Zweitliga-Nordderby

Kiezverein chancenlos

1:0 aus Gästesicht: Holstein Kiel siegt beim FC St. Pauli und beendet damit vorerst die Hamburger Träume von der Zweitliga-Tabellenführung.

Dicke Backen: St. Paulis Trainer Markus Kauczinski kann mit dem Ergebnis kaum zufrieden sein. Foto: dpa

HAMBURG taz | Diesmal war alles anders. Fünfmal in Folge war der FC. St. Pauli in der zweiten Fußball-Bundesliga Liga unbesiegt geblieben. In vier dieser Partien hatten die Hamburger erst in der absoluten Schlussphase den Siegtreffer oder sogar mehrere Tore erzielt. Eine Serie, für die selbst Trainer Markus Kauczzinski keine Erklärung fand, sondern nur das Attribut „krass“. Der Lohn für diese Last-Minute-Leistungen: Tabellenplatz drei und die Chance, mit einem Sieg gegen Holstein Kiel erstmals seit Jahren die Tabellenführung zu übernehmen – vor den Bundesligaabsteigern aus Köln und Hamburg-Stellingen.

„Krass“ wäre es gewesen, wenn ein kluger Heber von Sami Allagui über Torwart Kenneth Kronholm sich zwei Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit noch in den Kasten gesenkt hätte, statt auf der Querlatte zu landen. Doch am gestrigen Sonntag blieb am Millerntor das Happy End für die gastgeber aus. Jubeln durften am Schluss die Kieerl: über einen knappen, aber nicht unverdienten 1:0-Auswärtssieg.

In einer Partie, die zuerst die Hamburger dominierten, die später aber ausgeglichen verlief, vergab St. Pauli durch Mats Möller Daehli und Richard Neudecker beste Chancen. Die Kieler hingegen nutzten nach einer Stunde und einem Fehler von Torhüter Robin Himmelmann durch Janni Serra eine Kopfballchance zum 1:0-Siegtreffer.

Für St. Pauli bedeutet dieses Ergebnis den Fall von Platz drei auf fünf, während die Kieler von Rang elf auf acht klettern; was für beide Teams – gemessen an ihren Saisonzielen – eine solide Platzierung nach einem Drittel der Saison bedeutet.

Gehobener Fußball – aus Kiel

Gerade die Kieler hatten – nach einer Sensationssaison und dem anschließenden Abgang von Trainer, Sportchef und großen Teilen der Mannschaft – den freien Fall ans Tabellenende befürchtet. In Hamburg zeigten sie jedoch einmal mehr gehobenen Zweitligafußball. Trainer Tim Walter, der beiden Teams ein „sehr gutes Fußballspiel“ attestierte, hat eine homogene und spielstarke, in allen Belangen zweitligataugliche Truppe aufgebaut.

Auch die Hamburger stehen im Vergleich zur vorigen Saison besser da. Vor allem die Offensivabteilung strahlt – trotz der Torflaute gegen Kiel – deutlich mehr Gefahr aus und ist durch den Einkauf von Henk Veermann variabler geworden. Und so können die Kiezkicker bislang dem großen Lokalrivalen HSV Paroli bieten, auch wenn sie nach der Niederlage gegen Kiel wieder hinter den lokalen Konkurrenten zurückgefallen sind.

Problem Stadion

In Kiel hingegen macht das Stadion der Vereinsführung mehr Probleme als die Leistung des Teams. Zur Saison 2018/19 soll der Tribünen-Neubau in der ehemaligen, inzwischen abgerissenen Gästekurve des Holstein-Stadions in Kiel vollendet sein und 4.800 weiteren Zuschauern Platz bieten.

Das Stadion würde dann 15.500 Besucher fassen – und würde damit die Kriterien der Deutschen Fußball-Liga erfüllen, die Holstein hier derzeit nur mit einer Sondergenehmigung spielen lässt. Auf die europaweite Ausschreibung des Bauvorhabens aber hat sich bislang keine einzige Firma beworben.

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