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  • 05.04.2008

SUSANNE LANG & JAN FEDDERSEN]]>

taz.mag: Lord Dahrendorf, welche Partei würden Sie zurzeit wählen? ]]>

Ralf Dahrendorf: Witzigerweise hätte ich das zwanzig Jahre nicht gesagt - aber ja, ich würde angesichts des aktuellen Angebots FDP wählen.]]>

Im Ernst? Jene Partei, die Sie verließen? ]]>

Und was spielt dann eine Rolle?]]>

Unser Eindruck ist eher, dass sich die FDP nur als potenzieller Mehrheitsbeschaffer positioniert, Schwarz-Gelb in Hessen, sozialliberal in Rheinland-Pfalz, neuerdings soll auch Schwarz-Grün-Gelb denkbar sein. ]]>

Mehrheitswahlrecht? Da ginge es den kleinen Parteien ja schlecht.]]>

Es wäre für die beiden großen Parteien etwa hälftig ausgegangen. ]]>

Manche vertreten ja die These, dass es in Deutschland überhaupt keine liberale Partei im klassischen Sinn gibt. Stimmen Sie dem zu?]]>

Was wird folgen? ]]>

Weshalb denn nicht?]]>

Aus der heraus eine staatsgläubige Linkspartei stark werden kann?]]>

Woran machen Sie im Rest Deutschlands die Bürgergesellschaft fest?]]>

Haben die Achtundsechzigerbewegung und später die Grünen dabei eine Rolle gespielt?]]>

Sie pflegen Freundschaften zu Grünen, aber weshalb können Liberale und Grüne so gar nichts miteinander anfangen?]]>

Selbst 1968 waren Sie persönlich eine Ausnahme und hatten keine Berührungsängste. Würden Sie heute, vierzig Jahre später, nochmals mit Rudi Dutschke diskutieren, wie sie es einst in Freiburg taten?]]>

Worüber würden Sie sprechen?]]>

Hat '68 unserem Land gutgetan?]]>

Wollen Sie am Denkmal sägen?]]>

Wie sieht es mit Willy Brandts Ostpolitik aus - auch dies kein originäres Projekt? ]]>

… wie es der kulturelle Aufbruch von '68 getan hat?]]>

Aber tragen konnten Frauen ihn erst danach.]]>

Haben Sie für ihn und die Seinen nachträglich Verständnis? ]]>

Hat sich der Marsch durch die Institution Uni wenigstens gelohnt?]]>

Über einen anderen Aspekt dieser Zeit, der sehr prägend war, haben wir noch nicht gesprochen: die pazifistische Bewegung. Sie haben im britischen Oberhaus 2003 für den Irakkrieg gestimmt. Und sind prompt auch von Freunden heftig abgeurteilt worden. Zu Recht?]]>

Hängt eine Antwort darauf nicht davon ab, ob man diesen Konsenspazifismus als Resultat der Stunde null wertet oder als in der Chiffre '68 manifestierte politisch korrekte Haltung?]]>

Demnach wäre er aber nicht konstitutiv für die deutsche Gesellschaft?]]>

Trauen Sie der politischen Korrektheit in einem anderen Bereich der Gesellschaft, dem der Einwanderung und Migration, wo auch mit allen Mitteln ein friedliches, tolerantes Deutschland gezeichnet werden soll?]]>

Weshalb benötigt der englische öffentliche Raum dann so viele Überwachungskameras? Und warum protestiert niemand gegen sie?]]>

Weil der öffentliche Raum durch Bomben in Bussen und U-Bahnen angegriffen wurde?]]>

Die aber doch niemand ernsthaft erwog?]]>

In Deutschland gelten sie als Sinnbild für gescheiterte Integration.]]>

Existieren in Deutschland andere Ligaturen, wie Sie gesellschaftliche Bindungskräfte wie den öffentlichen Raum in England bezeichnen?]]>

Wohin führt diese Form von negativem Patriotismus?]]>

Deutschland, das Land der Vereine …]]>

Demnach brauchten wir mehr Dezentralisierung?]]>

Aber der Stammtisch gibt sich trotzdem pazifistisch?]]>

Interessante These.]]>

Die USA glauben jedenfalls daran, trotz aller Wünsche nach "Changes", die im Präsidentschaftswahlkampf plötzlich ausgemacht werden. ]]>

Das heißt, der Wunsch nach einem Wandel ist längst da, Barack Obama hat ihn nur aufgegriffen und für sich reklamiert?]]>

Ist auch bei uns ein Wandel nötig?]]>

Brauchen wir eine neue Partei?]]>

In der FDP sieht es da eher schlecht aus.]]>

SUSANNE LANG, Jahrgang 1976, leitet das Ressort taz zwei; JAN FEDDERSEN, Jahrgang 1957, ist Autor und Redakteur im taz.mag. Sie trafen Ralf Lord Dahrendorf zum Gespräch in der Residenz am Dom in Köln]]>


1. Mai 1929 in Hamburg; Spross einer sozialdemokratischen Familie. In den Fünfzigerjahren avancierte er zu einem der wichtigsten deutschen Soziologen. Werke u. a.: "Soziale Klassen und Klassenkonflikt in der industriellen Gesellschaft" (1957) sowie "Homo sociologicus" (1958). Dahrendorf gehörte zu den frühen Unterstützern einer nonelitären Bildungsreform.]]>

Teil des modernen Liberalismus in der Bundesrepublik, auch Mitglied der FDP, die er Ende der Achtzigerjahre verließ. 1988, nach langen Jahren als Leiter der London School of Economics, wurde er von Königin Elizabeth II. in den Adelsstand erhoben und ist nun Mitglied des Oberhauses. Seine Lebenserinnerungen tragen den Titel "Über Grenzen" (S. Fischer, 2003, 189 Seiten, 9,90 Euro). JAF]]>


öffentliche Raum bezeichnet zunächst den ebenerdigen Teil einer Gemeindefläche, oder einer Körperschaft des öffentlichen Rechts, der allen Bürgern frei zugänglich ist und von der Gemeinde bewirtschaftet und unterhalten wird (Verkehrsflächen, Parkanlagen, Plätze, öffentliche Gebäude). Versammlungen von Personen im öffentlichen Raum (etwa Demonstrationen) unterliegen dem Versammlungsgesetz. Seit den Terroranschlägen am 11. September 2001 werden öffentliche Räume der westlichen Welt verstärkt durch Videoüberwachung kontrolliert.]]>

Öffentlichkeit sind: nach Jürgen Habermas die "Sphäre der zum Publikum versammelten Privatleute", in der unter anderem auch die öffentliche Meinung verhandelt wird. MRE]]>

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