Interaktive Whiteboards sind in Schulen der letzte Schrei. Doch gute Einführungen und Lehrmaterial sind rar. Die Technik überfordert viele ältere Lehrer.von Timo Hoffmann
Man kann damit auch M u s i k wunderbar anschaulicher machen, eine barocke Fuge oder eine klassische Symphonie oder ein modernes Stück aus Jazz, Pop Rock u.s.w. kann z. B. damit in verschiedener Hinsicht in seinen Strukturen, mehrfarbig etc. visualisiert und damit zugänglicher und bewusster erfahrbar gemacht werden - wobei die entscheidende Vorarbeit allerdings nicht durch die Tafel selbst zu leisten ist. Ob der hohe Preis dadurch gerechtfertigt ist, weiß ich aber nicht.
21.05.2009 14:47 Uhr
von Studentin:
Ich denke, man kann das Geld für wesentlich sinnvollere Dinge gebrauchen. Die letzten Jahre gings auch ohne.
20.05.2009 21:22 Uhr
von Rupert Röder:
Ein zusätzliches Spielzeug kann immer hilfreich sein, solange es nicht defekt geworden ist und jemand Ideen zur Anwendung hat. Ein gut handhabbare Präsentationsfläche für Videos u.ä. ist sicher auch nützlich, obwohl ein Beamer es auch tut.
Nur befürchte ich, das Entscheidende des Lernens, dass jede/r selbst etwas macht, wird doch eher abgeblockt durch den Akzent auf immer raffiniertere Präsentationsformen und den schönen Schein der präsentierten Perfektion.
Mathematik z.B. ist kein visuelles Fach, wie im Artikel behauptet wird. Sondern in Mathematik hilft eventuell das Zeichnen - bzw. genauer die Idee einer Bemühung, etwas zu zeichnen (wobei zugleich klar ist, dass die Bemühung nicht erfolgreich sein kann, trotz Filmtrick oder Computer!) -, eine abstrakte Vorstellung zu entwickeln. Diese Vorstellungsbildung ist ein innerer Vorgang und kann nicht durch die Perfektion vorgesetzter Bilder ersetzt, ja oft nicht einmal erleichtert werden.
Eine Didaktik, die dies berücksichtigt und dennoch die neuen Medien einsetzt, ist, glaube ich, noch nicht wirklich in Sicht.
20.05.2009 08:46 Uhr
von Maria:
Ich arbeite seit 3 Jahren in einer Schule, die den Luxus offeriert interkative Whiteboards in jedem Klassenraum zu haben. Jede Lehrkraft hat ihren eigenen Laptop mit Software die speziell fuers Unterrichten entwickelt wurde, und ich moechte betonen dass es sich hier NICHT um schnoede Powerpointpraesentationen handelt, es ist wesentlich handlicher und ausgereifter. Die Moeglichkeiten die sich einem hier eroeffnen sind der normalen Tafel in jedem Fall weit ueberlegen: Farben, Bilder, Filme, Internetzugriff, interaktive Spiele und vieles mehr. Klar macht das allein noch nicht einen guten Unterricht aus, aber die Arbeit fuer Schueler wird anschaulicher in vielerlei Hinsicht, und fuer Lehrer bedeutet sie auch eine Arbeitserleichterung. Wer es noch nicht ausprobiert hat kann sich hierzu nur schwer eine fundierte Meinung bilden. Bereitschaft sich mit neuer Technologie auseinanderzusetzn ist allerdings eine Grundvoraussetzung.
20.05.2009 08:08 Uhr
von ab cd:
zitat "schultid": "... dass man die schüler erreicht. der wurm muss dem fisch schmecken ..."
Wozu soll denn der Fisch gebracht werden? Wem muss der Fisch schmecken?
19.05.2009 18:49 Uhr
von grafinger:
Irgendwie ist der Tenor des Artikels "es wäre alles viel besser wenn nur noch "Whiteboards" (früher hiessen die "Smartboards") in den Klassen stehen würden. Und keiner fragt sich, warum auch die progressivsten Pädagogen nicht von der Wandtafel wegkommen. Das "kreidelose Klassenzimmer" ist zwar möglich aber wird nur durch ebensolche Verrenkungen erreicht wie das "papierlose Büro". Als Spielzeug ist das Smartboard zwar ganz nett, aber die hier geschilderten Nachteile ("camera obcura", Frontalfixierung, Abschweifung auf die Technik) sollten nicht übersehen werden. Für den überwiegenden Teil der Unterrichtseinheiten wird das Smartboard einfach wie eine Tafel oder ein Tageslichtprojektor verwendet werden. Und wo bleibt da die Revolution?
