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  • 04.12.2007

taz: Herr Montefiore, Sie schildern zu Beginn Ihres Buches die immerwährenden Prügel, die Stalins Eltern ihrem Sohn verabreichten. Welche Bedeutung für die Persönlichkeit Stalins messen Sie dem bei?]]>

Simon Sebag Montefiore: Häusliche Gewalt als erklärenden psychologischen Faktor einzuführen scheint etwas billig. Wie viele Menschen wurden als Kind geprügelt oder hatten einen Vater als Alkoholiker, ohne später zu Tyrannen und Mördern zu werden? Solche Erklärungen sind ähnlich gestrickt wie die These, wir hätten es bei Stalin (oder bei Hitler) schlicht mit Verrückten zu tun. Beide waren sehr effektive Politiker, die das Leben von Millionen Menschen zerstört haben. Sie sind verantwortlich. Man kann sie nicht durch den Hinweis auf Wahnsinn entlasten. ]]>

Welche Bedeutung haben die Gewalterfahrungen, die der junge Stalin als Bandit in Georgien machte?]]>

Warum hat Lenin, ein Mensch mit intellektuellem Hintergrund und bürgerlicher Sozialisation, sich so willig auf Stalin eingelassen und das bei Banküberfällen "sozialisierte" Geld akzeptiert?]]>

Gibt es eine direkte Verbindung zwischen Stalin, dem jugendlichen Banditen und Schutzgelderpresser, und dem Stalin des Massenterrors?]]>

Sehen Sie bei ihrer Arbeit über den jungen Stalin nicht die Gefahr, vom Ergebnis her, also mit der Kenntnis des späteren Stalin zu schreiben und so die Taten des jungen Stalin nur als Indiz für die Taten des späteren Stalin zu nehmen?]]>

Wie dachte Stalin später über seine revolutionäre Jugend?]]>

Sie kritisieren in ihrer Arbeit Leo Trotzki als Stalin-Biografen und werfen ihm vor, Stalin als mediokre Existenz porträtiert zu haben, als geistlosen, machtgierigen Bürokraten. Worauf stützen Sie diese Kritik?]]>

In ihrem Buch erfährt man sehr wenig über das, was der junge Stalin gedacht und geschrieben hat. Da ihre Geschichte bis 1917 geht, wäre es angemessen gewesen, wenigstens Stalins Haltung zur nationalen Frage, zu seinem Spezialgebiet, zu behandeln. Wie rechtfertigen Sie diese Auslassung?]]>

Was ist das Neue, das Sie bei Ihrer Forschung herausbekommen haben?]]>

Gab es je eine historische Alternative?]]>


SIMON SEBAG MONTEFIORE zur Biografie des sowjetischen Diktators geforscht. Nun ist sein - umstrittenes, weil populärwissenschaftliches - Buch "Der junge Stalin. Das frühe Leben des Diktators 1878-1917" auch auf Deutsch erschienen (übersetzt aus dem Englischen von Bernd Rullköter, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2007, 608 Seiten, 24,90 €).]]>