Der Schriftsteller Jakob Hein erklärt am taz-Stand, warum man seinem Ding keinen Mädchennamen gibt, und Waldi Hartmann hält Jogis Jungs für Waldorfschüler.von Julia Niemann

Gemütlich auf der taz-Couch: Waldemar Hartmann. Screenshot: Youtube
LEIPZIG taz | „Ich möchte auf gar keinen Fall bei Facebook sein, dann wüsste ich ja, wie wenig Freunde ich hab.“ Der Schriftsteller Jakob Hein hat aber auch in der analogen Welt genug zu tun, schließlich ist er an 45 Sonntagen im Jahr auf der Berliner Lesebühne und den Rest des Jahres als Psychotherapeut beschäftigt - oder damit, sein Reptilienblog oder Bücher zu schreiben.
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Das neueste Buch heißt „Fish'n' Chips und Spreewaldgurken. Warum Ossis öfter Sex und Engländer mehr Spaß haben“. Er hat es zusammen mit der Neuberlinerin Jacinta Nandi verfasst. Nandi kommt aus London, Hein aus dem Osten, und gemeinsam tauschen sich über Klischees und Wahrheiten ihrer Heimat aus.
Am taz-Stand erzählen die beiden, wie sie sich kennen gelernt haben ( Sie: „Du hast mich noch nie zu dir eingeladen!“ Er: „Ich habe bei dir Erdbeeren ohne Sahne bekommen!"), und die taz-Moderatorin kassiert jede Menge Spott von Hein für ihre Annahme, die „nackte Nana“ sei eine Umschreibung für ein entblößtes männliches Geschlechtsteil. Hein: „Man gibt seinem Ding doch keinen Mädchennamen! 'Ich zeig dir gleich meine Johanna?' Wohl kaum“. Nandi entlarvt Nana als Kosewort für Großmutter.
Weiter mit Sex-Talk auf dem taz-Sofa: Nandi behauptet, die Ossis seien so gute „Lecker“, weil sie früher immer bittere Gemüsesuppe von den Tellern im Ferienlager lecken mussten. Hein wäre aber lieber in ein Arbeitslager in Sibirien gegangen, als sich der DDR-Gastronomie auszuliefern.
Personalwechsel auf dem taz-Sofa: Winfried Ridder, selber 20 Jahre ein hohes Tier beim Verfassungsschutz, ist ein kühler Analyst und Skeptiker dieser Behörde. „Verfassung ohne Schutz“ heißt sein Buch. Er erklärt den richtigen und falschen Umgang mit „menschlichen Quellen“, erzählt viel vom RAF-Terror-Jahr 1977 und stellt die Frage nach Sinn und Perspektive des Verfassungsschutzes. V-Leute seien ein teures Risiko, meint er.
Es sollte möglich sein, dass mehr Sachverstand aus der Zivilbevölkerung in den Verfassungsschutz einfließt, so Ridder. Wäre er weniger Behörde und mehr Institut, dann hätte er weiterhin eine Existenzberechtigung. Von der Absurdität, dass Polizei und Verfassungsschutz in Doppelstrukturen arbeiten, ohne sich dabei zu unterstützen, und dem anti-multikulturellen Weltbild bei beiden Organen ist Ridder ebenso empört wie sein Publikum.
Richtig voll wird es natürlich, als Fernseh-Fußball-Weizenbier-Waldi Waldemar Hartmann auf dem taz-Sofa Platz nimmt, um sein Buch „Dritte Halbzeit. Eine Bilanz“ vorzustellen. Doch dann dreht sich das Gespräch um Neid und Missgunst im Journalismus, und Hartmann verrät, woran man erkennt, dass es Zeit ist zu gehen: „Wenn die Weihnachtskarten förmlicher und das Hüsteln lauter wird“. Das hätte sein Kollege Harald Schmidt ihm mitgegeben.
Nie verstanden habe er, warum sich so viel Leute über seine Sendung „Waldis Club“ aufregten. Diese Leute seien doch nicht nachts um halb zwölf ohne Fernbedienung vor den Fernseher gefesselt gewesen. „Ich will den fetten Bayern nicht sehen“, sei eine vollkommen legitime Haltung, aber die „niveauloser Sportchauvinismus“-Beschimpfung bei ständig wachsender Quote hätte ihn schon genervt. Genauso wie Zara Leanders Song aus seiner Kindheit „Waldemar hat schwarzes Haar“.
Das Spiel der heutigen Nationalmannschaft sei zwar schön, so Hartmann, aber die Jogi-Schule werde immer mehr zur Waldorfschule, bei der die Fußballer nicht unbedingt Tore schießen müssten, wenn es sie „in ihrer Gesamtentwicklung behindere“. Er sei da eher am Ergebnis orientiert: „Erster muss man werden!“
Christiane Rösinger vertritt am Donnerstag bei ihrer Buchvorstellung eher den „Dabei sein ist alles“-Standpunkt, schließlich ist sie im vergangenen Jahr zum Eurovision Song Contest nach Baku in Aserbaidschan gefahren – mit dem Auto. Darüber hat sie ein Buch geschrieben: „Berlin – Baku“. Die Reise brachte so einige Erkenntnisse, zum Beispiel, dass die georgische Gastfreundschaft bei Wassili aufhört und die Kunde seiner Machenschaften dank Internet die Grenzen des Kaukasus überwindet.
Aber wird der Kaukasus, diese Männerfantasie von Überfällen, Sex und Crime, überbewertet, nur weil in den Bergen keine Sessellifte hängen? Nein! Aber man sollte nicht bei Wassili übernachten.
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Auf der Leipziger Buchmesse lesen vom 14. bis 17.3. auf 2.800 Veranstaltungen an über 365 Orten über 2.900 Literaten, Künstler, Journalisten und andere aus ihren Büchern. Auch die taz präsentiert an ihrem Messestand (Halle 5 / E 410 a) zahlreiche Autoren und ihre Neuerscheinungen. An dieser Stelle finden Sie vorab Rezensionen, Texte zur Messe und kleine Kolumnen von taz-Autoren über die Bücher und Autoren, die sie in Leipzig vorstellen werden.Und bei den Blogs finden sie den Buchmessenblog unserer Autorin Margarete Stokowski.
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Leserkommentare
16.03.2013 02:01 | Messebesucher #64.000
@ reblek: ...
16.03.2013 00:37 | Koba
"Weihnachtskart'n", die "Weinachtskart`n" (Einzahl)! Herrn's - homm's a "Weinachtkart'n fir mi?" ...
15.03.2013 16:34 | reblek
"'Wenn die Weihnachtskarten förmlicher und das Hüsteln lauter wird'. Das hätte sein Kollege Harald Schmidt ihm mitgegeben. ...