19.05.2009 17:08 Uhr
von Reinhard W. Moosdorf:
Hinter dem OLPC XO steckt billige bezahlbare robuste Technik und ein didaktisches Programm, dem die Technik gerecht wird. Warum wird es politisch in Deutschland nicht gefördert? Vielleicht, weil daran keiner verdient? Hinter den Whiteboards, die nur im Frontalunterricht richtig Sinn machen, steckt eine interessante Technik, zu der offenbar jetzt didaktische Programme gesucht werden. Der Cornelsen Verlag hat es im letzten Jahr endlich geschafft, die letzten Mathe-Bücher mit DM-Beispiel-Rechnungen aus dem Vertrieb zu nehmen. Wie lange wird er brauchen, um nur sinnvolle Programme für ein Whiteboard zu entwickeln? Und das ist dann nur der Aufgabentext, noch kein didaktisches Konzept.
Whiteboards können IMHO kaum die Vehikel sein, die eine Bildungs-Wende bringen.
19.05.2009 16:22 Uhr
von Ingrid Gnau:
Bevor man viel Geld für Whiteboards ausgibt, sollte man sich mal die kostengünstige Variante anschauen: http://wiki.zum.de/Wii_als_Whiteboard Das dürfte manchem Firmenvertreter den Wind aus den Segeln nehmen.
19.05.2009 16:07 Uhr
von cornelia:
C.Böckler hat alles Wesentliche gesagt - hinter jedes Medium gehört ein kluger Kopf
19.05.2009 15:35 Uhr
von ...:
Als Schülerin einer 10ten Klasse bezweifle ich das ein Whiteboard den Unterricht in irgend einer Weise interessanter gestalten würde. Ok, in den ersten Stunden würde die Fazination für das neue Gerät wahrscheinlich noch dazu führen, dass man eher mal aufpasst... aber das hält doch nichtmal ein halbes Schuljahr lang an.
Auch die Beispiele für die Verwendung sind eher schwächlich:
- den Satz des Pythagoras verbildlichen: wir haben Schulbücher die doch mehr als genug Bilder davon enthalten, und unser Mathematiklehrer ist kein schlechter Zeichner. Außerdem wird der Satz dadurch auch nicht wirklich interessanter :)
- eigene Spots drehen und vorführen: Wir haben vor nicht allzu langer Zeit in Gruppenarbeit zehnminütige Kurzfilme gedreht und vorgeführt, das ging auch ohne Probleme mit Beamer und Laptop aus der Schule, dazu braucht man auch kein Whiteboard
Ebenso lassen sich Werke in Kunst mit Beamer o.ä. zeigen, und es ist eigentlich noch nie vorgekommen, dass ein Lehrer das Tafelbild der letzten Stunde weiterführen wollte. Und kranke Schüler können ja auch wohl einfach das Heft von einem Freund leihen.
Alles in allem also ein teschnisch hoch interessantes Gerät, für das es allerdings noch keine spezielle Verwendung gibt, mit dem man also nur den Schnickschnack machen kann den man immoment mit den letzten teuren Gerätschaften die sich die Schule angeschafft hat erledigt - oder kurz gesagt: cool, aber nutzlos. Und teuer.
19.05.2009 13:13 Uhr
von schultid:
ja, steigert die inhaltl. qualität, aber wie? grundsätzlich doch dadurch, dass man die schüler erreicht. der wurm muss dem fisch schmecken und nicht dem angler. wäre gut, wenn sich die schule endlich auf die fische einstellen würde ... und mit entsprechenden ruten, den wurm an den fisch brächte. alles eine frage der technik...
19.05.2009 12:37 Uhr
von Chork Autlein:
Das Kostenargument gegen die Whiteboards zieht nicht wirklich, denn Kreidetafeln sind ohnewitz teurer. Und auch das Argument, dass die Schüler eine falsche Schreibhaltung hätten, weil sie nicht mit dem Handballen auf das Board kommen wollen, zählt nicht: Ich kenne keinen Schüler, der beim Schreiben an der Tafel den Handballen auflegt! IMHO lohnt sich die Anschaffung eines interaktiven Whiteboards auch, wenn man es "nur" als Tafelersatz verwendet. (Nein, ich bin nicht finanziell abhängig von Whiteboard-Herstellern.)
