Merkel als Wahlkampfhelferin? Für Stuttgarts OB-Kandidat Turner endete das Experiment im Pfeifkonzert. Er selbst will 3.000 Fans gesehen haben. von Philipp Niedring

Dank Turners Wahlkampfveranstaltung und seiner Facebook-Seite hat der Begriff „Jubel“ eine völlig neue Bedeutung. Bild:
Am Sonntag wählt Stuttgart einen neuen Oberbürgermeister. Seit dem Debakel bei der Landtagswahl im März 2011 fürchtet die CDU nichts mehr als einen erneuten Sieg der Grünen im Ländle.
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Wie groß diese Angst tatsächlich ist, zeigte sich am 12. Oktober bei dem legendären Wahlkampfauftritt ihres „parteilosen“ Spitzenkandidaten Sebastian Turner am Stuttgarter Marktplatz. Anlässlich dieses weltpolitischen Ereignisses reiste die Bundeskanzlerin extra an, um den 46-Jährigen Werbefachmann bei der Wählermobilisierung zu unterstützen.
Ob das eine gute Idee war? Man muss kein Meinungsforscher sein, um zu erahnen, dass die verbliebenen S21-Gegner der Kanzlerin eher Verachtung als Verehrung entgegenbringen, sobald sie sich in die Höhle des Löwen begibt. Von daher verwundert es auch kaum, dass die Publikumsreaktionen auf Turners Rede vielmehr an eine wütende Protest- als an eine fröhliche Wahlkampfveranstaltung erinnerten.
Doch statt sich die Niederlage einzugestehen, ließ Turner auf seiner Facebook-Seite stolz verkünden, dass mehr als 3.000 Menschen die Reden des OB-Kandidaten in Anwesenheit der Kanzlerin bejubelten.
Bejubelten? Ein aufgebrachter Stuttgarter ließ sich von diesem Akt vorsätzlicher Faktenverdrehung nicht beirren und veröffentlichte daraufhin ein Wutvideo auf Youtube, dass Turners Balzverhalten um die Wählergunst als platte Politpropaganda entlarvt.
In diesem Video geht Turners Rechnung insofern auf, als dass sich dank seiner prominenten Supporterin eine beachtliche Menschentraube zu seiner Ansprache versammelt hatte. Von fehlenden Emotionen kann da auch keine Rede sein – zumindest nicht aus Sicht der S21-Gegner mit Trillerpfeife und Protestplakat, die gefühlte 99 Prozent des Publikums ausmachten. Es ist eine traurige Ironie, dass Turners Rede dank Merkel schließlich in einer fünfminütigem Diss-Orgie aus frenetischen Buhrufen unterging.
Auf die Frage nach dem Motiv antwortete Dietmar aka DeeGee aka ifaeeafiifyd, der das Video auf Youtube hochlud, der taz: „Ich bin kein Parteimitglied oder Wahlkampfhelfer und wollte den Clip rein aus Empörung über den – für Stuttgarter Verhältnisse auf jeden Fall beispiellosen – Schmähwahlkampf dieses vorgeblich unabhängigen Kandidaten veröffentlicht sehen“.
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Leserkommentare
22.10.2012 01:42 | K. Neumann
Ja, so muss es gewesen sein. Der Zugriff der Politik ...
21.10.2012 15:19 | Ulrich Frank
Die Unterdrückung dieses Wahlveranstaltungs-Debakels hat System - auch im "öffentlich"-rechtlichen Bereich. In den SWR-Nach ...
21.10.2012 10:32 | zalog
@ aufmerksamer Stuttgarter ...