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Die taz steht für unabhängigen Journalismus

Liebe Leserinnen, lieber Leser,

einmal war Absar einfach verschwunden. Weder seine KollegInnen in Islamabad noch seine Frau und seine beiden kleinen Kinder wussten, warum er von diesem Reporter-Trip nicht wie sonst üblich nach Hause gekommen war. Noch immer spricht er nicht darüber, was während dieser Tage genau passiert ist. Und wie er schließlich wieder freikam, um weiter gegen Korruption und Unterdrückung, gegen Gewalt und das Töten anzuschreiben.

Absar ist ein Kollege, den ich während meiner Fellowship bei der Nieman Foundation for Journalism at Harvard University vor fünf Jahren kennen gelernt habe. Bis heute sind mir seine Erzählungen Mahnung, worum es wirklich geht in unserem Beruf, in unserer Branche. Er, der Mann aus Pakistan, Roza aus dem Iran, Henry aus Südafrika, Russo aus Georgien, all das sind Fellows, die wieder und wieder nicht weniger als ihr eigenes Leben und zum Teil das ihrer Familien riskiert haben, um aufzuklären, gegen Ungerechtigkeit und brutale Gewalt anzuschreiben, schlicht davon zu berichten, was wirklich passiert.

taz-chefredaktion

Die taz-Chefredaktion:

Ines Pohl, Reiner Metzger

Natürlich verbieten sich direkte Vergleiche mit der Situation in Deutschland. Und doch berichte ich natürlich nicht zufällig von diesen KollegInnen. Ich schreibe davon, weil sie mein Verständnis von Journalismus nachhaltig geprägt haben, aber auch, weil in Deutschland die Freiheit der Presse unter einem immer größer werdenden Druck steht. Es sind die unmittelbaren wirtschaftlichen Zwänge, die Konzentrationen auf dem Anzeigenmarkt, die die Macht der Werbekunden größer werden lässt. Dazu kommt die Unsicherheit auf der Seite der KollegInnen. Selbst wenn die Restriktionen des Arbeitgebers größer werden, die Schere im Kopf mächtiger und die eigene journalistische Unabhängigkeit weiter gefährdet, bleiben viele in ihrem Job, weil sie schlicht nicht den Mut haben, den vermeintlich sicheren Käfig des Mainstreamjournalismus zu verlassen.

Damit ist das, für was die taz heute steht, mindestens genau so wichtig wie vor 30 Jahren. Die Marke taz ist dank ihrer LeserInnen und GenossInnen ein Synonym für unabhängigen Journalismus, für wirkliche Pressefreiheit.

Das, wovon Absar spricht und worüber er schweigt, ist auch Ermutigung. Wir dürfen nicht aufhören, dafür zu kämpfen, dass die Wahrheit ans Licht kommt. Das bedeutet, dass es der taz gelingen muss, zu bleiben, was sie ist, und gleichwohl Strukturen zu schaffen und Formen zu finden, die den sich verändernden Gewohnheiten der LeserInnen und Internet-User entsprechen.

Dass die taz dabei nicht zum verbissenen Kampfblatt werden darf, versteht sich von selbst. Denn die taz ist ja auch Unterhaltung, ein verlässliches Ärgernis, ist Anregung und Aufregung in einem.

Ines Pohl, Chefredakteurin