Kommentar zu Türkiyemspor

Von einer Pleite zur nächsten

„Türkiyem“ hätte zu einem Verein werden können, der die Stadt wie kein anderer repräsentiert, einschließlich des Kampfs gegen Homophobie. Damit ist es wohl vorbei.

Pleiten sind nichts Neues für den Berliner Fußball, und sportliche Pleiten kann man auch sicher gut verkraften. Das, was sich gerade bei Türkiyemspor abzeichnet, klingt aber danach, als schlittere ein Klub von einer Pleite in die nächste – und beide sind nicht sportlicher Art.

Nach der finanziellen Misere – der Klub befindet sich weiter im Insolvenzverfahren – folgt nun ein offener Konflikt im Verein, der das sozialpolitische Engagement betrifft. „Türkiyem“, wie der Klub auch genannt wird, hätte zu einem Verein werden können, der die Stadt wie kein anderer repräsentiert: Einer, der für Multikulti wie für soziale Mischung steht, für verschiedene Religionen unter einem Dach, für Geschlechtergerechtigkeit wie auch für sexuelle Vielfalt.

Mit letzterem ist es nun zumindest vorbei. Der derzeitige Vorstand Türkiyems will das Team der Dritten Herren, das Werbung für den Lesben- und Schwulenverband (LSVD) auf den Trikots trägt, offenbar loswerden. Der LSVD-Geschäftsführer Jörg Steinert zieht sich deshalb aus dem Aufsichtsrat des Klubs zurück. Das kann man nur als Pleite für den Klub werten.

Die sogar noch größere Ausmaße haben könnte: Denn sollte sich nun das Team der Dritten Herren vom Klub abwenden, würden langsam aber sicher die letzten progressiven Kräfte im Verein verschwinden. Das Team stand nicht nur für den Kampf gegen Homophobie, sondern ihre Mitglieder haben sich zum Beispiel auch für starken Mädchenfußball im Klub eingesetzt. Sollte dies alles verpuffen, wird Türkiyemspor wieder ein Klub von alten Männern für alte Männer – den Berlin nicht unbedingt braucht.

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schreibt seit 2011 für die taz und ist Mitarbeiter der Kultur- und Sportredaktion.

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