Nach dem katastrophalen Großbrand im Suk von Aleppo befürchten Aktivisten, dass die meisten Geschäfte zerstört wurden. Der Verlust sei eine Tragödie.von Jasna Zajcek

Seit dem 13. Jahrhundert gibt es im Basar von Aleppo – hier vor den Kämpfen – Nüsse, Datteln und allerlei Köstliches zu kaufen. Bild: reuters
BEIRUT taz | Im historischen Suk der nordsyrischen Handelsmetropole Aleppo sind bei Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Rebellen am Wochenende zahlreiche Geschäfte in Flammen aufgegangen. Oppositionelle berichteten von Explosionen am Tor Bab al-Nasr. Videos aus dem traditionell dicht bevölkerten Basar zeigen menschenleere Gassen und heruntergelassene Rollläden vor den Arkaden. Durch den jüngsten Großbrand wurden Teile des nördlich gelegenen Marktes Salaheddins zerstört.
Ist Ihnen dieser Artikel etwas wert?
Es sei ein „großer Verlust und eine Tragödie“, dass die Altstadt der syrischen Metropole von den Kämpfen verwüstet worden sei, sagte der Direktor des Weltkulturerbeprogramms, Kishore Rao. Das alte Zentrum von Aleppo wurde 1986 als Weltkulturerbe aufgenommen.
Der örtliche Aktivist Ahmad al Halabi schätzt, dass die Mehrzahl der Geschäfte in der Nacht zum Samstag niederbrannte.
Die Regierung in Bagdad kündigte an, Waffenlieferungen aus dem Iran an Syrien durch Flugzeugkontrollen zu unterbinden. Der irakische Außenminister Hoschijar Sebari sagte am Wochenende der in London erscheinenden Zeitung Al-Hayat, iranische Maschinen im irakischen Luftraum mit Ziel Syrien sollten stichprobenartig zur Landung aufgefordert und durchsucht werden. Der Iran und Syrien sind verbündet, der Irak liegt zwischen beiden Staaten.
Die Regierung in Bagdad habe stets betont, keine Waffenlieferungen über ihr Staatsgebiet zu dulden, erklärte der Minister. Der Iran habe Flüge über Syrien zeitweise eingestellt. Seit Ende Juli fliegen aber wieder iranische Maschinen über diese Route. Teheran habe zugesichert, nur Pilger und Reisende zu befördern.
„Es ist eine Tragödie, mit anzusehen, wie der Suk im Weltkulturerbe nun in Flammen aufgeht“, sagt auch Marc Wohlrabe, Student am Fachbereich World Heritage Studies der Universität Cottbus, der sich seit 2004 zusammen mit syrischen Experten mit der Sanierung der Altstadt von Aleppo beschäftigt.
Der überdachte Suk liegt unterhalb der alten Zitadelle der Stadt, die seit fast 9.000 Jahren durchgehend besiedelt ist. Einst wurden Nomaden hier im „fruchtbaren Halbmond der Levante“ nahe des Euphrats sesshaft und gründeten die ersten Dörfer der uns bekannten Menschheitsgeschichte. Dank des Handels, den die ersten Bewohner über die Jahrtausende hinweg mit den vorbeiziehenden nomadischen Völkern trieben, wurde die Stadt (arab. Halab) bald zum meist friedlichen Schmelztiegel der Kulturen.
Alle Religionen der Region und alle ethnischen Gruppen – Assyrer, Kurden, Armenier und Juden, um nur die historisch wichtigsten zu nennen – trieben hier Handel. Seit dem 13. Jahrhundert war der Suk eine wichtige Station der Seidenstraße. Die feinsten Waren Afrikas, Arabiens und Asiens gab es hier. Wer sich hungrig in den kilometerlangen, farbenfrohen und auch im Sommer halbwegs angenehm temperierten Handelswahn begab, musste viel Zeit einplanen. Mandeln in den verschiedensten Röstungen, Datteln, Feigen, alles wurde dem Reisenden angeboten, kostenlos, bei einem Glas Tee und einem Plausch, egal in welcher Sprache.
In Hunderten von Arkaden wurde alles feilgeboten, was die Region und die internationalen Handelbeziehungen hergaben: gelebter Kulturaustausch, immer mit viel Humor. Im schattigen Licht, das durch die Sonnensegel, Holz- und Glasdächer des Suks hereinfiel, wurden handgemachte Olivenseife, sämtliche Gewürze, Gold, Diamanten, Seide, Brokat, Damaszener und Aleppiner Stahl, Unterwäsche, Kopftücher, religiöse Schriften, Elektrogeräte, Hygienebedarf, Kosmetik, Dolche und noch viel mehr seit Ewigkeiten angeboten.
Der beeindruckendste der Khans – wie die Marktteile innerhalb des Suks heißen – ist der Khan al-Jumruk, der 1574 fertiggestellt wurde. In osmanischer Zeit und später residierten hier das holländische und das französische Konsulat und auch deren Import-Export-Agenten neben bis zu 344 Geschäften, geführt von Männern weitverzweigter Familien, wenn es um Seide, Stahl und Gewürze für Europa ging.
Naja, was erwartet man denn dort wenn es mal brennt? Ich glaube kaum das es dort Sprenkler und sowas gab.
Jetzt fände ich interessant, welche Seite da die Fackel angelegt hat. Dass die Regierung selbst ein wirtschaftlich und kult ...
Die Spannungen zwischen Syrien und Israel infolge des syrischen Bürgerkriegs nehmen zu. Auf den Golan-Höhen ist es vermehrt zu Schusswechseln gekommen.

Seit Frühjahr 2011 demonstrieren in Syrien tausende Menschen in Syrien für einen Machtwechsel. Präsident Baschar al-Assad lässt hart zurückschlagen – laut der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte in Großbritannien sind seit Beginn des Aufstandes 32.000 Menschen getötet worden.
Eine Karte mit der Übersicht über die regionalen Interessen der Nachbarstaaten finden Sie hier.
Eine Karte mit der Übersicht über die befreiten Gebiete finden Sie hier.
David Beckham beendet seine Fußballer-Karriere. Wird er jetzt etwa Vollzeitpapa, Model oder Frührentner? Ach, uns fallen da noch ein paar andere Sachen ein...

Ein echt fieser Augapfel, ein Harley-Davidson-Skelett, Buddha hat Geburtstag und jede Menge Quallen. Unsere Bilder der Woche.

14 Jahre war Thomas Schaaf Trainer bei Werder Bremen – genug Zeit, seinen trockenen Humor in vielen Interviewantworten unter Beweis zu stellen.

Am Samstag ist es wieder so weit: Im schwedischen Malmö kämpfen 39 Länder um den ersten Platz beim ESC. Wir wissen, auf welche Teilnehmer Sie besonders achten können.


Für alle, die mitreden wollen
Der lange Abschied vom Wachstum, Kriminalität ohne Grenzen, der Kampf um die richtige Landwirtschaft, Sozialpolitik gegen den sozialen Fortschritt, die überfällige Reform der UN: Der neue Atlas der Globalisierung von Le Monde diplomatique veranschaulicht auf 176 Seiten und in über 150 neuen Karten und Infografiken in welchem Tempo die Globalisierung voranschreitet und die Welt verändert.