20. Okt. - 1. Nov. 2014

Tunesien

Reiseleiterin Edith Kresta

Das Dahargebirge wird seit Jahrtausenden bewohnt – berühmt sind die besonderen Höhlenbehausungen.  Bild: Raja Skandrani

Tunis – Kairouan – Sidi Bouzid – Douz – Dahargebirge – Mahdia

Gleich zu Beginn der Reise in Tunis erleben wir, welche Kräfte die Jasmin-Revolution 2011 im Lande freigesetzt hat. Trotz aller neuer Probleme: die Entmachtung Ben Alis wird von allen als Zeitenwende wahrgenommen.

PROGRAMM

PREISE UND LEISTUNGEN

LITERATUR ZUM EINLESEN

 

PREIS: 1.545 Euro (DZ/HP / ohne Anreise) 

VERANSTALTER: Tour Serail, Freiburg, Tel. 0761 - 64107, muriel@brunswig.info

Die Reise kann nur beim Veranstalter gebucht werden

Wir bleiben mehrere Tage in der Hauptstadt und treffen Akteure des neuen Tunesiens. Dann startet eine Rundfahrt durch die reizvollsten Landschaften Tunesiens.

Edith Kresta, Redakteurin der taz-Reiseseiten; Autorin des MarcoPolo-Reiseführers Südtunesien

Erste Station der Rundreise ist die „heilige Stadt“ Kairouan. Weiter geht es über Sidi Bouzid, den Ort, in dem die Revolution begann, nach Gafsa, Hauptort der Phosphat- region und Hochburg der Gewerkschaften.

Dann fahren wir über die Chotts (Salzseen) Richtung Sandwüste. Im Oasengebiet Nefzzaoua besuchen wir eine FairTrade Dattel-Kooperative.

Entlang der „Straße der Ksours“geht es ins Dahar-Gebirge, wo wir in einem „Wohnhöhlenhotel“ übernachten. Auf der Rückfahrt nach Tunis bleiben wir noch eine Nacht in dem reizvollen Fischerort Mahdia.

Moschee in der Nähe von Chenini im Dahargebirge, der Ort ist Ziel einer Wanderung auf der Reise.  Bild: Archiv

Am 14. Januar 2011 ging von Tunesien aus eine Botschaft um die Welt: Diktatoren können gestürzt werden, das Recht auf ein würdiges Leben in Freiheit und Demokratie ist ein Menschenrecht. Die behauptete „arabische Ausnahme“ – Demokratieunfähigkeit und Freiheitsfeindlichkeit – wurde widerlegt.

Der Aufbau des neuen Tunesien wird daher Bezugspunkt vieler unserer Gespräche mit engagierten Frauen und Männern sein. Dabei werden wir verschiedene Vereinigungen und Projekte der Zivilgesellschaft und deren Arbeit kennen lernen. Aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten Jugendliche, Frauenrechtlerinnen, Blogger, Theaterleute und JournalistInnen, Gewerkschafter und politische FunktionsträgerInnen das Demokratie-Labor Tunesien. 

Denn Tunesien befindet sich seit dieser „Jasmin-Revolution“ im Januar 2011 in einer Art Laborsituation: Es gilt, einen radikalen Bruch mit der Vergangenheit zu bewerkstelligen: Aufklärung, Aufarbeitung und Beseitigung der Hinterlassenschaft der korrupten und mafiösen Einparteiendiktatur in der Exekutive, im Sicherheitsapparat und in der Justiz und zugleich eine Verfassung zu erarbeiten sowie Reformen einzuleiten, die die Fundamente legen für eine soziale, demokratische und egalitäre Republik. 

Frauen forderten seit Beginn der Revolution - hier im März 2011 - die volle Gleichberechtigung  Bild: Archiv

Seinen Anfang nahm der Arabische Frühling in Tunesien nicht in den städtischen Zentren an der Nordküste, sondern im armen, von struktureller Entwicklung abgehängten Südwesten des Landes, wo der Funke zum Aufbegehren schon länger schwelte; mindestens seit der 2008 gewaltsam niedergeschlagenen sozialen Bewegung gegen Arbeitslosigkeit und ungerechte Einstellungspolitik in der Phosphatregion um Gafsa.

