Spieltrieb und Rollentausch

Liebe in Zeiten der femininen Ganzkörperkostümierung: Peyton Reeds Fake-Remake „Down with love“ stellt mit Hingabe einen Doris-Day-und-Rock-Hudson-Film nach

Schon die ersten Bilder rufen die Fernsehtage der Kindheit in Erinnerung: Renée Zellweger fährt im Taxi durch das New York der frühen Sechziger; im Vordergrund dreht der Fahrer zum Anzeigen der Vorwärtsbewegung rhythmisch das Lenkrad hin und her, während im Hintergrund Straßenfluchten und Passanten vorüberziehen. Die Künstlichkeit der Inszenierungstechnik hat uns einst dazu inspiriert, solche Autoszenen im Wohnzimmer nachzustellen. Es muss ein ganz ähnlicher Spieltrieb sein, der Regisseur Peyton Reed dazu veranlasst hat, diesen Film zu machen.

Zellweger spielt in Reeds Fake-Remake (ein Genre, dessen Variationsbreite man in diesem Jahr schon mit „Far from Heaven“ und „Catch me if you can“ bestaunen konnte) die angehende Bestsellerautorin Barbara Novak, die – wie es sich gehört – aus der Provinz in die Großstadt kommt. Es sind ihre bewundernden Augen, durch die man die Stadt betrachtet. Voller Erwartung stellt sich die junge Frau dann vor den Aufzug, um sogleich über großstädtisches Verhalten belehrt zu werden. Im Gedrängel um einen Platz unterliegt die Ungeübte. Trotzig versucht sie es beim nächsten Aufzug. Der ist vollkommen leer – bis auf eine Frau, die raucht.

Könnte der erste Szenenwitz noch tatsächlich aus den Filmen von damals stammen, funktioniert der zweite nur im heutigen Kontext der radikalen Nichtraucherkampagnen. Was wiederum zeigt, welche Kluft der Regisseur zu überwinden hat: Remakes von Komödien sind eine heikle Sache, denn im Gegensatz zu Äußerlichkeiten wie Farbtönen und Automarken lassen sich Witze nur bedingt recyclen.

Geradezu mit Hingabe wird in „Down with Love“ nachgestellt, was man als typisch 60er-Jahre-Film ansieht: Da ist die Ganzkörperkostümierung der Frauen, bei der die Handtaschen in Form und Farbe auf die Hüte abgestimmt sind. Im Gegensatz dazu steht die fast als Wohltat empfundene Monotonie, in der die Männer in Anzügen und weißen Hemden gute Figur machen.

Nichts ist heute leichter, als sich über eine Zeit lustig zu machen, in der Frauen selbstverständlich Kaffee holen gingen, während Männer Entscheidungen trafen. Weshalb Reed sehr viel dicker als die Filme von damals auftragen muss. Barbara Novak hat ein Buch geschrieben, in dem sie den Frauen sagt, was sie tun sollen, um Unabhängigkeit zu erlangen: auf Liebe verzichten und stattdessen Schokolade essen.

Das alles ist aber lediglich Vorspiel zu dem, worum es eigentlich geht: der Zusammenführung eines ungleichen Paares. „Starreporter“ – auch so ein leider ausgestorbener Filmberuf – Catcher Block (Ewan McGregor) soll die Newcomerin interviewen. Da ihre Tipps bereits sein ausschweifendes Liebesleben zu beeinträchtigen beginnen, plant er heimlich eine Enthüllungsstory. In der soll natürlich stehen, dass Barbara sich noch wie jede Frau in ihn verliebt hat.

Mit Catcher Blocks Verleger-Chef McMannus, einer unübersehbar von Tony Randall inspirierten Figur, ist das Trio aus den Doris-Day-und-Rock-Hudson-Filmen komplett. Die waren schon zu ihren Zeiten altmodisch, handelten sie doch von Sex, ohne welchen zu zeigen, und wirkten mithin so verklemmt, dass es schon wieder deutlich war. Vor allem gab es da diese heimliche Verkehrung: Sie war der gute Kumpel, geradezu ein Idealbild männlicher Tugenden, und wurde von ihm, dem lasziven Element, das vor keiner typisch weiblichen Intrige zurückschreckt, verführt. Die Filme handelten mithin weniger vom Geschlechterkampf als vom Rollentausch. Was sie wieder ganz modern machte …

Diese doppelten Zweideutigkeiten, die vielleicht gar nicht mal Absicht waren, lassen sich allerdings kaum nachinszenieren. Ewan McGregor und Renée Zellweger wirken in „Down with Love“ denn auch eher wie Kinder, die Erwachsene spielen. Ganz wie wir damals im Wohnzimmer.

BARBARA SCHWEIZERHOF