die wahrheit

Im Untergrund landen

Eine U-Bahn reicht noch nicht - endlich kommt die internationale Verkehrsanbindung für die Kölner Innenstadt.

Im Grunde entspricht der Verlauf der neuen Landebahn dem der im Bau befindlichen U-Bahn-Strecke.  Bild: ap

In Köln müsste man wohnen: Hier wird nicht nur seit Jahren erfolgreich an einer hypermodernen neuen U-Bahn-Strecke durch die Innenstadt gebaut - die sogenannte Nord-Süd-Bahn -, jetzt will man die Verkehrsanbindung perfekt machen: Schon nächste Woche will man mit dem Bau einer Flugzeuglandebahn beginnen, die ebenfalls mitten durch die Innenstadt führen soll.

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"Der alte Flughafen liegt sowieso viel zu weit außerhalb", so der Kölner Stadtdirektor Guido Kahlen. Schon seit Jahren sei man auf der Suche nach einer Lösung des Problems - jetzt habe man sie endlich gefunden. "Im Grunde entspricht der Verlauf der neuen Landebahn dem Verlauf der im Bau befindlichen U-Bahn-Strecke", so Kahlen. "Da an diesen Stellen sowieso sämtliche Gebäude, Denkmäler und Kirchtürme eingestürzt sind, wollen wir die Brachfläche sinnvoll nutzen."

Um einen weiteren reibungslosen Ablauf der laufenden Bauarbeiten zur Nord-Süd-Bahn zu gewährleisten und um das neue Vorhaben optimal darin einzubinden, werden beide Projekte zu einem sogenannten "Doppelbau" zusammengelegt. Damit sollen sogenannte Synergieeffekte genutzt werden, erläutert der Stadtdirektor.

Walter Reinarz, bis vor zwei Wochen Technischer Vorstand bei den Kölner Verkehrsbetrieben (KVB) und hauptverantwortlich für den bisher vorbildlichen Ablauf der Bauarbeiten der neuen U-Bahn-Strecke, wird jetzt den neuen Doppelbau verantworten. Gestern ist bekannt geworden, dass schon länger dieser Posten für ihn vorgesehen war - wohl ein Dankeschön für sechseinhalb Jahre zuverlässige Arbeit. Er hat beste Kenntnisse und viel Erfahrung in Bezug auf die konsequente Abwicklung von Bauvorhaben, die Kölner Bodenbeschaffenheit und die richtige Informationspolitik. Bescheiden gesteht er auch selbst ein: "Niemand außer mir ist geeignet dafür. Ich genieße unglaubliches Vertrauen bei den Kölner Bürgern und ich bin sowieso ein toller Typ."

Er habe nach eigenem Bekunden zwar noch nie den Bau einer Landebahn betreut, geschweige denn eine solche betreten, glaubt aber dennoch, dies bewältigen zu können: "Ich habe jahrelange Erfahrung mit dem Microsoft Flight Simulator auf dem PC meines Sohnes gesammelt. Außerdem ist eine Landebahn ja nichts anderes als eine oberirdische U-Bahn-Strecke. Und eben platt und keine Röhre. Und ohne Schienen und Haltestellen und so."

Ein glücklicher Zufall: Für den Köln-Bonner-Flugverkehr wird eine Landebahn nach Codezahl 4 des ICAO-Annex benötigt, was heißt, dass sie eine Länge von mindestens 1.800 Metern aufweisen muss, besser sind 4.000 Meter. Und die Streckenlänge der geplanten U-Bahn beträgt knapp 4 Kilometer.

"Wer jetzt eins und eins zusammenzählt, erkennt schnell, dass 4.000 Meter circa 4 Kilometer ergeben", freut sich Reinarz. Hinzu kommt, dass die U-Bahn ja schon relativ gerade durch die Stadt geschlagen wird - eine Vorteil auch für jede Landebahn. Reinarz ist begeistert: "Das passt echt gut. Wer diese Gelegenheit nicht am Schopf packt, ist total bescheuert!"

Fritz Schramma, ehemaliger Oberbürgermeister der Stadt Köln, hat sich bereits als Schirmherr des Baus angeboten. Dieser Zeitung sagte er, er habe große Lust, wieder in Köln sinnvoll aktiv zu werden: "Meine Erfahrung wird gebraucht - das sehe ich doch!" Schramma zog im letzten Jahr großmütig seine Kandidatur zum Amt des OBs wegen kleinen Unstimmigkeiten beim Bau der U-Bahn-Strecke zurück. Doch Reinarz wiegelt ab: "Leider brauchen wir keinen Schirmherrn. Wir wollen ja nicht das Klischee des Kölschen Klüngels bedienen. Aber wir werden den Fritz schon irgendwie unterkriegen."

Und was sagen die Anwohner? Laut einer Umfrage stehen 99 Prozent aller Kölner dem Bau positiv gegenüber. Die Landebahn würde die Verkehrsanbindung der Stadt sehr verbessern. Vor mehr Dreck und Baulärm schrecken die wenigsten zurück: Nur 11 Prozent der Befragten befürchten, dass die Bauarbeiten merklich den Alltag in der Stadt beeinflussen könnten. Über 50 Prozent glauben hingegen, dass der Bau einer Landebahn ebenso im allgemeinen Geräuschpegel untergehen werde wie auch der Bau der U-Bahn-Strecke. Und um das Stadtbild macht sich laut der Umfrage sowieso schon lange keiner mehr Sorgen.

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07. 04. 2010

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