19.05.2009 12:31 Uhr
von Schulz:
Das White-Board habe ich schon vor einigen Jahren in Bayern im Erwachsenen-Arbeitslosenweiterbildungsprogramm mit saemtlichen bis dato vorhanden Betriebssystemen und Computerprogrammen (Microsoft) kennengelernt. Tatsache ist, dass es eine sehr einfache Vorstellung eines Wissensstoffes bietet, aber die Lernarbeit am eigenen PC nicht ersetzt, es sind also immer mehrere verschiedenen Lernmethoden zu verknuepfen. Leider hat der Arbeitsmarkt trotzdem keine Verwendung fuer mich, wegen fehlenden Eigenkapitals...
19.05.2009 12:27 Uhr
von Katharina Lange:
Die Einführung des Whiteboards scheint doch eher ein Ablenkungsmanöver von den wirklichen Problemen in den Schulen zu sein als ein Beitrag zu ihrer Lösung. Irgendjemand möchte sich eine goldene Nase verdienen.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß diese Tafeln auf Dauer dem Schulalltag gewachsen sein werden. Da fliegt schon mal etwas durch die Luft, wird gedrängelt, geschubst. Eine herkömmliche Tafel überlebt das.
Abgesehen davon ging ich davon aus, daß wir Energie sparen müßten - oder irre ich mich? Wieviel Energie wird hier verschleudert werden? Sollen die Kinder auch noch vormittags vor flimmernden Kisten sitzen?
Anstatt sich mit solchem Schnickschnack zu befassen, sollten sich die Herren und Damen in den Hochschulen und Ministerien mal mit den wirklichen Fragen der Schulen befassen und sich fragen, wozu erziehen wir die Kinder? Bildung ist doch mehr als reine Wissensvermittlung; sie betrifft den ganzen Menschen.
Warum wird dieses Geld, das ja offensichtlich trotz leerer Kassen vorhanden zu sein scheint, nicht in diejenigen Bereiche, in denen Kinder sich als Menschen angesprochen fühlen, wie Kunst, Musik, Tanz, Spiel und Drama, Einrichtungen von Schulgärten usf. investiert? Das wäre doch eine wirkliche Investition in die Zukunft! Die Kinder würden Fähigkeiten entwickeln, die wir und sie für unser Überleben und unser Menschsein mehr denn ja brauchen. Phantasie, Flexibilität, Rücksichtnahme, Zuhören, Verantwortungsgefühl, Sensibilität für sich und andere..., Liebe zur Natur.
Man könnte das Geld auch für die Förderung der Kinder einsetzen, die möglicherweise die Schule verlassen werden, ohne richtig lesen und schreiben zu können und, und, und..
19.05.2009 12:12 Uhr
von waddiwadell:
Liebe taz-Redakteure, nehmt mal wieder den Günther Anders aus dem Regal. Es bleiben in dem Artikel die offensichtlichen Tatsachen unerwähnt
- dass man bei schönem Wetter den Raum abdunkeln muss, er wird daher zur Camera Obscura.
- die Lampe eines ständig laufenden Beamers belüftet werden muss und der Lüfter geringe Mengen an unbekannten Stoffen in die Raumluft pustet.
- die Schüler nicht mehr kurz mal träumenden aus dem Fenster gucken können. Ich habe das früher sehr gern gemacht und konnte mich danach wieder besser konzentrieren auf den ganzen Schmarrn, der da an der Tafel abging.
19.05.2009 12:09 Uhr
von Michael:
Auf Tafeln schreiben mit Druck und quietschender Kreide, Abrieb und Rieseln, voller Staub und Wasser im Schwamm prägt jedes geschriebene Wort für die Ewigkeit ins Gedächtnis. Es gibt so viele gutgemeinte aber schlecht gemachte Powerpoint-Präsentationen, die ich mir im Repetitorium nicht einprägen konnte, weil die Bilder vielleicht zu lange geplant und entworfen wurden, ohne Intuition vielleicht. Jedes Kreidebild ist miterlebte Handarbeit im Moment der Entstehung. Computer sind nett aber nicht praktischer und zuverlässiger als Faustkeile.
19.05.2009 11:55 Uhr
von Joerg Michel:
Der Inhalt machts! Das interaktive Whiteboard allein macht noch keinen Sommer!
Beste Grüße Joerg Michel / Experte für Whiteboard-Software
19.05.2009 11:35 Uhr
von Steffen:
Unterricht multimedialer zu gestalten ist eine super Sache. Lehrer die es drauf haben die verschiedenen Möglichkeiten interessant miteinander zu kombinieren waren zu meiner Schulzeit leider noch die Ausnahme.
Trotzdem führte zu meiner Zeit schon der einfache Wechsel von der konservativen grünen Tafel zum moderner wirkenden Papier - "Flip-Chart" wie ein Aufmerksamkeits- und Motivationsschub.
