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die wortschöpfung des jahres: hühnerverrat

Im großen, weiten Reich der Sprache wird der kleine, zauberhafte Garten der Neologismen nur selten und von viel zu wenigen Menschen betreten. Dabei blühen und gedeihen dort ganz zauberische Pflanzen, manche funkeln gar wie irisierende Edelsteine. Gestern nun verirrte sich das ehrenwerte Bündnis Tierschutz in die unbekannten Gefilde der neuen Worte. Die Tierschützer flatterten auch gleich aufgeregt wie hungrige Hühner und gackerten immer wieder ein Wort hinaus in die Welt der Medien, das sie höchstselbst entdeckt hatten: „Hühnerverrat“. Was für eine wunderschöne Wortneuschöpfung zu einem offenbar gar nicht so schönen Vorgang: „Hühnerverrat durch große Koalition“, empörten sich die Tierschützer. Aber was bitte ist Hühnerverrat? So etwas wie ein Dolchstoß? Und wie kann eine große Koalition Hühnerverrat begehen? Indem sie die dunkelsten Geheimnisse der zwielichtigen Hühner verrät? Fliegen nun alle Machenschaften des Federviehs auf? Dann sind wir eigentlich für den „Hühnerverrat“. Zumindest für das gleißende Wort, das wir dem großen Bündnis Tierschutz verdanken.