Hier können Sie durch die aktuelle Ausgabe der Zeitung blättern:
taz: Herr Özdemir, wann wird der erste "Deutsch-Türke" Bundeskanzler? ]]>
Cem Özdemir: Oje, das wird auf absehbare Zeit nicht passieren. Es gibt auch keinen Deutschtürken, der sich aufdrängt. ]]>
Sie warten auf einen deutschtürkischen Barack Obama?]]>
Sondern?]]>
Die amerikanische Gesellschaft ist da weiter? ]]>
Das ist hier nicht so? ]]>
Die Union ist also konservativer als die amerikanischen Republikaner? ]]>
Als grüner Politiker können Sie doch der Union dankbar sein. Während in den USA die Demokraten etwa ihr Abonnement auf die Stimmen der Latinos verloren haben, liefert die Union den Grünen und der SPD einige hunderttausend Stimmen der Deutschtürken frei Haus. ]]>
Also dass es einen echten Wettbewerb mit der Union um die Migranten gibt?]]>
Wenn die Union so schlimm ist und die arme deutschtürkische Community so unterdrückt: Warum gibt es unter Deutschtürken keine Emanzipationsbewegung, wie es sie in den USA unter den Afroamerikanern gab? ]]>
Die Deutschtürken gehen nur auf die Straße, um für oder gegen den türkischen Staat zu protestieren. Ist ihnen alles andere egal? ]]>
Jetzt sind Sie aber sehr optimistisch, Herr Özdemir.]]>
Wären Quoten eine Möglichkeit staatlicher Erziehung? Affirmative action für Deutschtürken?]]>
Affirmative action war in den USA durchaus sinnvoll. Um sich aus der Opferrolle zu befreien, muss man nicht dagegen sein. Bemerkenswert ist auch, wie in der letzten höchstrichterlichen Entscheidung affirmative action gerechtfertigt wurde: nicht primär, um Angehörige von Minderheiten zu fördern, sondern damit, dass die anderen über einen vielfältigen Campus etwas von der gesellschaftlichen Realität erfahren. ]]>
Fordern Sie Quoten? ]]>
Die Qualität, dass die Herkunft in den Hintergrund tritt, fehlt also in Deutschland. Woran liegt das? ]]>
Davon ist Deutschland aber noch sehr weit entfernt.]]>
CEM ÖZDEMIR, 42, ist seit 2004 Mitglied des Europäischen Parlaments und außenpolitischer Sprecher seiner Fraktion Die Grünen/Freie Europäische Allianz. Die politischen Aufgabengebiete und Interessen des Gründungsmitglieds des European Council on Foreign Relations (ECFR) umfassen die Außenpolitik der EU, das Verhältnis EU-Türkei, Migrations- und Integrationspolitik sowie Islam in Deutschland und Europa. 1994 wurde er als erster Abgeordneter türkischer Herkunft in den Deutschen Bundestag gewählt, dem er zwei Legislaturperioden bis 2002 angehörte.]]>