piwik no script img

Geschnetzeltes mit Spätzle

Gunter Haug wurde vom SWR wegen eines Romans gefeuert – Er will weiter arbeiten

„Ich lasse mir mein Recht nicht abkaufen.“ Gunter Haug, der ehemalige Journalist des Südwestrundfunks (SWR), kämpft weiter um seine Wiedereinstellung. Heute verhandelt das Arbeitsgericht Stuttgart über seine Klage. Haug war im letzten Herbst fristlos gekündigt worden, weil er in einem Kriminalroman angeblich seinen Sender sowie Kollegen „diffamiert“ habe.

„Höllenfahrt“ heißt der Roman, in dem Kommissar Horst Meyer über einen „Spätzlesender“ in der Landeshauptstadt räsonierte. „Filz, Unfähigkeit, Cliquenwirtschaft und Intrigen“ herrschten dort, bruddelte der schwäbische Kommissar vor sich hin. Der Intendant des SWR, Peter Voß, bezog die harschen Worte schnell auf seinen Sender und warf Gunter Haug eine erhebliche Verletzung seiner „Loyalitätspflichten“ vor.

Ganz falsch, kontert Haug. Der Roman spiele im Jahr 1992 und da gab es den SWR noch gar nicht, gemeint sei vielmehr der Süddeutsche Rundfunk (SDR). Für diesen Sender hat Haug jedoch nie gearbeitet, da er vor der 1998 erfolgten SWR-Fusion beim Südwestfunk (SWF) tätig war. Eine Verletzung von Dienstpflichten ist da schwer zu konstruieren. Außerdem kann nicht jede Äußerung einer literarischen Figur umstandslos dem Autor zugerechnet werden.

Offene Worte

Haug glaubt, dass der Streit über seinen (in der Freizeit verfassten) Roman nur ein Vorwand war, um ihn loszuwerden. Denn als Abteilungsleiter Landesfernsehen hatte er gegenüber Intendant Voss immer wieder offene Worte riskiert. Kurz vor seiner Kündigung hatte Haug sogar eine Klage gegen den SWR angestrengt, um mehr Aufgaben und Verantwortung zu erhalten. Dass Haugs Chancen vor dem Stuttgarter Arbeitsgericht gut sind, zeichnete sich schon bei einem Gütetermin im Januar ab. Die zuständige Richterin schlug einen Vergleich vor, der dem Gekündigten 100.000 Euro eingebracht hätte. Während sich der SWR sofort einverstanden zeigte, lehnte Haug jedoch ab.

Er will weiter für den Sender arbeiten, auch um seinen Kollegen zu zeigen, dass man sich nicht alles gefallen lassen muss. „Für mich geht es hier auch um das Recht auf literarische Freiheit und freie Meinungsäußerung“, betont Haug, der über 20 Jahre als Redakteur tätig war.

Den Fernsehzuschauern im Südwesten ist er vor allem als Moderator der volkstümlichen „Abendmelodie“ bekannt. Die letzten Monate nutzte Haug jedoch – notgedrungen – für neue Bücher, unter anderem einen weiteren Schwabenkrimi mit dem meinungsfreudigen Kommissar Meyer. CHRISTIAN RATH

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen