23. April - 5. Mai 2016

Marokko (Süd)

Reiseleiter: Thomas Hartmann

Im Dadès-Tal am Südhang des Hohen Atlas Bild: Kathrin Bär

Marrakesch - Hoher Atlas - Tamellalt (Dadès-Tal) - Zagora - Tazenakht - Marrakesch

Auf dieser Reise durch die beeindruckende Landschaft Südmarokkos lernen Sie Menschen kennen, die sich in verschiedenen Initiativen und Projekten im Umkreis des Netzwerks „Synergie Civique“ engagieren.

PROGRAMM

PREISE UND LEISTUNGEN

LITERATUR ZUM EINLESEN

 

PREIS: 2.050 Euro (DZ/HP/Flug)

VERANSTALTER:

Franke & Leinker,

Tel. 040 - 43 19 07 52, info@marokkoerleben.de

 

Die Reise kann nur beim Veranstalter gebucht werden

Die Fahrt von Marrakesch über den Hohen Atlas in die Oasenstädte im Tal der Drâa führt Sie unter anderem zu einem Frauenzentrum in Marrakesch, zu Teppichweberinnen in Tazenakht und im Dadès-Tal zu einer Malerin und einem Musiker, die sich beide der neuen Amazigh (Berber)-Kulturbewegung zugehörig fühlen.

Thomas Hartmann, früher taz-Nahost-Redakteur; seit 2008 entwickelt er die "Reisen in die Zivilgesellschaft"

Diese Reise findet bereits seit 2008 statt, inzwischen um einen Tag verlängert und mit der Möglichkeit, bei einer Kameltour in Begleitung von Nouaji-Nomaden eine Nacht in der Wüste zu erleben.

Öffnung Richtung Zivilgesellschft seit 1994

Die Entwicklung Marokkos ist ein Sonderfall in der arabisch-islamischen Welt. Mitte der 1990er Jahre leitete die Freilassung der politischen Gefangenen und die Aufarbeitung der „bleiernen Zeit“ staatlicher Repressionen einen umfassenden Prozess gesellschaftlicher Öffnung ein.

Eine taz-Reisegruppe auf Wüstentour in Begleitung von Nouaji-Nomaden Bild: Gernot Gast

Überall in Marokko entstanden Initiativen und Gruppen, die sich für die Verbesserung ihrer Lebensbedingungen sowie für soziale und politische Belange engagieren, insbesondere Frauen- und Menschrechtsgruppen. Sie führten zu einer breiten aktiven Zivilgesellschaft überall im Lande.

Einer der wichtigsten Erfolge war die (weitegehende) rechtliche Gleichstellung von Männern und Frauen, die nach einer breiten Kampagne von Frauengruppen durchgesetzt wurde. 2004 verabschiedete das Parlament die Reform des Familienrechts. Die Bedeutung dieser Änderungen werden Sie beim Besuch eines Frauenzentrums in Marrakesch kennen lernen - und auch, an welchen Punkten Frauengruppen inzwischen eine Nachbesserung verlangen.

Damit sind die vielfältigen sozialen und ökonomischen Probleme nicht beseitigt. Die neue Pressefreiheit muss immer wieder verteidigt und die neuen Rechte der Frauen müssen im Alltag durchgesetzt werden, aber es entstand ein in der arabischen Welt beispielsloses Spektrum zivilgesellschaftlichen Engagements mit Hunderten von Initiativen, Gruppen und Projekten.

Und seit Februar 2011 hat auch in Marokko der „Arabische Frühling“ Fuß gefasst und diese gesellschaftliche Öffnung weiter dynamisiert. Auf der Reise werden wir auch Personen treffen, die sich aktiv an der neuen Bewegung beteiligt haben (siehe: Arabellion in Marokko 2011 + 2014: Trickreich regieren König, Exkommunisten und Islamisten

Mohammed, der Musiker von Assaka, spielt nach dem Abendessen bei Familie Raji Bild: Gernot Gast

Ein Beispiel: das Netzwerk „Synergie Civique“

Das Netzwerk „Synergie Civique“ hat die Autorin und Frauenrechtlerin Fatima Mernissi bereits Ende der 1990er Jahre geknüpft. Sie bemühte sich um eine Verbindung zwischen engagierten Gruppen und Personen aus Rabat und Casablanca, wo zivilgesellschaftliche Aktivitäten stärker und früher entwickelt waren, mit Gruppen und Initiativen in den ländlichen Regionen Marokkos. Ein Ausgangspunkt waren dabei Kontakte, die Fatima Mernissi bei früheren Recherchen über die Lebensbedingungen von Teppichweberinnen in Tazenakht erhalten hatte.

Seit 1997 fanden 12 überregionale Treffen – sogenannte „caravanes civiques“ – von Akteurinnen und Akteuren verschiedener lokaler Projekte und Gruppen in Marrakesch, Zagora und Casablanca statt. Sie dienten der internen Vernetzung genauso wie der öffentlichen Präsentation der verschiedenen Anliegen der Beteiligten; gemeinsame Projekte wurden entwickelt und neue Gruppen in das Netzwerk integriert – wie der Verein ADEDRA („Association de Développement de la Vallée du Dra"), der eine nachhaltige und partizipative Entwicklung in den Oasen im Drâa-Tal um Zagora eingeleitet hat, um die Spirale von Unterentwicklung und Auswanderung zu stoppen.

Treffen mit Teppichweberinnen in Tazenakht Bild: Günther Ermlich

Auf unserer Reise über den Hohen Atlas und die Flussoasen des Drâa-Tals werden wir Personen aus diesem Netzwerk kennen lernen. Sie werden uns mit Stolz die beeindruckende Schönheit ihrer Region zeigen, von ihren Initiativen und Projekten berichten, Dinge erläutern, die vor allem Fremde fragen, etwa was der Islam für sie bedeutet oder mit welchen Schwierigkeiten Frauen konkret zu kämpfen haben – und uns dabei einen Einblick in das Alltagsleben in Marokko ge-ben, eines islamischen Landes, das in Deutschland nur sehr klischeehaft wahrgenommen wird.