SCHWEDEN
Aftonbladet: „Die Deutschen eroberten viele Herzen und gewannen Freunde. Aber zum Turniersieg brauchten sie auch Rückgrat, und das schienen sie unterwegs verloren zu haben. Schon wieder ein Sommermärchen, das sich in Rauch aufgelöst hat.“
Expressen: „Der deutsche Fußball war noch nie so populär wie jetzt. Und der deutsche Fußball wurde noch nie so stark mit Niederlagen verknüpft wie jetzt. Aus arroganten Siegertypen sind liebenswerte Loser-Typen geworden.“
DÄNEMARK
B.T.: „Super-Super-Mario zeigte endlich, was in ihm steckt und schickte Deutschland nach Hause. Die Deutschen setzten viel zu spät mit ihren Angriffen ein. Reus war bester Deutscher und hatte die Energie, die den etablierten Stars fehlte.“
Ekstra Bladet: „Die Italiener hielten mutig an ihrem Angriffsspiel fest. Ein phänomenales Halbfinale. Cesare Prandelli wurde belohnt dafür, dass er als einziger Trainer bei diesem Turnier etwas Neues gewagt hat.“
UNGARN
Magyar Nemzet: „Fußball ist ein Spiel, das die Deutschen nie gewinnen.“
Die Ticketplattform Viagogo verdient auch am Champions-League-Finale in Wembley kräftig mit. Viele Fans halten das Geschäftsmodell für Abzocke. von Holger Vieth

Unser Programm: taz.de begleitet die Fußball-EM 2012 in den Schwerpunkten „Aufm Platz“ mit allen Spielberichten und Analysen, „Mixed Zone“ mit allem, was in Sachen Fußball eben nicht auf dem Spielfeld passiert und „Tribüne“, der die Perspektive von außen aufs Geschehen einnimmt.
***
Exklusiv auf taz.de: Lesen, was Sie verpasst haben - verstehen, was Sie gesehen haben: Alle Spielberichte kurz nach Abpfiff auf taz.de/em. Mit dem entscheidenden Moment, dem Spieler und der Pfeife des Spiels und der Schlussfolgerung.
***
Facebook: Leibesübungen – taz.sport ist jetzt auch hier.
***
Das Team: Aus den Stadien und dem Quartier der deutschen Mannschaft berichten die taz-Sport-Redakteure Andreas Rüttenauer und Markus Völker. In Warschau beobachten Gabriele Lesser und Uli Räther das Geschehen, in Kiew Juri Durkot. In Berlin sind dabei: Svenja Bednarczyk, Frauke Böger, Michael Brake, Jan Feddersen, Enrico Ippolito, Johannes Kopp, Katerina Mishchenko, Barbara Oertel, Erik Peter, Jan Scheper und Deniz Yücel.
Bond-Schurkin, Stil-Ikone, Musikerin: Das Gesamtkunstwerk Grace Jones hat Geburtstag.

David Beckham beendet seine Fußballer-Karriere. Wird er jetzt etwa Vollzeitpapa, Model oder Frührentner? Ach, uns fallen da noch ein paar andere Sachen ein...

Ein echt fieser Augapfel, ein Harley-Davidson-Skelett, Buddha hat Geburtstag und jede Menge Quallen. Unsere Bilder der Woche.

14 Jahre war Thomas Schaaf Trainer bei Werder Bremen – genug Zeit, seinen trockenen Humor in vielen Interviewantworten unter Beweis zu stellen.


Leserkommentare
30.06.2012 02:56 | respect
über den rassismus in den netzwerken und manchen kommentarspalten geschweige denn von diversen blättern kein wort...
29.06.2012 20:33 | Kontra
Am Sonntag im EM Finale wird der spanische Stier die italienische Schlange zertrampeln. Es lebe Spanien!