Der VfB Lübeck ist nach überstandenem Insolvenzverfahren schon wieder in ernsten Schwierigkeiten. Daran ändert auch ein 1:0-Sieg gegen den Nachwuchs des Wolfsburg nichts.von Roger Repplinger

Hat auch schon bessere Tage gesehen: Das Stadion an der Lübecker Lohmühle. Bild: dpa
LÜBECK taz | „Früher war ’ne halbe Stunde vor dem Spiel voll hier“, sagt der Mann in der Stadiongaststätte des VfB Lübeck. „Na ja,“, sagt der andere Gast, der wie der erste allein an einem Tisch sitzt, „voll nich.“ Pause. „Nee“, sagt der erste, „voll nich, aber mehr.“ Pause. „Jo“, sagt der Zweite und bestellt ein Bier. „Und Zuschauer auch“, sagt der Erste und guckt in die leere Lohmühle. Der andere trinkt einen Schluck und sagt dann: „Jo.“ Lange Pause. „Keiner da“, sagt dann der Erste. „Nee“, sagt der andere. „Nur wir“, sagt der Erste. Pause. „Jo“, sagt der Zweite. Der Mann, der im Restaurant des VfB Lübeck vor dem Spiel gegen die Zweite Mannschaft des VfL Wolfsburg die stark riechenden Mettbrötchen verkauft, die Buletten und die Käsebrötchen, macht die Herdplatte unter dem Topf mit den Würstchen nicht an. „Für wen?“, fragt er.
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In der Regionalliga Nord war der VfB Lübeck vor diesem Spieltag nur deshalb nicht Letzter, weil dem SV Wilhelmshaven sechs Punkte abgezogen wurden. Dann legt Lübeck ein gutes Spiel hin. Das 1:0 gegen Wolfsburg macht vor 950 Zuschauern in der 43. Spielminute der quirlige Stürmer Sebastian Hauck, der erst an die Latte schießt, dann den Abpraller mit dem Kopf verwandelt. Vorarbeit: Nedim Hasanbegović und Qualid Mokhtari.
Die Situation des VfB Lübeck ist schwierig, das Insolvenzverfahren seit 2010 abgeschlossen. Altlasten schleppt der Verein weiter mit sich herum. Der Vorstand, der den VfB in ruhigeres wirtschaftliches Fahrwasser führen wollte, die Gräben im Verein überbrücken, das negative Image verbessern und erfolgreichen Leistungsfußball mit eigenen Nachwuchskickern entwickeln, veröffentlichte einen Tag vor dem Spiel eine Pressemitteilung, in der es heißt: „Nach einer Amtszeit von nun 22 Monaten müssen wir kritisch festhalten, dass wir die genannten Ziele nicht erreicht haben. Wir sind darüber hinaus der Überzeugung, diese Ziele auch in naher Zukunft unter den gegebenen aktuellen Rahmenbedingungen nicht zu erreichen.“
Konsequenzen: Die Vorstände Holger Leu und Uwe Walter stehen nach Ende ihrer Amtszeit Ende 2013 als Vorstand nicht mehr zur Verfügung. Plädiert wird für einen „echten Neustart“, personell und konzeptionell.
Der Aufsichtsrat, so dessen Vorsitzender Wolfgang Piest, wird „konkrete Vorschläge für einen Neuanfang entwickeln“. Piest versteht die Pressemitteilung des Vorstands als Appell an „alle Gruppen und Individuen, die dem VfB Lübeck nahe stehen, jetzt aus der Deckung zu kommen und zu helfen“. Die Frage ist: Gibt es die? Piest: „Da sind wir nicht sicher.“ Aufsichtsrat und Vorstand des VfB sind sich einig, dass der Erhalt der Regionalliga nicht „vor dem Erhalt des Vereins steht“. Es kann sein, dass der VfB die Regionalliga opfern muss, um sich zu retten. „Die Saison trägt sich nicht“, sagt Piest und rechnet: „Bei den Zuschauern, die heute im Stadion sind, decken die Tageseinnahmen nicht die Ausgaben für den Sicherheitsdienst.“
Große, finanzstarke Unterstützer des VfB fehlen. So denkt der Aufsichtsrat auch über unpopuläre Schritte nach: kurzfristige, was diese Saison anbelangt, mittelfristige, was die Liga anbelangt. Piest nimmt schon mal das Wort „Verbandsliga“ in den Mund, um zu schmecken, wie sich das anfühlt. In dieser Woche wird Piest die Zahlen, die der Vorstand vorgelegt hat, prüfen. Noch kennt er sie nicht. Dann werden die Aufsichtsräte überlegen, dann mit Leu und Walter sprechen. „Wir dürfen uns von einem Spiel, wenn die Sonne scheint und die Mannschaft gut ist, nicht blenden lassen“, sagt Piest.
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Leserkommentare
24.09.2012 14:48 | kimba
Vielleicht sollte sich "unser" Präsident mal die Frage stellen,warum so wenig Leute/Fans kommen.Denn eins ist ja fast siche ...