US-Abgeordneter Barney Frank

Der erste schwule Gatte

Barney Frank gilt als der „einflussreichste schwule US-Politiker“. Nun ist er der erste verheiratete Schwule im Kongress. Seinen Gatten er beim Fundraising kennen.

Barney Frank (l.) und sein Mann James Ready auf dem Verlobungsfoto.  Bild: reuters

Er ist der Erste: Der US-Abgeordnete Barney Frank hat am Samstag seinen Lebenspartner Jim Ready geheiratet – und ist damit das erste schwule Kongressmitglied, das eine Ehe eingeht.

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Diese Rolle kennt Barney Frank schon: 1987 war er auch der erste Abgeordnete, der sich freiwillig zu seinem Schwulsein bekannte. Seither wurde er stets mit dem Superlativ bedacht, der „einflussreichste schwule US-Politiker“ zu sein.

Was zweifellos stimmt: Der 72-jährige Frank sitzt seit Januar 1981 im Repräsentantenhaus, von 2007 bis 2011 war er dort der Vorsitzende des Finanzausschusses. Also war er auch zuständig für die US-Bankenregulierung, die nun nach ihm und seinem Kollegen im Senat benannt ist: Der Dodd-Frank-Act trat im Juli 2010 in Kraft.

Der Einfluss von Frank lässt sich auch ganz hart in Geld messen: Kaum ein Abgeordneter hat so viele Spenden kassiert wie er. Allein im Jahr 2010 waren es rund 4 Millionen Dollar, wie das Center for Responsive Politics ermittelt hat. Fast alle Spenden kamen aus der Finanzindustrie, die ihn bei der Bankenregulierung geneigt stimmen wollte.

Frank ist die Inkarnation eines Berufspolitikers. Nach einem Harvard-Studium zog er bereits im Alter von 32 Jahren ins Parlament von Massachussets ein. Acht Jahre später wechselte er dann nach Washington. Von den Mitarbeitern des Kongresses wurde Frank immer wieder zum „intelligentesten“, „lustigsten“ und „schlagfertigsten“ Politiker gewählt.

Dieser enormen politischen Begabung ist es wohl auch zu verdanken, dass Frank einen angeblichen Sexskandal mühelos überstand. Ein ehemaliger Lover versuchte 1989 seine Beziehung mit Frank meistbietend an die Medien zu verkaufen. In einer klassischen Vorwärtsverteidigung beantragte Frank daraufhin selbst, dass die Ethikkommission des Kongresses den Fall untersucht. Nach elf Monaten umfangreicher Studien kam nicht mehr heraus, als dass Frank sein Abgeordnetenbüro benutzt hatte, um 33 Parkverweise seines Lovers zu bezahlen.

Für einen Berufspolitiker erwartbar, lernte Frank seinen jetzigen Ehemann Jim Ready beim Fundraising kennen. Er ist 30 Jahre jünger und Tischler. Frank wird allerdings nicht mehr lange als erster schwuler Ehemann im Kongress sitzen. Noch vor seiner Heirat hat er angekündigt, dass er bei den Wahlen im November nicht mehr kandidieren wird.

 

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