Vielleicht sollten die verstaubten Ur-Pädagogen den Stock aus dem Arsch nehmen und sich endlich mal ein wenig flexibel zeigen.
19.05.2009 11:13 Uhr
von C. Böckler:
Ich bin als Lehrer mit der Qualität dieses Artikels ziemlich unzufrieden. Zuerst ein paar Kleinigkeiten.
»Das interaktive Whiteboard ist [...] Informatikraum [...].« Wie kann es ein »Informatik-Raum« sein? Ein solcher Raum zeichnet sich doch dadurch aus, dass annähernd für jeden Schüler ein PC vorhanden ist.
»Während jüngere Pädagogen Whiteboards meist begeistert in ihren Unterricht einbauen [...]« Worauf basiert das »meist«? Studien? Erfahrung? Ich kenne einige junge Informatik-Lehrer, die nicht unbedingt von elektr. Tafeln schwärmen. Die Meinung zu elektr. Tafeln hat weniger mit dem Alter zu tun, als der Artikel glauben machen möchte.
»[...] schreibt ein Pauker auf einer Webseite für Unterrichtsvorbereitung. Das ist der Tonfall der Diskussion.« »Pauker«? Welchen Tonfall hat denn diese Berichterstattung?
»[...] in Mathe den Satz des Pythagoras verbildlichen« Wow, »zweifellos immens«! Ging das früher nicht?!? Ich behaupte, das geht mit einem lichtstarken Beamer in jedem deutschen Klassenzimmer auch ohne zugehörige elektronische Tafel sehr gut (farbig und animiert).
Nun zur Hauptsache: »Der Hintergrund ist simpel: In der Jobwelt gehören Computer zwar seit Jahren zum Alltag. Lehrer über Mitte 40 haben Maus und Monitor hingegen oft noch nie benutzt. Sechs von zehn deutschen Paukern sind über 45.« Wahrhaft simpel diese Erklärung: Lehrer bewegen sich nicht in »der Jobwelt« und sind daher erst vor wenigen Monaten (Jahre können es ja lt. Artikel nicht sein) mit Computern in Berührung gekommen. Und die über 45 Jährigen von ihnen sind nun »oft« so dreist und haben sich in dieser Zeit noch nie vor einen PC gesetzt! Man stelle sich vor: 60% der Lehrer sind über 45! Diese Argumentation ist halt- und bodenlos! (Warum wird gerade hier wieder der Begriff »Pauker« verwendet? Ist diese Metapher nicht eine unterschwellige Verunglimpfung der Lehrtätigkeit, indem sie mit dem Taktgeben auf einer Sklaven-Galere gleichgesetzt wird? Ich denke, das wird dem Anspruch des Berufes bei weitem nicht gerecht.)
Der Artikel arbeitet leider den Mehrwert einer elektronischen Tafel ggü. Tafel und Beamer nicht genügend heraus! Zu oft werden nur Dinge herangezogen, die mit den zweitgenannten Medien schon seit vielen Jahren möglich und (mehr oder weniger) üblich sind. Implizit wird die Hoffnung geweckt, technische Lösungen würden den Unterricht verbessern.
Ich denke allerdings, dass nicht zusätzliche Technik die Schule verbessern hilft, sondern eine deutliche Entlastung der Lehrer. Die Motivation der Schüler kommt nicht aus der Technik, sondern aus dem Realitätsbezug des dargebotenen Materials. Und diesen authentisch herzustellen ist keine leichte Aufgabe.
»Good technology is only 10% of success.« (Rick Cattell)
19.05.2009 09:46 Uhr
von Gerd Merseberger:
Ich finde es schade, wenn ein Lehrwerkzeug so in den Vordergrund gestellt wird. Ich quäle mich im Berufsleben durch viele Powerpoint-Präsentationen, die häufig knallhart und frontal an den Mann und an die Frau gebracht werden. Das sollte man nicht auch noch den Schülerinen und Schülern zumuten. Gute Wissensvermittlung geschieht durch Methodenvielfalt und zur Not geht das sogar ohne Tafel, außerhalb eines Klassenraums. Ich denke noch an die Zeit der Sprachlabore zurück, die ähnlich wie die digitale Tafel als Non-plus-ultra schmackhaft gemacht werden sollte. Jahre später vergammelte die teure Technik, weil sie häufig defekt und die Reparatur nicht im Budget vorgesehen war. Die ersten Probleme der digitalen Tafel wurden ja schon im Artikel beleuchtet. Mit anderen Worten: Steigert die inhaltliche Qualität im Unterricht, nicht die technische.
