Vor der Parlamentswahl in Malaysia

Ein Clown gegen den Rest

Am Mittwoch wird in Malaysia gewählt. Premier Najib Razak ist diskreditiert. Die Wut auf ihn sorgt für ungewöhnliche Allianzen.

Ein junger Mann mit langen Haaren, Brille und Baskenmütze hält ein Bild in die Kamera.

Der Künstler Fahmi Reza und sein „Clown“-Aufkleber, der auf den korrupten Premier gemünzt ist Foto: Michael Lenz

KUALA LUMPUR taz | Für den Künstler Fahmi Reza ist der malaysische Premierminister Najib Razak ein Clown. Milliarden Dollar sind aus dem Staatsfonds 1MDB verschwunden, doch 700 Millionen davon tauchten auf Najibs Privatkonto auf. In fünf Ländern ermittelt die Justiz, in Malaysia aber stellte der Generalstaatsanwalt dem Premier- und Finanzminister Najib einen Persilschein aus.

„Ich war fassungslos“, erzählt Fahmi beim Kaffee am Hauptbahnhof von Kuala Lumpur. „Das ist ein Zirkus und eine Rechtfertigung der Korruption.“ Fahmi malte Najib auf einem Foto ein Clownsgesicht und stellte es online. Darauf wurde er verhaftet, angeklagt und zu einem Monat Gefängnis und umgerechnet 6.400 Euro Geldstrafe verurteilt. „Mein Clown wurde erst durch die Überreaktion der Regierung so richtig populär“, schmunzelt der 41 Jahre alte Malaie mit den langen Haaren und der Baskenmütze.

Zum Aktionspreis ist jetzt vor der Parlamentswahl am Mittwoch auch das lustige Spiel „Kleptopoly“ einer Antikorruptionsorganisation zu haben. Das Spiel ist jedoch wie die T-Shirts, Schulhefte und Aufkleber mit Fahmis Clown nur im Internet zu haben. Kein Laden würde sich trauen, die Politsatire ins Sortiment zu nehmen

Im multiethnischen Malaysia genießen die muslimischen Malaien politische und wirtschaftliche Privilegien gegenüber den chinesisch- und indischstämmigen Minderheiten. Zwar regiert die Umno als Partei der Malaien zusammen mit kleinen ethnischen Parteien in einer Regierungskoalition. Aber alle wichtigen Posten in Regierung, Verwaltung, Justiz, Polizei und Armee sind mit Umno-Leuten besetzt.

Die Regierungspartei setzt auf die Spaltung der Gesellschaft

Mit der Spaltung der Gesellschaft in Muslime und Nichtmuslime hofft die Umno ihre konservative malaiisch-muslimische Wählerbasis bei der Stange zu halten. „In meiner Jugend waren Essenseinladungen bei chinesischen oder indischen Freunden normal“, erzählt Fahmi. „Doch heute halten manche malaiische Eltern ihre Kinder davon ab, bei ihren nichtmalaiischen Freunden zu essen.“

Die multiethnische Oppositionskoalition Pakatan Harapan (Allianz der Hoffnung) geht jetzt mit dem inzwischen 92-jährigen Ex-Umno-Chef und Ex-Premier Mahathir Mohamad ins Rennen – gemeinsam mit seinem ehemaligen Vizepremier, dem 70-jährigen Anwar Ibrahim und dessen Volksgerechtigkeitspartei.

Die Regierungspartei versucht, ihre muslimisch-malaiische Basis zu mobilisieren

Anwar wurde 1998 wegen Differenzen von Mahathir als Vizepremier gefeuert und wegen angeblicher Homosexualität ins Gefängnis gesteckt. Bei seiner Verhaftung verpasste der damalige Polizeichef Anwar ein blaues Auge. Das wurde zum Symbol für die Arroganz der Macht – und ist jetzt das Logo des gemeinsamen Wahlkampfes.

Heute eint Mahathir und seinen Ex-Protegé der gemeinsame Feind Najib, den Mahathir wegen des 1MDB-Skandals nur noch den „Dieb“ nennt. Im Falle eines Wahlsiegs soll der greise Mahathir als Übergangspremier solange regieren, bis der zum zweiten Mal in einem politischen Prozess wegen angeblicher Homosexualität zu einer Gefängnisstrafe verurteilte Anwar vom König begnadigt wird und Premier werden kann.

In seinen zwanzig Jahren als Regierungschef hatte Mahathir autoritär und mit harter Hand die Dominanz der Malaien verteidigt. Heute gilt er als ethnienübergreifender demokratischer Hoffnungsträger. „Man kann Mahathir durchaus kritisch sehen“, sagt der chinesischstämmige Daniel Choong. „Aber er hat Malaysia entwickelt und wir waren stolz, Malaysier zu sein.“ Dann fügt der 54-jährige IT-Experte aus Kuala Lumpur traurig hinzu: „Heute schämen wir uns wegen Najib.“

Der 1MDB-Skandal hat Malaysia großen finanziellen Schaden zugefügt, für den das Volk laut Opposition mit der neuen Mehrwertsteuer und mit steigenden Preisen zahlen muss. Zwar gibt es auch Investitions- und Finanzhilfen in Milliardenhöhe aus China. Doch sehen viele darin einen Ausverkauf an die Volksrepublik.

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