• 16.07.2012

Wikipedia will weiblicher werden

Mehr Hochzeitskleid, weniger Linux

Nur acht Prozent der Wikipedianer sind Frauen. Um das zu ändern, will das Online-Lexikon das Bearbeitungssystem nutzerfreundlicher gestalten und wirbt aktiv für mehr Autorinnen.

  • 31.08.2012 17:39 Uhr

    von Roland:

    Und was ist nun das Problem?
    Ich bin männlich, schreibe auch nicht bei Wikipedia, und kann gerne meine Kontonummer mitteilen.

    Dass sich Frauen im Durchschnitt ohne Bezahlung seltener gesellschaftlich engagieren als Männer, ist in allen Bereichen vom Sportverein über Frauenprojekte bis eben hin zu Wikipedia Fakt. Indem gesellschaftliches Engagement bezahlt wird, ist es nicht mehr ehrenamtlich, und deshalb gibt es im ehrenamtlichen Bereich weniger Frauen.
    Und das will jemand mit Geld für die Frauen abstellen? Logisch, dass das nicht funktioniert.

    Viel interessanter als die Statistik zu den AuthorInnen finde ich doch die der NutzerInnen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es da genauso aussieht.
    Und Frauen werden ja wohl in der Lage sein, Ideologie von Information zu trennen. In der Schule sind sie jedenfalls durch die gezielten, beabsichtigten geschlechtlichen Ungleichstellungen im Durchschnitt besser, also auch am Thema Textinterpretation.

    Ich halte Wikipedia für eines der visionärsten und wichtigsten Projekte auf diesem Planeten, weil das Wissen der Menschheit zusammen getragen und Allen - Männern wie Frauen - zugänglich gemacht wird.

    Übrigens: Wie sieht eigentlich die Statistik der Leserbriefschreiber/innen in der Taz aus? Legt Ihr deshalb weiblichen Abonentinnen Briefmarken bei?

  • 17.07.2012 00:44 Uhr

    von Meier:

    Linux ist kein Betriebssystem. Für freie Betriebssysteme jedoch interssiert sich mittlerweile jede Person, die nicht Politikverdrossen ist.

  • 16.07.2012 23:05 Uhr

    von Hanno:

    Ich hab ja ganz sicher nichts gegen mehr Frauen bei der Wikipedia und auch nichts gegen Artikel über Hochzeitskleider. Aber die Idee, beides müsse etwas miteinander zu tun haben, aus der spricht doch schon ein seltsames Weltbild.

    Vielleicht gibt es auch Frauen, die lieber Wikipedia-Artikel über Linux schreiben. Und Männer, die an Texten über Hochzeitskleider mitwirken. Die Idee "Mehr Artikel über Hochzeitskleider == wir tun was für Frauen" find ich schon sehr strange.

  • 16.07.2012 17:28 Uhr

    von Wikipediaautorin:

    Ich habe eine zeitlang recht viele Wikipediaartikel (mit-)geschrieben. Nicht über Hochzeitskleider, sondern über mein berufliches Fachgebiet sowie meine sonstigen Interessen (O.K., schon eher "softe" Themen, nix mit Technik und IT: Musik, Film & Fernsehen, Popkultur, ...).

    Daß Wikipedia zu "schwierig" für Frauen in der Bedienung ist, glaube ich nicht. Ich war/bin auch in anderen Foren mit hohem Frauenanteil aktiv, die z.T. von der Software her wesentlich schwieriger und benutzerunfreundlicher sind. Wikipedia fand ich dagegen immer einfach und logisch zu benutzen.

    Wenn ich vermuten sollte, warum so wenige Autorinnen aktiv sind, würde ich auf folgende Faktoren tippen:

    - Frauen halten sich seltener für Experten (umgekehrt könnte man auch sagen, Männer sind schneller davon überzeugt, daß sie der Welt etwas wichtiges zu sagen haben ...) und trauen es sich vielleicht deshalb nicht zu, Lexikonartikel zu schreiben. Ausnahmen bestätigen die Regel. Ich weiß auch gerne alles besser, obwohl ich das letzte Mal, als ich nachgesehen habe, noch eine Frau war.

    - Der Umgangston bei Wikipedia ist in den letzten Jahren zunehmend unfreundlicher geworden. Da wird wenig Rücksicht auf Neulinge genommen, Kritik ist oft unangemessen grob, teilweise tragen verfeindete Autoren aggressive Machtkämpfe aus. Viele Frauen dürfte das abschrecken (und die vernünftigeren Männer vermutlich auch). Und damit meine ich nicht, daß Frauen sich in der "harten Welt da draußen" nicht behaupten können. Ich glaube, sie haben in ihrer Freizeit schlichtweg keine Lust auf den Scheiß.

    - Ich hätte jetzt nicht gerade das Hochzeitkleid als Beispiel genommen, aber ich muß schon zugeben, daß gerade die Relevanzdebatten oft nervig sind. Der Reiz an Wikipedia ist ja, daß der Raum - relativ - unbegrenzt ist, eigentlich könnte es zu jedem noch so aberwitzigen Thema Artikel geben. Natürlich sollten die ein gewisses Niveau oder wenigstens Entwicklungspotential haben. Wer dazu was sucht, freut sich. Wen das Thema nicht interessiert, der wird nicht dazu suchen. Für mich war und ist vielleicht der größte Reiz an Wikipedia, daß ich dort potentiell alles finden kann, weil irgendein Freak (oder auch mehrere) die wesentlichen Informationen zu einem Thema zusammengestellt hat. Und eben nicht nur das, was durch den Filter eines Verlags gegangen ist. Daß die Relevanzdebatten bei "männlichen" Themen (Beispiel IT) weniger geführt werden als bei "weiblichen" Themen, kann ich mir durchaus vorstellen, das ergibt sich zwangsläufig aus der Interessensverteilung Mehrheit/Minderheit.

    Wie sich daran etwas ändern soll, weiß ich jetzt allerdings auch nicht. Vielleicht ist das eben so: Wikipedia ist ein Männerspielzeug.

    Und trotz aller Kritik - eines der tollsten Angebote, die es gibt. Finde ich immer noch :)

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