Er war der lustigste Berliner Genosse und wandelte sich zum fanatischen Apologeten abstrakter Militanz. Doch dann saß er auf einem Warschauer Sofa.von Detlev Claussen
BERLIN taz | Christian tot, ein schwerer Verlust. Eine gar nicht so unwichtige Geschichte verschwindet. Ich lernte ihn am 3. Juni 1967 kennen, zusammen mit Rudi Dutschke und Bernd Rabehl.
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Wir, acht Frankfurter SDS-Genossen waren in zwei Autos in die damalige Frontstadt gefahren, und waren von der Berliner Pogromstimmung entsetzt. CS, ein damals noch ultrademokratischer antiautoritärer Rätekommunist, versuchte zu scherzen, das war gut gegen den tierischen Ernst, der uns alle (incl. Krahl und Dutschke) ergriffen hatte.
Der mit Abstand netteste und lustigste Berliner Genosse verwandelte sich im Laufe eines Jahres zum fanatischen Apologeten abstrakter Militanz (Steinedemo am Tegeler Weg).
Der Schritt zur Gründung einer Myl-Sekte nur konsequent, wenn auch persönlich tief enttäuschend. Abbruch der diplomatischen Beziehungen. 1982 fand ich ihn plötzlich auf einem für mich eher familiären Warschauer Sofa vor. Er hatte es verstanden, dass der organisierte Kommunismus - in welcher Form auch immer - keine Legitimation mehr hatte. Christian begann sich wieder für die Freiheit einzusetzen. Wir werden seine Stimme schmerzlich vermissen ...
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Unser Kollege Christian Semler (1938-2013) ist am 13. Februar gestorben. Er wurde 74 Jahre alt.
Christian arbeitete seit den späten 1980er Jahren in der taz und war das Bindeglied der taz zu einer Geschichte, die älter ist als die Zeitung selbst. Christian gründete 1970 die maoistische Kommunistische Partei Deutschlands und wurde später deren Vorsitzender. In einem „Gespräch über die Zukunft“, das Hans Magnus Enzensberger mit ihm und Rudi Dutschke 1967 für das Kursbuch führte, wurden die Basisideen der Studentenbewegung mitformuliert.
Wir verlieren mit Christian einen Kollegen mit enzyklopädischem Wissen, großer Hilfsbereitschaft, feinsinnigem Humor.
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