#2 Zahlen mit Bitcoins

Anonym Bezahlen

NutzerInnen haben ab sofort die Möglichkeit, unser taz-zahl-ich-Projekt anonym zu unterstützen – mit Bitcoins.

Das Ungreifbare greifbar machen: Bitcoin in der analogen Variante Bild: Reuters

Bitcoin ist eine seit 2009 existierende digitale Währung, mit der man transnational bezahlen kann – vorausgesetzt man ist Mitglied des dezentralen Bitcoin-Netzwerkes, mit dem die Geldeinheiten von TeilnehmerIn zu TeilnehmerIn transferiert werden können. Dank einer besonderen Verschlüsselungstechnik wird dabei eine sehr hohe Anonymität gewährleistet. Der virtuelle Marktplatz Silk Road und dessen Schließung durch die US-Bundespolizei FBI im Oktober 2013 hat die Währung ins dunkle Licht krimineller Machenschaften gerückt. Wo niemand den Kauf nachverfolgen kann, sprießen illegale Geschäfte – die Bandbreite auf Silk Road reichte von Drogen bis zum Auftragsmord. Gerade in Zeiten einer nie dagewesenen Aufzeichnung und Verwertung von Daten und persönlichen Informationen ist der Wunsch nach Anonymität im Netz aber mehr als nachvollziehbar.

Bitcoins sind – ein bisschen so wie Bargeld – nicht per se böse: Man kann Gutes oder Böses damit machen. Trotz aller Dunkel- und Spekulationsgeschäfte, die den Ruf der digitalen Währung schmälern, steht für die taz ein entscheidender Vorteil beim Experiment Bitcoin im Mittelpunkt: NutzerInnen bekommen die Möglichkeit, uns anonym zu unterstützen.

Digitales Goldschürfen

Bitcoins sind Datenpakete und werden durch komplexe Rechenvorgänge an leistungsstarken Computern erzeugt. Dieser Prozess wird als „Mining” bezeichnet. Als Vorbild gilt die Goldmünze. So wie das globale Vorkommen in den Goldminen begrenzt ist, ist auch die Menge aller Bitcoins endlich und durch die Programmierer auf 21 Millionen festgesetzt. Bis heute ist nicht aufgeklärt, wer hinter der digitalen Entstehungsgeschichte der Bitcoins steht. Zwar hat das Newsweek-Magazin im März 2014 nach eigenen Angaben die Identität des Erfinders aufgedeckt, der in Kalifornien lebende 64-jährige Physiker Satoshi Nakamoto selbst jedoch hat jede Beteiligung an der Schöpfung dementiert.

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Bitcoins können an speziellen Börsen gekauft und verkauft werden. Mittlerweile akzeptieren nicht nur einige Shops im Internet Bitcoins als Währung, auch in immer mehr Straßenläden lässt sich mit Bitcoins bezahlen. Eine Übersicht an kleineren Läden findet man zum Beispiel bei Coinmap, speziell für Berlin kann man im Bitcoinkiez auf die Suche nach Bars oder Restaurants gehen, die Bitcoins akzeptieren. Zum Empfang der Bitcoins wird ein sogenanntes Wallet genutzt, eine Art elektronische Brieftasche. Dies kann ein auf dem Handy/PC installierter Client sein, aber auch ein Wallet bei einem Online-Anbieter. Um zu bezahlen, überweist man den gewünschten Betrag an die Bitcoin-Adresse des Empfängers – Banken sind bei dieser Überweisung nicht im Spiel.

Alternative Währung oder unkontrolliertes Zahlungsmittel?

Die Finanzkrise hat das Vertrauen in Banken und Geldinstitutionen nachhaltig zerbröselt. Die Grundidee der digitalen Währung setzt hier an: Bitcoins sollen einen von Regierungen und Banken unabhängigen Zahlungsverkehr etablieren, der anonyme Transaktionen im Netz ermöglicht und dabei ohne Geldinstitute und Finanzbehörden auskommt.

Mehr Informationen und eine Anleitung zum Eintritt in die Bitcoin-Welt liefert die Seite bitcoin.org.

Während manche darin eine echte Alternative zum bestehenden Zahlungsverkehr erkennen, gibt anderen diese Entwicklung Anlass zur Sorge, vor allem weil sich ein reger Handel um die Währung entwickelt hat. Bitcoins sind hochspekulativ, schwanken dramatisch im Kurs und entwickeln sich ohne staatliche Kontrollen zur gefährlichen Blase – so die kritischen Stimmen.

Anonymität im Netz

Zahlungen per Bitcoins werden über kryptografische Adressen abgewickelt, man hinterlässt also kaum Spuren, anders als bei Kreditkartenzahlungen. Die bürgerliche Identität der NutzerInnen bleibt geschützt, persönliche Angaben sind nicht notwendig. Eine hundertprozentige Anonymität ist aber nicht gegeben, da die Verknüpfung von Bitcoinadressen mit identifizierenden Informationen prinzipiell und technisch (etwa nachrichtendienstlich) möglich ist.

Ilija Matusko, 34, Sitemanager bei der taz