Als sich am 17. Dezember 2010 der Straßenhändler Mohamed Bouazizi in Sidi Bouzid (rund 100 km nord-westlich von Gafsa) aus Verzweiflung selbst anzündete, löste dies im Landesinneren (Sidi Bouzid, Kasserine, Thala, Gafsa) spontane Massenproteste aus. Vor allem junge, oft gut ausgebildete Menschen erhoben sich mit Unterstützung der Gewerk-schaftsbasis gegen Arbeitslosigkeit, unwürdige Lebensbedingungen, Unterdrückung und mafiöse Strukturen. Es folgte eine brutale Unterdrückung mit mehr als 300 Toten.

Die erschütternden Bilder, von mutigen BloggerInnen im Netz verbreitet, rüttelten das ganze Land wach. Die Aufstandswelle, zunehmend mitgetragen von der Gewerkschaft, von zivilgesellschaftlichen Gruppen, KünstlerInnen und Teilen der Mittelschicht, erreichte die Hauptstadt. Am 14. Januar 2011 machte sich der Diktator Ben Ali aus dem Staub und mit ihm zwei Familienclans, die das Land mehr als zwei Jahrzehnte unterdrückt und ausgeplündert haben. 

Protestierende in der Avenue Bourguiba in Tunis kurz nach dem Sturz von Ben Ali Ende Januar 2011.  Bild: Renate Fisseler-Skandrani

Öffentlicher politischer Raum

Seitdem entstanden allein bis Januar 2012 an die 200 Zeitungen und Zeitschriften, neue private Radio- und Fernsehsender wurden zugelassen oder sind in der Planung. Facebook spielt als Medium der Informationsverbreitung, des politischem Austauschs und zur raschen politischen Mobilisierung weiterhin eine wichtige Rolle. Tagtäglich entstehen neue zivilgesellschaftliche Vereinigungen, in denen sich bürgerrechtliches und soziales Engagement ebenso bündelt wie spezifische Anliegen verschiedener Gesellschafts- und Berufsgruppen. Mehr als 110 Parteien haben ihre Zulassung erhalten.

Die Zentren der Städte, große Avenuen und Plätze, sind seit Beginn des Umbruchs vielfach genutzter, öffentlicher politischer Raum, wo in Kleingruppen diskutiert und sozialen wie politischen Forderungen durch Demonstrationen und Sit-ins Nachdruck verliehen wird. Zweimal kamen „Karawanen der Freiheit“ aus den Regionen in die Hauptstadt, besetzten den „Place du Gouvernement“ und erzwangen so im Februar und März 2011 zwei Umbildungen der Übergangsregierung, d.h. den Ausschluss von Ben Ali-Getreuen. 

Graffiti 2013 in Tunis: "Bleibt standhaft, Tunesier, die ganze Welt ist stolz auf Euch!"  Bild: Gabriele Gräfe

Mehrere Tausend Personen, zivilgesellschaftliche Zusammenschlüsse und Gruppen, Familien der Opfer der Revolution, Frauenvereinigungen wie die „Femmes Démocrates“, Hochschulvertretungen, HochschulabsolventInnen ohne Arbeit, die Liga für Menschenrechte, Amnesty u.a. haben beim Zusammentreten der Verfassungsgebenden Versammlung am 22. November 2011 die Abgeordneten vor dem Parlament im ehemaligen Bey-Palast in Bardo erwartet, um ihr „Engagement citoyen“ zum Ausdruck zu bringen. Inzwischen hat die Verfassungsgebende Versammlung ihre Arbeit beendet, ein Entwurf, über den noch heftig gestritten wird, liegt dem Parlamant vor.

Bei den ersten freien Wahlen am 23. Oktober 2011 hat die gemäßigt islamische Partei Ennahda mit etwas über 40% der abgegebenen Stimmen die Wahlen gewonnen. Mit ihrem Sieg war gerechnet worden, jedoch nicht in dieser Höhe. Die politische Herausforderung für das neue Tunesien besteht darin, diese gemäßigt islamische Partei in einen demokratischen Prozess einzubinden und das Verhältnis von Politik und Religion in der zu begründenden 2. Republik auszuhandeln.

Mehr zur Entwicklung der Jasmin-Revolution in Tunesien