Leserkommentare
23.05.2009 02:04 Uhr
von Maiblume:
Man kann damit auch M u s i k wunderbar anschaulicher machen, eine barocke Fuge oder eine klassische Symphonie oder ein modernes Stück aus Jazz, Pop Rock u.s.w. kann z. B. damit in verschiedener Hinsicht in seinen Strukturen, mehrfarbig etc. visualisiert und damit zugänglicher und bewusster erfahrbar gemacht werden - wobei die entscheidende Vorarbeit allerdings nicht durch die Tafel selbst zu leisten ist. Ob der hohe Preis dadurch gerechtfertigt ist, weiß ich aber nicht.
21.05.2009 14:47 Uhr
von Studentin:
Ich denke, man kann das Geld für wesentlich sinnvollere Dinge gebrauchen. Die letzten Jahre gings auch ohne.
20.05.2009 21:22 Uhr
von Rupert Röder:
Ein zusätzliches Spielzeug kann immer hilfreich sein, solange es nicht defekt geworden ist und jemand Ideen zur Anwendung hat. Ein gut handhabbare Präsentationsfläche für Videos u.ä. ist sicher auch nützlich, obwohl ein Beamer es auch tut.
Nur befürchte ich, das Entscheidende des Lernens, dass jede/r selbst etwas macht, wird doch eher abgeblockt durch den Akzent auf immer raffiniertere Präsentationsformen und den schönen Schein der präsentierten Perfektion.
Mathematik z.B. ist kein visuelles Fach, wie im Artikel behauptet wird. Sondern in Mathematik hilft eventuell das Zeichnen - bzw. genauer die Idee einer Bemühung, etwas zu zeichnen (wobei zugleich klar ist, dass die Bemühung nicht erfolgreich sein kann, trotz Filmtrick oder Computer!) -, eine abstrakte Vorstellung zu entwickeln. Diese Vorstellungsbildung ist ein innerer Vorgang und kann nicht durch die Perfektion vorgesetzter Bilder ersetzt, ja oft nicht einmal erleichtert werden.
Eine Didaktik, die dies berücksichtigt und dennoch die neuen Medien einsetzt, ist, glaube ich, noch nicht wirklich in Sicht.
20.05.2009 08:46 Uhr
von Maria:
Ich arbeite seit 3 Jahren in einer Schule, die den Luxus offeriert interkative Whiteboards in jedem Klassenraum zu haben. Jede Lehrkraft hat ihren eigenen Laptop mit Software die speziell fuers Unterrichten entwickelt wurde, und ich moechte betonen dass es sich hier NICHT um schnoede Powerpointpraesentationen handelt, es ist wesentlich handlicher und ausgereifter. Die Moeglichkeiten die sich einem hier eroeffnen sind der normalen Tafel in jedem Fall weit ueberlegen: Farben, Bilder, Filme, Internetzugriff, interaktive Spiele und vieles mehr. Klar macht das allein noch nicht einen guten Unterricht aus, aber die Arbeit fuer Schueler wird anschaulicher in vielerlei Hinsicht, und fuer Lehrer bedeutet sie auch eine Arbeitserleichterung. Wer es noch nicht ausprobiert hat kann sich hierzu nur schwer eine fundierte Meinung bilden. Bereitschaft sich mit neuer Technologie auseinanderzusetzn ist allerdings eine Grundvoraussetzung.
20.05.2009 08:08 Uhr
von ab cd:
zitat "schultid":
"... dass man die schüler erreicht. der wurm muss dem fisch schmecken ..."
Wozu soll denn der Fisch gebracht werden? Wem muss der Fisch schmecken?
19.05.2009 18:49 Uhr
von grafinger:
Irgendwie ist der Tenor des Artikels "es wäre alles viel besser wenn nur noch "Whiteboards" (früher hiessen die "Smartboards") in den Klassen stehen würden.
Und keiner fragt sich, warum auch die progressivsten Pädagogen nicht von der Wandtafel wegkommen.
Das "kreidelose Klassenzimmer" ist zwar möglich aber wird nur durch ebensolche Verrenkungen erreicht wie das "papierlose Büro".
Als Spielzeug ist das Smartboard zwar ganz nett, aber die hier geschilderten Nachteile ("camera obcura", Frontalfixierung, Abschweifung auf die Technik) sollten nicht übersehen werden. Für den überwiegenden Teil der Unterrichtseinheiten wird das Smartboard einfach wie eine Tafel oder ein Tageslichtprojektor verwendet werden. Und wo bleibt da die Revolution?
