Was die Klimakonferenz bringt

Hoffnung ist möglich

Beim Klimagipfel in Kattowitz geht es nicht um große Gesten, sondern um die kleinen, praktischen Details. Und die sind am Ende entscheidend.

Ein Eisbär taucht seinen Kopf unter Wasser

Wenn alle aufhören, den Kopf in den Sand, bzw unter Wasser zu stecken, könnte man noch was reißen beim Klima Foto: Unsplash/Jacqueline Godany

Am Beginn der Pariser Klimakonferenz 2015 waren sie alle da: Oba­ma, Xi, Modi, Merkel, Putin, Roussef, Juncker und knapp 190 andere Staats- und Regierungschefs drängten sich vor drei Jahren an die Mikrofone. Zwei Wochen später endete das Treffen überraschend erfolgreich mit dem Pariser Abkommen: Begrenzung der Erd­erwärmung auf unter 2 Grad, Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen, Hilfen für die Armen.

Gemessen an diesem Champions-League-Finale spielte die Eröffnung der COP24 von Kattowitz am Montag nur in der Regionalliga. Unter den zwei Dutzend Staatschefs waren Präsident Buhari aus Nigeria und Premier Rutte aus den Niederlanden noch die Stars. Keiner der G20-WeltlenkerInnen war nach Oberschlesien gekommen. Jetzt beginnen zwei Wochen zäher Verhandlungen um die Detailregeln des Pariser Abkommens. Aber kann da etwas Vernünftiges rauskommen, wenn die Mächtigen den Weg scheuen?

Vorsicht vor schnellen Urteilen. Anders als in Paris geht es in Kattowitz nicht darum, einen völkerrechtlichen Vertrag zu schließen und Schlagzeilen zu ernten. Damals hieß es: „Hurra, wir retten die Welt!“ Heute: „Aber wie jetzt genau?“ Die Details von Emissionsmessungen, die Erhöhung der eigenen Klimaziele oder das Versprechen, Geld für grüne Entwicklungshilfe auszugeben sind keine Gewinnerthemen, mit denen sich Regierende gern schmücken.

Sie könnten sich täuschen. Denn der Wind dreht sich. 2018 war weltweit ein Jahr neuer Hitzerekorde und Unwetterkatas­trophen, in dem die Preise für erneuerbare Energien weiter gefallen sind und die Menschen ihre PolitikerInnen immer mehr beim Wort nehmen. Ja, Donald Trump torpediert das Pariser Abkommen – aber Städte, Firmen und BürgerInnen leisten Widerstand. Nein, die G20 sind keine KlimaschützerInnen, aber sie stehen zum Abkommen. Das gibt Hoffnung: dass sich die ExpertInnen jetzt auf halbwegs vernünftige Regeln einigen.

Die Politik muss die Wende organisieren

Ob es weltweit echten Klimaschutz gibt, darüber entscheidet nicht die Redeliste in Kattowitz. Sondern das Signal, das am Ende an die Wirtschaft ergeht: Lohnt es sich noch, Geld in Kohle und Verbrennungsmotoren zu stecken? Und an diesen Detailregeln fummeln die ExpertInnen herum. Das kann schiefgehen. Oder aber besser werden als erhofft – so war es in Paris.

Nicht, dass man die Politik aus der Verantwortung entlassen kann. Ganz und gar nicht. Denn ein Umstieg auf eine umweltverträgliche Wirtschaftsweise ist zwar nötig, machbar und bezahlbar, wie es von der UNO bis zur EU-Kommission viele immer wieder vorrechnen. Aber das Umsteuern kommt nicht von selbst. Das muss die Politik organisieren. Wenn sich dafür die Regierungschefs bei Konferenzen verabreden, schön und gut. Sie können das aber auch (und vielleicht viel besser) tun, wenn sie zu Hause bleiben. Und zum Beispiel einen schnellen Kohleausstieg durchsetzen. Sie müssen das nur wollen. Oder von ihrem Volk zum Wollen gebracht werden.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de

Ihren Kommentar hier eingeben