#queerselflove nach Orlando

Ein Hashtag fürs Selbstbewusstsein

Seit dem Tag des Anschlags auf den Club in Orlando gibt es den Hashtag #queerselflove. Er gibt Menschen eine Stimme, die vorher ungehört blieben.

Ein Unterstützer der LGBTIQ-Community in Kolumbien ehrt die Opfer von Orlando und hält einen Schirm in Regenbogenfarben

#QueerSelfLove ist auch ein Bekenntnis der Solidarität und der Trauer um die 49 Ermordeten in Orlando Foto: dpa

#Pulse war der Hashtag, mit dem der IS das Attentat auf den Club in Orlando feierte. Bald schon entstand eine Gegenbewegung, lebensbejahend, offen und solidarisch. Auch auf Twitter, mit einem anderen Hashtag: #Queerselflove. Bisher gab es dazu über 700 Tweets, vornehmlich aus den USA.

Twitter-User posten den Hashtag zusammen mit einer kurzen Selbstbeschreibung. Meistens drei Attribute, die sie definieren. Es sind viele Künstler dabei, viele Menschen mit bunten Haaren und viele, die einfach nur ihre Solidarität und Toleranz ausdrücken möchten.

Hierbei geht es um das Bekenntnis dazu, anders zu sein als der heteronormative Durchschnitt. Anders als das, was man in den Medien sieht und vor allem anders als das, was Menschen sehen möchten, die einen hassen. Anders also als die Homophoben da draußen, die Wegschauer und natürlich auch die Täter, die Gewalt gegen queere Menschen ausüben.

Den Hashtag gestartet hat Dylan Marron, ein Filmemacher und Comedian, der, selbst queer, immer wieder die Probleme der LGBTIQ-Community anspricht.

„Leute werden dazu erzogen, Queerness zu hassen und viele queere Menschen wurden dazu erzogen, sich selbst zu hassen. Das ist ein gefährliches und zerstörerisches Muster, das sich selbst füttert wie ein Teufelskreis“, antwortete er der inklusiven US-Seite TheMarySue.com auf die Frage, warum er den Hashtag gestartet habe.

„Die Schmähungen der Mobber in der Schule verschwinden nicht, sie werden nur zur Bedrohung am Wegesrand, zu Medienthemen und manchmal sogar Gesetzen […] Ich war erschüttert von dem Massaker in Orlando, in dem wir so viele unserer queeren Geschwister verloren haben, größtenteils queere people of colour, Leute, die genauso aussahen wie ich, die sich trauten, sich selbst und einander zu lieben – und dazu zu stehen, obwohl die Welt ihnen befahl, es nicht zu tun.“

Ein Hashtag für die queere Community

#Queerselflove soll zeigen, dass es positive Beispiele für LGBTIQ-Leute gibt. Kreative Menschen, die inspirieren und deren Stolz auf das, was sie sind, motiviert, sich auch in den Mittelpunkt zu drängen. Es ist der Versuch, die Agenda selbst zu bestimmen, das Schlaglicht zu wählen, das auf die Community fallen soll und Stimmen der Hater auszuschließen.

Die Zeit war nie reifer als heute, um einen Hashtag zu etablieren, der LGBTIQ-Menschen sichtbar macht. Zu oft verschwinden sie in der Masse oder trauen sich nicht, aus dieser hervorzustechen. Ein destruktiver Kreislauf, der Selbstvertrauen ähnlich lebender und liebender Menschen weiter schmälert und den Mut, selbst hervorzutreten, reduziert.

Natürlich ist #QueerSelfLove auch ein unmissverständliches Bekenntnis der Solidarität und der Trauer mit und um die 49 Ermordeten, ihre Verwandten, Hinterbliebenen und alle, die davon berührt wurden, dass ein homophober Mann seine eigene Angst vor dem Anderen mit Waffengewalt austreiben wollte.  Robert Hofmann

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