US-Wahlen bringen Pioniere ins Amt

Sechs neue und ein alter Bekannter

Junge Frauen, Muslima, Ureinwohnerinnen und LGBTQ: Bei den US-Zwischenwahlen gelangen Kandidat:innen in Ämter, die es auf diesen Posten so noch nie gegeben hat.

US Zwischenwahlen: Die demokratische Kandidatin Alexandria Ocasio-Cortez spricht in ein Mikrophon

Die 29-jährige Alexandria Ocasio-Cortez hat den Einzug ins US-Repräsentantenhaus geschafft Foto: reuters

WASHINGTON dpa | Die Zwischenwahlen in den USA haben nicht nur die politischen Kräfteverhältnisse im US-Parlament verschoben. Bei der Abstimmung auf verschiedenen Ebenen haben auch mehrere Politiker:innen Geschichte geschrieben: als „erste Vertreter ihrer Art“ im US-Parlament oder in ihrem Bundesstaat. Eine Auswahl:

Jüngste Frau: Die 29 Jahre alte Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez hat den Einzug ins US-Repräsentantenhaus geschafft – als bislang jüngste Frau überhaupt. Die Einwanderertochter aus der New Yorker Bronx war im Sommer über die USA hinaus bekannt geworden, weil sie völlig überraschend den alteingesessenen Demokraten Joe Crowley, einen der ranghöchsten Demokraten, in einer Vorwahl besiegt hatte.

Ihre ersten politischen Gehversuche unternahm sie als Wahlkampforganisatorin für Senator Bernie Sanders. Sanders, der unabhängige Senator von Vermont, ist ebenfalls für eine dritte Amtszeit in den US-Senat gewählt worden. Der auch international bekannte Politiker setzte sich am Dienstag erwartungsgemäß gegen acht Kandidaten der politischen Konkurrenz durch.

Ocasio-Cortez nennt sich selbst eine „demokratische Sozialistin“ und setzt sich für einen landesweiten Mindestlohn von 15 Dollar sowie eine allgemeine Gesundheitsversorgung ein.

Erste muslimische Frauen: Die beiden Demokratinnen Rashida Tlaib und Ilhan Omar aus den Bundesstaaten Michigan und Minnesota sind die ersten muslimischen Frauen, die ins Repräsentantenhaus einziehen. Die 42 Jahre alte Tlaib stammt aus Detroit, ihre palästinensischen Eltern waren in die USA eingewandert. 2008 war sie als erste Muslima ins Repräsentantenhaus von Michigan gewählt worden. Sie ist Mutter von zwei Kindern.

Die 36 Jahre alte Omar stammt aus Somalia. Ihre Familie floh vor dem Bürgerkrieg in dem ostafrikanischen Land, als sie acht Jahre alt war. Die Familie lebte zunächst in einem Flüchtlingslager in Kenia, bevor sie 1997 in die USA kam. 2016 wurde die Mutter von drei Kindern als erste muslimische Amerikanerin aus Somalia in das Repräsentantenhaus in Minnesota gewählt.

Erste Ureinwohnerinnen: Die beiden Demokratinnen Sharice Davids und Deb Haaland ziehen als erste Ureinwohnerinnen ins US-Repräsentantenhaus ein. Die 38-Jährige Davids ist Juristin und Tochter einer alleinerziehenden Veteranin. Sie ist auch in anderer Hinsicht eine Pionierin: nämlich als erste lesbische Frau aus Kansas und wohl auch als erste Ex-Profi-Kampfsportlerin im US-Kongress.

Die 57 Jahre alte Deb Haaland aus New Mexico ist alleinerziehende Mutter. Auch ihre Eltern waren beim Militär. Die Juristin war bis 2017 Vorsitzende der Demokratischen Partei in ihrem Bundesstaat.

Erster offen schwuler Gouverneur: Der Demokrat Jared Polis rückt als erster schwuler Mann auf einen Gouverneurs-Posten in den USA auf – und zwar in Colorado. Der 43-Jährige hat in der Vergangenheit mehrere Firmen gegründet, darunter einen Handel für Online-Grußkarten. 2009 zog er ins US-Repräsentantenhaus ein. Mit seinem Partner hat Polis zwei Kinder.

Nach der Rückeroberung der Kontrolle über das Repräsentantenhaus durch die Demokraten hat deren Parteiführung zur Geschlossenheit aufgerufen. Die Demokraten würden nach Möglichkeit im Kongress nach dem gemeinsamen Nenner suchen, falls nötig aber standfest bleiben, teilte die Minderheitsführerin in der Kammer, Nancy Pelosi, in der Nacht zum Mittwoch mit. In Amerika breche morgen „ein neuer Tag an“, ergänzte sie. „Danke an alle, die die Zukunft für alle unsere amerikanischen Kinder besser gemacht haben.“

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