19.05.2009 17:08 Uhr
von Reinhard W. Moosdorf:
Hinter dem OLPC XO steckt billige bezahlbare robuste Technik und ein didaktisches Programm, dem die Technik gerecht wird.
Warum wird es politisch in Deutschland nicht gefördert? Vielleicht, weil daran keiner verdient?
Hinter den Whiteboards, die nur im Frontalunterricht richtig Sinn machen, steckt eine interessante Technik, zu der offenbar jetzt didaktische Programme gesucht werden.
Der Cornelsen Verlag hat es im letzten Jahr endlich geschafft, die letzten Mathe-Bücher mit DM-Beispiel-Rechnungen aus dem Vertrieb zu nehmen. Wie lange wird er brauchen, um nur sinnvolle Programme für ein Whiteboard zu entwickeln? Und das ist dann nur der Aufgabentext, noch kein didaktisches Konzept.
Whiteboards können IMHO kaum die Vehikel sein, die eine Bildungs-Wende bringen.
19.05.2009 16:22 Uhr
von Ingrid Gnau:
Bevor man viel Geld für Whiteboards ausgibt, sollte man sich mal die kostengünstige Variante anschauen: http://wiki.zum.de/Wii_als_Whiteboard
Das dürfte manchem Firmenvertreter den Wind aus den Segeln nehmen.
19.05.2009 16:07 Uhr
von cornelia:
C.Böckler hat alles Wesentliche gesagt -
hinter jedes Medium gehört ein kluger Kopf
19.05.2009 15:35 Uhr
von ...:
Als Schülerin einer 10ten Klasse bezweifle ich das ein Whiteboard den Unterricht in irgend einer Weise interessanter gestalten würde. Ok, in den ersten Stunden würde die Fazination für das neue Gerät wahrscheinlich noch dazu führen, dass man eher mal aufpasst... aber das hält doch nichtmal ein halbes Schuljahr lang an.
Auch die Beispiele für die Verwendung sind eher schwächlich:
- den Satz des Pythagoras verbildlichen: wir haben Schulbücher die doch mehr als genug Bilder davon enthalten, und unser Mathematiklehrer ist kein schlechter Zeichner. Außerdem wird der Satz dadurch auch nicht wirklich interessanter :)
- eigene Spots drehen und vorführen: Wir haben vor nicht allzu langer Zeit in Gruppenarbeit zehnminütige Kurzfilme gedreht und vorgeführt, das ging auch ohne Probleme mit Beamer und Laptop aus der Schule, dazu braucht man auch kein Whiteboard
Ebenso lassen sich Werke in Kunst mit Beamer o.ä. zeigen, und es ist eigentlich noch nie vorgekommen, dass ein Lehrer das Tafelbild der letzten Stunde weiterführen wollte. Und kranke Schüler können ja auch wohl einfach das Heft von einem Freund leihen.
Alles in allem also ein teschnisch hoch interessantes Gerät, für das es allerdings noch keine spezielle Verwendung gibt, mit dem man also nur den Schnickschnack machen kann den man immoment mit den letzten teuren Gerätschaften die sich die Schule angeschafft hat erledigt - oder kurz gesagt: cool, aber nutzlos. Und teuer.
19.05.2009 13:13 Uhr
von schultid:
ja, steigert die inhaltl. qualität, aber wie?
grundsätzlich doch dadurch, dass man die schüler erreicht. der wurm muss dem fisch schmecken und nicht dem angler. wäre gut, wenn sich die schule endlich auf die fische einstellen würde ... und mit entsprechenden ruten, den wurm an den fisch brächte. alles eine frage der technik...
19.05.2009 12:37 Uhr
von Chork Autlein:
Das Kostenargument gegen die Whiteboards zieht nicht wirklich, denn Kreidetafeln sind ohnewitz teurer. Und auch das Argument, dass die Schüler eine falsche Schreibhaltung hätten, weil sie nicht mit dem Handballen auf das Board kommen wollen, zählt nicht: Ich kenne keinen Schüler, der beim Schreiben an der Tafel den Handballen auflegt! IMHO lohnt sich die Anschaffung eines interaktiven Whiteboards auch, wenn man es "nur" als Tafelersatz verwendet. (Nein, ich bin nicht finanziell abhängig von Whiteboard-Herstellern.)
19.05.2009 12:31 Uhr
von Schulz:
Das White-Board habe ich schon vor einigen Jahren in Bayern im Erwachsenen-Arbeitslosenweiterbildungsprogramm mit saemtlichen bis dato vorhanden Betriebssystemen und Computerprogrammen (Microsoft) kennengelernt.
Tatsache ist, dass es eine sehr einfache Vorstellung eines Wissensstoffes bietet, aber die Lernarbeit am eigenen PC nicht ersetzt, es sind also immer mehrere verschiedenen Lernmethoden zu verknuepfen. Leider hat der Arbeitsmarkt trotzdem keine Verwendung fuer mich, wegen fehlenden Eigenkapitals...
19.05.2009 12:27 Uhr
von Katharina Lange:
Die Einführung des Whiteboards scheint doch eher ein Ablenkungsmanöver von den wirklichen Problemen in den Schulen zu sein als ein Beitrag zu ihrer Lösung. Irgendjemand möchte sich eine goldene Nase verdienen.
Ich kann mir auch nicht vorstellen, daß diese Tafeln auf Dauer dem Schulalltag gewachsen sein werden. Da fliegt schon mal etwas durch die Luft, wird gedrängelt, geschubst. Eine herkömmliche Tafel überlebt das.
Abgesehen davon ging ich davon aus, daß wir Energie sparen müßten - oder irre ich mich? Wieviel Energie wird hier verschleudert werden? Sollen die Kinder auch noch vormittags vor flimmernden Kisten sitzen?
Anstatt sich mit solchem Schnickschnack zu befassen, sollten sich die Herren und Damen in den Hochschulen und Ministerien mal mit den wirklichen Fragen der Schulen befassen und sich fragen, wozu erziehen wir die Kinder? Bildung ist doch mehr als reine Wissensvermittlung; sie betrifft den ganzen Menschen.
Warum wird dieses Geld, das ja offensichtlich trotz leerer Kassen vorhanden zu sein scheint, nicht in diejenigen Bereiche, in denen Kinder sich als Menschen angesprochen fühlen, wie Kunst, Musik, Tanz, Spiel und Drama, Einrichtungen von Schulgärten usf. investiert? Das wäre doch eine wirkliche Investition in die Zukunft! Die Kinder würden Fähigkeiten entwickeln, die wir und sie für unser Überleben und unser Menschsein mehr denn ja brauchen. Phantasie, Flexibilität, Rücksichtnahme, Zuhören, Verantwortungsgefühl, Sensibilität für sich und andere..., Liebe zur Natur.
Man könnte das Geld auch für die Förderung der Kinder einsetzen, die möglicherweise die Schule verlassen werden, ohne richtig lesen und schreiben zu können und, und, und..
19.05.2009 12:12 Uhr
von waddiwadell:
Liebe taz-Redakteure, nehmt mal wieder den Günther Anders aus dem Regal. Es bleiben in dem Artikel die offensichtlichen Tatsachen unerwähnt
- dass man bei schönem Wetter den Raum abdunkeln muss, er wird daher zur Camera Obscura.
- die Lampe eines ständig laufenden Beamers belüftet werden muss und der Lüfter geringe Mengen an unbekannten Stoffen in die Raumluft pustet.
- die Schüler nicht mehr kurz mal träumenden aus dem Fenster gucken können. Ich habe das früher sehr gern gemacht und konnte mich danach wieder besser konzentrieren auf den ganzen Schmarrn, der da an der Tafel abging.
19.05.2009 12:09 Uhr
von Michael:
Auf Tafeln schreiben mit Druck und quietschender Kreide, Abrieb und Rieseln, voller Staub und Wasser im Schwamm prägt jedes geschriebene Wort für die Ewigkeit ins Gedächtnis. Es gibt so viele gutgemeinte aber schlecht gemachte Powerpoint-Präsentationen, die ich mir im Repetitorium nicht einprägen konnte, weil die Bilder vielleicht zu lange geplant und entworfen wurden, ohne Intuition vielleicht. Jedes Kreidebild ist miterlebte Handarbeit im Moment der Entstehung. Computer sind nett aber nicht praktischer und zuverlässiger als Faustkeile.
19.05.2009 11:55 Uhr
von Joerg Michel:
Der Inhalt machts! Das interaktive Whiteboard allein macht noch keinen Sommer!
Beste Grüße Joerg Michel / Experte für Whiteboard-Software
19.05.2009 11:35 Uhr
von Steffen:
Unterricht multimedialer zu gestalten ist eine super Sache. Lehrer die es drauf haben die verschiedenen Möglichkeiten interessant miteinander zu kombinieren waren zu meiner Schulzeit leider noch die Ausnahme.
Trotzdem führte zu meiner Zeit schon der einfache Wechsel von der konservativen grünen Tafel zum moderner wirkenden Papier - "Flip-Chart" wie ein Aufmerksamkeits- und Motivationsschub.
Vielleicht sollten die verstaubten Ur-Pädagogen den Stock aus dem Arsch nehmen und sich endlich mal ein wenig flexibel zeigen.
19.05.2009 11:13 Uhr
von C. Böckler:
Ich bin als Lehrer mit der Qualität dieses Artikels ziemlich unzufrieden. Zuerst ein paar Kleinigkeiten.
»Das interaktive Whiteboard ist [...] Informatikraum [...].«
Wie kann es ein »Informatik-Raum« sein?
Ein solcher Raum zeichnet sich doch dadurch aus, dass annähernd für jeden Schüler ein PC vorhanden ist.
»Während jüngere Pädagogen Whiteboards meist begeistert in ihren Unterricht einbauen [...]«
Worauf basiert das »meist«? Studien? Erfahrung?
Ich kenne einige junge Informatik-Lehrer, die nicht unbedingt von elektr. Tafeln schwärmen.
Die Meinung zu elektr. Tafeln hat weniger mit dem Alter zu tun, als der Artikel glauben machen möchte.
»[...] schreibt ein Pauker auf einer Webseite für Unterrichtsvorbereitung. Das ist der Tonfall der Diskussion.«
»Pauker«? Welchen Tonfall hat denn diese Berichterstattung?
»[...] in Mathe den Satz des Pythagoras verbildlichen«
Wow, »zweifellos immens«! Ging das früher nicht?!?
Ich behaupte, das geht mit einem lichtstarken Beamer in jedem deutschen Klassenzimmer auch ohne zugehörige elektronische Tafel sehr gut (farbig und animiert).
Nun zur Hauptsache:
»Der Hintergrund ist simpel: In der Jobwelt gehören Computer zwar seit Jahren zum Alltag. Lehrer über Mitte 40 haben Maus und Monitor hingegen oft noch nie benutzt. Sechs von zehn deutschen Paukern sind über 45.«
Wahrhaft simpel diese Erklärung:
Lehrer bewegen sich nicht in »der Jobwelt« und sind daher erst vor wenigen Monaten (Jahre können es ja lt. Artikel nicht sein) mit Computern in Berührung gekommen. Und die über 45 Jährigen von ihnen sind nun »oft« so dreist und haben sich in dieser Zeit noch nie vor einen PC gesetzt! Man stelle sich vor: 60% der Lehrer sind über 45!
Diese Argumentation ist halt- und bodenlos!
(Warum wird gerade hier wieder der Begriff »Pauker« verwendet? Ist diese Metapher nicht eine unterschwellige Verunglimpfung der Lehrtätigkeit, indem sie mit dem Taktgeben auf einer Sklaven-Galere gleichgesetzt wird? Ich denke, das wird dem Anspruch des Berufes bei weitem nicht gerecht.)
Der Artikel arbeitet leider den Mehrwert einer elektronischen Tafel ggü. Tafel und Beamer nicht genügend heraus! Zu oft werden nur Dinge herangezogen, die mit den zweitgenannten Medien schon seit vielen Jahren möglich und (mehr oder weniger) üblich sind.
Implizit wird die Hoffnung geweckt, technische Lösungen würden den Unterricht verbessern.
Ich denke allerdings, dass nicht zusätzliche Technik die Schule verbessern hilft, sondern eine deutliche Entlastung der Lehrer.
Die Motivation der Schüler kommt nicht aus der Technik, sondern aus dem Realitätsbezug des dargebotenen Materials. Und diesen authentisch herzustellen ist keine leichte Aufgabe.
»Good technology is only 10% of success.« (Rick Cattell)
19.05.2009 09:46 Uhr
von Gerd Merseberger:
Ich finde es schade, wenn ein Lehrwerkzeug so in den Vordergrund gestellt wird. Ich quäle mich im Berufsleben durch viele Powerpoint-Präsentationen, die häufig knallhart und frontal an den Mann und an die Frau gebracht werden. Das sollte man nicht auch noch den Schülerinen und Schülern zumuten. Gute Wissensvermittlung geschieht durch Methodenvielfalt und zur Not geht das sogar ohne Tafel, außerhalb eines Klassenraums. Ich denke noch an die Zeit der Sprachlabore zurück, die ähnlich wie die digitale Tafel als Non-plus-ultra schmackhaft gemacht werden sollte. Jahre später vergammelte die teure Technik, weil sie häufig defekt und die Reparatur nicht im Budget vorgesehen war. Die ersten Probleme der digitalen Tafel wurden ja schon im Artikel beleuchtet.
Mit anderen Worten: Steigert die inhaltliche Qualität im Unterricht, nicht die technische.