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Atomtests treffen noch Kinder

50 Prozent höhere Mutationsrate bei Nachfahren verstrahlter sowjetischer Anwohner

WASHINGTON dpa ■ Radioaktive Niederschläge von Atomtests der Sowjetunion lassen sich noch im Erbgut von Kindern damals bestrahlter Eltern nachweisen. Das berichtet ein Forscherteam im Wissenschaftsjournal Science (Bd. 295, S. 1037) vom Freitag. Bei der ersten Generation von Anwohnern des Atomtestgeländes Semipalatinsk in der Beskaragai-Region von Kasachstan stieg demnach die Zahl genetischer Veränderungen an bestimmten DNA-Abschnitten um rund 80 Prozent. Die Generation ihrer Kinder besitzt noch eine um 50 Prozent erhöhte Mutationsrate.

Yuri Dubrova von der Uni Leicester (Großbritannien) und Kollegen aus Kasachstan und Finnland hatten 40 Familien aus der Nachbarschaft des Testgebiets auf Erbgutmutationen untersucht. Die Ergebnisse verglichen die Forscher mit denen von 28 Familien einer unbestrahlten Kontrollgruppe. Bei Kindern aus der Nachbarschaft des Testgebiets, die die überirdischen Atomversuche zwischen 1949 und 1956 selbst nicht miterlebt hatten, ließ sich demnach sogar noch die von ihren Eltern absorbierte Strahlendosis aus dem Genom ablesen. Eine Strahlenbelastung aus der Umwelt schließt Dubrovas Team als Ursache aus.

Je später die Eltern geboren wurden, desto geringer fiel die Mutationsrate bei ihren Kindern aus. Dies zeige, dass der 1963 in Moskau ausgehandelte Stopp von überirdischen Atomtests die genetischen Risiken der betroffenen Bevölkerung effektiv verringert habe. Welche Auswirkungen die Keimzellenmutationen auf die Gesundheit der Betroffenen haben, ist bisher nicht zu erkennen, heißt es in einem Science-Kommentar. Die genetischen Veränderungen könnten auch reine „Biomarker“ sein, die auf das Befinden des Menschen keinen Einfluss ausüben, schreibt das Fachjournal.

Hintergründe zu Fallout-Geschädigten, auch in USA: www.downwinders.org, zu Semipalatinsk www.isar.org/isar/archive/ST/Semipalatinsk.html

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