: was macht eigentlich Wolfram Siebeck?
Wurst beleidigen
Es geht mal wieder um die Wurst: geschnitten, mit Ketchup und Curry angerichtet. In manchen Lokalen gibt es sie mit einer fertigen Currysoße, deren Rezeptur nur im engsten Kreis der Wurstbuden-Dynastie weitergegeben wird. Populär ist die Curry allemal. Mensch Grönemeyer hat sie besungen und Kanzler Schröder isst sie ungeniert zu jedem Anlass. Das demonstriert Volksnähe und verrät proletarische Herkunft. Schröder behauptete sogar, er würde mittlerweile jede Wurstbude in Berlin kennen.
Der bekannte Feinschmecker Wolfram Siebert hat sich von diesen hohen Weihen nicht abschrecken lassen. Er hat die Currywurst öffentlich beleidigt. In der SFB-Abendschau verurteilte der Experte für hohe Küche die niedere Wurstkultur als „Dreck“. In seinem ganzen Leben habe er noch nie Appetit auf Currywurst gehabt. „Damit protzt man nicht, so was verschweigt man, dass es so was auch gibt.“ Da kann das Wurstfachblatt B. Z. natürlich nicht schweigen. Es mobilisierte schnell ein halbes Dutzend Berliner, die ihren Fleischpamp mit oder ohne Darm beherzt gegen den Angriff des Gastronomiepapstes in Schutz nahmen. Herr Siebert habe die Wurst wahrscheinlich noch nie probiert, ergab die Blitzumfrage. Volksnähe hat der Gourmet mit seiner Tirade nicht gezeigt. Doch als Autor und Benimmberater wendet er sich eh lieber ans gehobene Publikum, das bereit ist, 50 Euro und mehr für ein Essen auszugeben. Wenn es bei ihm Erbsensuppe sein muss, dann bitte mit klein geschnittenen Hummerschwänzen. JTG FOTO: ARCHIV
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